biegenVerb
boghat/ist gebogen
Aussprache:
Worttrennung: bie-gen (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw., sich aus seiner bisherigen (geraden) Form in eine andere krümmen
Beispiele:
etw. nach unten, in die Höhe, zur Seite, (wieder) gerade biegen
aufwärts gebogene Wimpern
eine schön gebogene Nase
einem Werkstoff durch Biegen eine bestimmte Form geben
Beispiele:
Draht, Blech, Rohre biegen
einen Stock zum Flitzbogen biegen
das Knie vor jmdm. biegen veraltet, bildlich jmdm. untertan sein
Beispiele:
Nicht unter Fürsten bogen wir das Knie [SchillerTellII 2]
das Recht biegen übertragen das Recht beugen
Beispiele:
Dem Kaiser selbst versagten wir Gehorsam, / Da er das Recht zu Gunst der Pfaffen bog [SchillerTellII 2]
sich biegen
Beispiele:
der junge Baum biegt sich im Winde
die Zweige biegen sich unter dem Schnee
der Rücken biegt sich unter einer Last
Das Schiff bog sich stöhnend nach Lee [JahnnHolzschiff103]
bildlich
Beispiele:
die Tafel bog sich unter den Speisen (die Tafel war sehr reich gedeckt) übertrieben
er log, dass sich die Balken bogen (er log ungeheuerlich) umgangssprachlich
sie bogen sich vor Lachen (sie lachten unbändig) umgangssprachlich
2.
um, in, auf etw. biegen
mit Hilfsverb ›ist‹
von der bisherigen Richtung abgehen und eine andere einschlagen
Beispiele:
das Auto bog scharf um die Ecke
der Flus, die Straße biegt um den Berg
in eine Toreinfahrt, einen Seitengang biegen
auf die Fahrstraße biegen
Barbara wollte zur Seite biegen (ausweichen) [Bergengr.Feuerprobe23]
3.
mag es biegen oder brechenum jeden Preis
Beispiele:
die Arbeit muss bewältigt werden, mag es biegen oder brechen!
der Wettkampf, die Auseinandersetzung geht auf Biegen oder Brechen (bis zur äußersten Erschöpfung)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

biegen Vb. ‘in eine von der Geraden abweichende Form bringen, krumm machen’ (refl.) ‘sich krümmen, sich beugen’, intrans. Verwendung heute nur im Sinne von ‘bogenförmig die Richtung ändern, einen Bogen machen’, stets mit einer durch Präposition angeschlossenen Ortsangabe (z. B. um die Ecke, in eine Nebenstraße biegen). Ahd. biogan (8. Jh.), mhd. biegen ‘biegen, beugen, krümmen’ (und nicht gesichertes asächs. biogan) entspricht got. biugan ‘beugen’. In den übrigen westgerm. Sprachen weist das starke Verb ablautende Präsensformen (mit Dehnung der Tiefstufe) auf, vgl. asächs. būgan ‘sich beugen’, mnd. būgen ‘beugen, verbiegen, sich biegen, ausweichen’, mnl. būghen ‘beugen, wenden, unterwerfen, sich beugen, geneigt sein’, nl. buigen ‘biegen, beugen, sich biegen, sich beugen’, aengl. būgan ‘sich beugen, sich unterwerfen, sich wenden, nachgeben, zurückweichen, fliehen’ (woraus engl. to bow ‘beugen, krümmen, sich beugen, sich verneigen’ mit schwacher Flexion). Für das Anord. kann nach den belegten Präteritalformen bugu ‘sie bogen’, boginn ‘gebogen’ ein Infinitiv *bjūga oder *būga angesetzt werden (vgl. aber schwach flektierendes schwed. buga sig ‘sich verbeugen’, vielleicht unter mnd. Einfluß). Germ. *beug-, *būg- setzt ie. *bheugh- voraus, während außerhalb des Germ. aind. bhujáti ‘biegt, krümmt sich’ (Part. Perf. bhugna- ‘gebogen, krumm’) und wohl auch air. fidbocc ‘hölzerner Bogen’ auf ie. *bheug- zurückführen, das gleichfalls für semantisch entferntere Bildungen wie griech. phé͞ugein (φεύγειν), lat. fugere ‘fliehen’ und wohl auch für lit. bū́gti ‘erschrecken’ gilt. Wahrscheinlich muß von einer Wurzel ie. *bheug(h)- ‘biegen’ ausgegangen und eine spätere Bedeutungsentwicklung zu ‘zurückweichen, fliehen’ vermutet werden (vgl. auch ‘ausweichen’ im Mnd. und ‘zurückweichen, fliehen’ im Aengl.). Das ursprünglich intransitive germ. Verb, von dem das unter beugen (s. d.) dargestellte Kausativum abgeleitet ist, wird im Hd. (im Unterschied zu den meisten anderen germ. Sprachen, s. oben) seit Beginn der Überlieferung vorwiegend transitiv gebraucht; biegen stimmt daher in seinen Verwendungen oft mit beugen überein. Im älteren Nhd. konkurriert es mit diesem auch als grammatischer Terminus (biegen ‘flektieren’ vom 15. bis ins 18. Jh.). Zur Wortgruppe von biegen gehören ferner Bogen, Bucht, Bügel, bücken (s. d.). Biegung f. ‘im Bogen verlaufende Stelle, Krümmung, Kurve’, namentlich in älterer Sprache auch als Vorgangsbezeichnung ‘das Biegen, Beugen’ (jetzt nur ‘bogenförmige Richtungsänderung’, vgl. eine Biegung machen), spätmhd. biegunge ‘das Beugen, Verbeugung’; als Fachwort der Grammatik (neben Beugung, s. d.) seit dem 15. Jh. ‘Flexion’, so bis ins 18. und gelegentlich noch im 19. Jh. Biege f. ‘Kurve, Bogen’ (2. Drittel 20. Jh.), eine wohl im Jargon der Flieger aufkommende, scherzhaft-lässige Bildung, die nicht unmittelbar an älter nhd. (16. bis 18. Jh.) Biege f., mhd. biege f. ‘Beugung, Biegung, Neigung’ (zuvor ahd. biogo m. ‘Biegung, Krümmung, Bogen, Bucht’, 10. Jh.) anschließt. biegsam Adj. ‘leicht zu biegen, geschmeidig’, mit Bezug auf Charaktereigenschaften ‘äußeren Einflüssen zugänglich, fügsam’, vereinzelt im 15. Jh. nachzuweisen (md. byegsam, 1440), geläufig seit Ausgang des 17. Jhs.; dazu Biegsamkeit f. ‘Elastizität, Geschmeidigkeit’ (18. Jh.).
OpenThesaurus (05/2016)

Thesaurus

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und damit biegt schon das nächste Problem um die Ecke.
Süddeutsche Zeitung, 13.12.2004
Als er sich gerade aus dem Staub machen wollte, bog sie um die Ecke in seinen Gang.
Der Tagesspiegel, 23.12.1998
Dann stieß die Straße in tiefen Wald und bog scharf nach rechts.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 469
Mein Tisch bog sich unter der Last der abgewirtschafteten nichtarischen Kunst.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 878
Der Herr drehte sich um und wir mußten uns biegen vor Lachen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 15.05.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Balken Ecke Kurve Lachen Last Palmen Regale Zielgerade ab abbiegt aufbiegt ausbiegt auseinanderbog beibiegt dehnen durchbiegt ein einbog geradebiegt herumbog hinbiegt krümmen links rechts umbiegt wegbog zurechtbiegt zurückbog zusammenbiegt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›biegen‹.

Wortbildung

mit biegen als Erstglied Biegefestigkeit · Biegemaschine · Biegevorrichtung · biegbar · biegsam
mit biegen als Letztglied abbiegen · aufbiegen · ausbiegen · auseinanderbiegen · beibiegen · durchbiegen · einbiegen · hinbiegen · hintüberbiegen · hochbiegen · umbiegen · zurechtbiegen · zusammenbiegen
Ableitung von biegen verbiegen
mit biegen als Grundform gebogen

Worthäufigkeit

selten häufig

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