ertragenVerb
erträgtertrughat ertragen
Aussprache:
Ableitung von: ↗tragen
Worttrennung: er-tra-gen (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. Unangenehmes hinnehmen, ohne sich dagegen aufzulehnen
Beispiele:
er hat Hunger, Hitze, Durst ertragen
er erträgt alles, alle Fehlschläge mit Fassung, Geduld, Gleichmut
immer müssen wir seine Launen ertragen
sie muss vieles ertragen
häufig verneint
Beispiele:
ich kann die Schmerzen nicht länger ertragen
er kann keinerlei Zwang ertragen
diesen furchtbaren Anblick konnte ich nicht ertragen
jmds. Blick, Anwesenheit nicht ertragen können
die Einsamkeit, Ungewissheit, Schande nicht ertragen können
ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass alle Mühe umsonst war
die Wahrheit nicht ertragen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tragen Vb. ‘eine Last halten und fortbewegen, mit etw. bekleidet sein, Früchte, Ertrag hervorbringen’, ahd. tragan (8. Jh.), mhd. tragen, asächs. dragan, mnd. drāgen, mnl. drāghen, nl. dragen, got. dragan ‘tragen’, semantisch abweichend aengl. dragan ‘ziehen, schleppen, in die Länge ziehen, gehen’, engl. to draw ‘ziehen’, anord. draga ‘ziehen, locken, fahren, Atem holen’, schwed. dra(ga) ‘ziehen’ (germ. *dragan). Außergerm. Anknüpfungen sind nicht gesichert. Aus dem Germ. zu erschließendem ie. *dherāgh-, *dhrā̌gh- ‘ziehen, am Boden schleifen’ stehen nahe ie. *trāgh- ‘ziehen, sich am Boden schleppen, sich bewegen, laufen’, wozu lat. trahere (tractum) ‘ziehen, schleppen’, sowie ie. *dereg-, wozu trecken (s. d.), und ie. *dhreg̑- ‘ziehen, dahinziehen, gleiten, streifen’, wozu aind. dhrájati ‘gleitet dahin, bewegt sich, fliegt’ und (zweifelhaft) trinken (s. d.); Anschluß dieser Varianten an Wurzeln wie ie. *der(ə)- ‘schinden, (ab)spalten’ (s. trennen, zerren) oder ie. *dher(ə)- ‘halten, festhalten, stützen’ ist möglich. Ausgangsbedeutung für tragen scheint ‘am Boden dahingleiten, schleppen, ziehen’ (von Lasten) zu sein, aus der sich ‘tragen’ (durch Lasttiere, Menschen) entwickelt. Trage f. ‘Gestell zum Tragen von Kranken, Lasten, Tragkorb’ (um 1400). Träger m. ‘wer Lasten trägt’, ahd. tragāri (8. Jh.), mhd. trager, treger, seit dem 14. Jh. mit Umlaut. tragbar Adj. ‘erträglich’, mhd. tragebære, ‘zu tragen, transportierbar, (von Kleidern) gut, bequem zu tragen, kleidsam, finanziell erschwinglich’ (18. Jh.), älter ‘trächtig, fruchtbar, gut tragend’ (17. bis 19. Jh.); untragbar Adj. ‘wirtschaftlich, finanziell nicht zumutbar, unerträglich’ (18. Jh.), älter ‘nicht tragend, unfruchtbar’ (16. bis 19. Jh.). abtragen Vb. ‘etw. wegschaffen, beseitigen, einebnen, niederreißen, (Kleidungsstücke) durch Tragen abnutzen, nach und nach bezahlen’, mhd. abetragen; davon rückgebildet Abtrag m. ‘Beeinträchtigung, Minderung, Abzahlung, Wiedergutmachung’, mhd. abetrac ‘Wegnahme, Betrug, Buße, Entschädigung’; abträglich Adj. ‘schädlich, nachteilig’ (Anfang 16. Jh.), mhd. (vereinzelt) abetragelich ‘entschädigend’. antragen Vb. ‘anbieten, vorschlagen’, ahd. anatragan (9. Jh.), mhd. anetragen ‘herantragen, an sich tragen, führen, anstellen, anstiften’; Antrag m. ‘Gesuch, schriftlich vorgebrachte Bitte, förmlicher Vorschlag, Heiratsantrag’, mhd. antrac ‘Anschlag’, rückgebildet aus dem Verb antragen im Sinne von ‘anstiften’; beantragen Vb. ‘einen Antrag stellen, um etw. ersuchen, vorschlagen’ (19. Jh.). auftragen Vb. ‘Speisen auf den Tisch tragen, servieren, aufstreichen, übertreiben, jmdn. verpflichten, etw. zu tun, Kleidungsstücke bis zur Abnutzung tragen, aufbauschen’, mhd. ūftragen ‘in die Höhe streben, reichen’, refl. ‘sich erheben, darlegen, opfern’; Auftrag m. ‘(An)weisung, Aufgabe, Verpflichtung’ (17. Jh.), Rückbildung aus dem Verb; davon abgeleitet beauftragen Vb. ‘jmdm. einen Auftrag erteilen’ und Beauftragter m. ‘wer einen Auftrag auszuführen hat’ (beide Ende 18. Jh.). betragen Vb. ‘eine bestimmte Summe, Höhe, ein bestimmtes Maß erreichen, ausmachen’ (17. Jh.), refl. ‘sich benehmen, sich aufführen, sich verhalten’ (18. Jh.), mhd. betragen ‘tragen, bringen, ertragen, aussöhnen, beilegen’, refl. ‘sich nähren, sich behelfen, sich begnügen, sich befassen, sich abgeben mit’; Betrag m. ‘bestimmte Menge, Geldsumme’ (18. Jh.); vgl. mhd. betrac ‘Vertrag, Vergleich, Erwägung, Sorge’. eintragen Vb. ‘an einen Ort tragen, an einer bestimmten Stelle zusammentragen’, sodann ‘Ertrag, Gewinn bringen, abwerfen’ (16. Jh.), ‘ein-, hineinschreiben, vermerken’ (17. Jh.), ahd. intragan ‘hineintragen’ (9. Jh.), mhd. īntragen, auch ‘einbringen, nutzen’; zu eintragen im Sinne von ‘hineinschreiben’ ist rückgebildet Eintrag m. ‘schriftlicher Vermerk, an bestimmter Stelle eingetragene Bemerkung, (Akten)notiz’ (17. Jh.); vgl. mhd. īntrac ‘Schaden, Nachteil, Einwand, Einrede’, dazu die Wendung einer Sache Eintrag tun ‘sie beeinträchtigen, ihr abträglich sein, sie schädigen’, mhd. īntrac tuon. ertragen Vb. ‘Unangenehmes hinnehmen, ohne sich aufzulehnen, erdulden’, mhd. ertragen ‘vertragen, ertragen’, im 16. Jh. in der heute veralteten Bedeutung ‘einbringen, Nutzen abwerfen’; dazu rückgebildet Ertrag m. ‘bestimmte Menge erzeugter Güter (bes. in der Landwirtschaft), Ausbeute, finanzieller Gewinn’ (16. Jh.); erträglich Adj. ‘so beschaffen, daß es sich ertragen läßt’, unerträglich Adj. (beide 16. Jh.). vertragen Vb. ‘(körperlich, psychisch) ohne Schaden aushalten’, refl. ‘gut zusammenpassen, miteinander auskommen’, ahd. firtragan (8. Jh.), mhd. vertragen ‘wegtragen, verleiten, ertragen, erdulden, sich gefallen lassen, verschonen, aussöhnen, einen Vertrag schließen’; verträglich Adj. ‘umgänglich, friedlich, bekömmlich’, mhd. vertregelich, vertragelich, eigentl. ‘erträglich’, vgl. ahd. unfirtragantlīh ‘unerträglich’ (11. Jh.), mhd. und frühnhd. vereinzelt noch vertragenlich. Vertrag m. ‘rechtsgültige Vereinbarung, Abmachung zwischen zwei oder mehreren Partnern, Kontrakt’, mhd. vertrac ‘Vereinbarung, Verträglichkeit, Dauer, Gewinn’; vertraglich Adj. ‘durch Vertrag festgelegt, gemäß dem Vertrag’ (Ende 19. Jh.), zuerst Adverb. vortragen Vb. ‘nach vorn tragen, (zum Essen) vorsetzen’, ahd. furitragan, mhd. vür-, vortragen, mnd. vordragen, -dregen, ‘in Worten vorbringen, darlegen’ (14. Jh.). Vortrag m. ‘mündliche Darlegung, Rede’ (um 1500). zutragen Vb. ‘etw. zu jmdm. hinbringen, (heimlich) hinterbringen, mitteilen’, refl. ‘sich ereignen, geschehen’ (15. Jh.), ahd. zuotragan ‘herbeibringen’ (um 1000); Zuträger m. ‘wer anderen (heimlich) Nachrichten zuträgt’ (15. Jh.); zuträglich Adj. ‘die Gesundheit fördernd, bekömmlich, förderlich, nützlich’ (16. Jh.), zum Verb zutragen in der veralteten Bedeutung ‘nützen’ bzw. zum heute unüblichen Substantiv Zutrag ‘Nutzen’.
OpenThesaurus (05/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
dulden · durchlaufen · durchmachen · erdulden · erleiden · über sich ergehen lassen · zulassen
Assoziationen
Assoziationen
Synonymgruppe
am eigenen Leib erfahren · auf sich wirken lassen · ausstehen · durchhalten · durchlaufen · durchleben · durchmachen · einen Streifen mitmachen  ugs. · einstecken · erfahren · erleben · erleiden · hinnehmen · in Kauf nehmen · miterleben · mitmachen  ugs. · passieren · überstehen · verleben · zustoßen
Assoziationen
Synonymgruppe
(klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) dareinfinden  geh. · (sich) ergeben in · (sich) fügen · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · (sich) schicken (in) · hinnehmen · keinen Aufstand machen  ugs. · schlucken  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (ein) Gemüt wie eine Brummfliege haben  ugs. · (etwas) nehmen, wie die Kuh das Gras frisst  ugs. · (etwas) nehmen, wie es kommt · gleichmütig hinnehmen
  • (sich) aussöhnen (mit) · (sich) nicht länger auflehnen (gegen) · seinen Frieden machen mit
  • (das ist) der Lauf der Welt · (das) ist einfach so · (das) ist halt so  ugs. · (es) ist nun mal so  ugs. · Et kütt wie et kütt.  ugs. · c'est la vie  ugs. · da kann man nichts machen  ugs. · da machste nix (dran)  ugs. · es ist, wie es ist  ugs. · ist doch so!  ugs. · kann passieren  ugs. · nicht zu ändern sein · so ist das Leben (eben) · so ist das nun mal · so ist nun mal das Leben · so läuft das heute
  • dem freien Spiel der Kräfte überlassen · den Dingen ihren Lauf lassen · geschehen lassen · hinnehmen · nicht eingreifen
  • Harmlosigkeit · Unbedenklichkeit · Ungefährlichkeit · Unschädlichkeit
  • (jemandem) geschehen · (jemanden) befallen · (jemanden) ereilen · durchleben · durchleiden · durchmachen  ugs. · durchstehen · erleben · erleiden · hereinbrechen (über) · mitmachen  ugs.
  • (die) Füße stillhalten  ugs. · (sich etwas) bieten lassen · (sich etwas) gefallen lassen · (sich) nicht wehren (gegen) · (sich) nicht widersetzen · Nachsicht üben · dulden · einstecken · erdulden · ertragen · hinnehmen · in Kauf nehmen  ugs. · konnivieren  geh. · leisetreten · nicht protestieren · schlucken · stillhalten · tolerieren · verschmerzen
  • bewältigen · fertigwerden mit · hinwegkommen über · nicht verknusen können (regional, nur negativ)  ugs. · verkraften · verschmerzen · verwinden · wegstecken  ugs. · überwinden
  • (seinen) Widerstand aufgeben · (sich) abfinden · (zu allem) Ja und Amen sagen  ugs. · keine (weiteren) Einwände erheben
  • (sich) begnügen · (sich) bescheiden (mit) · (sich) zufriedengeben · fürliebnehmen · vorliebnehmen (mit) · zufrieden sein (müssen)
  • (den) Gürtel enger schnallen · (die) Ansprüche zurückschrauben  ugs. · (seine) Ansprüche herunterschrauben  ugs. · (sich) einschränken · (sich) kleiner setzen  ugs. · Abstriche machen · kürzertreten  ugs.
  • (auch) gegen ihren Willen · (auch) gegen seinen Willen · (eine / diese) Kröte schlucken (müssen)  ugs. · (eine / diese) bittere Pille schlucken (müssen)  ugs. · der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe (geflügeltes Wort)  geh. · gezwungenermaßen · in den sauren Apfel beißen (müssen und)  ugs. · nolens volens  geh. · notgedrungen · ob jemand will oder nicht · schweren Herzens · unfreiwillig · wider Willen · widerwillig · wohl oder übel · zwangsläufig · zwangsweise · zähneknirschend  ugs.
Synonymgruppe
(die) Füße stillhalten  ugs. · (sich etwas) bieten lassen · (sich etwas) gefallen lassen · (sich) nicht wehren (gegen) · (sich) nicht widersetzen · dulden · einstecken · erdulden · hinnehmen · in Kauf nehmen  ugs. · konnivieren  geh. · leisetreten · Nachsicht üben · nicht protestieren · schlucken · stillhalten · tolerieren · verschmerzen
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch vor die Wahl zwischen den zwei Übeln gestellt, will er lieber den Lärm ertragen.
Die Zeit, 26.08.2012, Nr. 34
Was sich diese Herren erlaubt haben, ist einfach nicht zu ertragen.
Süddeutsche Zeitung, 02.06.2004
Auch kann man auf größeren Flächen andere Farben kaum lange ertragen.
o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 110
Er konnte es nicht mehr ertragen, in diesen vier Wänden zu sein.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 1001
Das Schweigen erscheint mir bald noch schwerer zu ertragen als das Stöhnen.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 212
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Demütigungen Leid Leiden geduldig still

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ertragen‹.

Wortbildung

mit ertragen als Erstglied ertragbar

Worthäufigkeit

selten häufig

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