gütigAdjektiv
Aussprache:
Worttrennung: gü-tig (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

voller Güte, hilfreich und verzeihend
Beispiele:
ein gütiger Mensch
ihr gütiger Vater
sie hat ein gütiges Herz
ihr gütiges Lächeln
gütig lächeln, nicken
sich gegen jmdn. gütig zeigen
Sie sind sehr gütig!, zu gütig! (formelhafter Dank) spöttisch
mit ihrer gütigen Erlaubnis werde ich ... gespreizt
ich bitte um gütiges Gehör gespreizt
er möchte bitte gütig entschuldigen, dass ... gespreizt
etw. gütigst erlauben gespreizt
»Verzeihen Sie gütigst, daß Sie haben warten müssen, Kesselmeyer«, sagte Herr Grünlich [Th. MannBuddenbrooks1,224] gespreizt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gut Adj. ahd. (8. Jh.), mhd. guot, asächs. aengl. gōd, mnd. gōt, engl. good, mnl. goet, nl. goed, anord. gōðr, schwed. dän. god, got. gōþs gehört ablautend zu der unter Gatte (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *ghadh- ‘vereinigen, eng verbunden sein, zusammenpassen’ (vgl. auch aind. gádhyaḥ ‘was man gerne festhält, was einem paßt’, aslaw. godьnъ ‘gefällig, geeignet’ sowie ahd. gigat ‘passend’). Als Ausgangsbedeutung von germ. *gōda- wird danach etwa ‘passend, geeignet’ anzusetzen sein. Das Wort zeigt, teils schon in sehr früher Zeit, eine reiche Bedeutungsentwicklung, die, von ‘passend’ ausgehend, zunächst zu ‘für einen Zweck geeignet, tauglich, brauchbar’, in spezifischer Anwendung auf Personen ‘tüchtig, geschickt’ führt. Aus dem Begriff des Geeignetseins für einen bestimmten Zweck entwickelt sich gut zum Wertbegriff im Sinne von ‘wertvoll, kostbar, hochwertig, qualitativ einwandfrei’ (bei Sachen), ‘vornehm, edel, angesehen, ehrlich’ (auf Personen oder deren Verhältnisse bezogen), ferner zum Ausdruck des Wohlgefallens, der Freude, die jemand an einer Sache oder einem Zustand hat, wird also zu ‘angenehm, bequem, vorteilhaft, erfreulich, fein, schön’. Aus ‘passend, geeignet’ entwickelt sich auch, gleichfalls schon in ältester Zeit, die Bedeutung ‘geneigt, wohlmeinend, freundlich, gefällig, gütig’; in allgemeiner ethischer Verwendung steht gut im Sinne von ‘rechtschaffen, tugendhaft, anständig’. gut wird auch zur Bezeichnung von Mengen- oder Maßangaben im Sinne von ‘richtig, ordentlich’ verwendet, woraus sich ‘reichlich, beträchtlich’ (eine gute Stunde, gute acht Tage) ergibt; schließlich kann gut als Mittel der Steigerung etwa im Sinne von ‘tüchtig, gehörig, völlig’ (ich habe gute Lust, in gutem Einvernehmen) gebraucht werden. Gut n. ‘Besitz, Vermögen, versandfertige Ware, Ladung, Material, Stoff für einen bestimmten Arbeitsprozeß (Saat-, Steingut), größerer landwirtschaftlicher Betrieb’, ahd. guot ‘Gutes, Vermögen, Besitz’ (8. Jh.), mhd. guot, auch ‘Landgut’, asächs. aengl. gōd, anord. gott, Substantivierungen des Adjektivs. Güte f. ‘hilfreiche, großherzige Gesinnung, Nachsicht, Freundlichkeit, gute Beschaffenheit, Qualität (einer Ware)’, ahd. guotī (9. Jh.), mhd. güete, asächs. gōdi. vergüten Vb. ‘entschädigen, zurückerstatten, die Güte, Beschaffenheit verbessern’, spätmhd. vergüeten ‘entschädigen, auf Zinsen anlegen’; dazu Vergütung f. (18. Jh.). begütert Adj. ‘mit Gütern, Reichtum ausgestattet, reich, wohlhabend’ (16. Jh.). gütig Adj. ‘voller Güte, hilfreich und verzeihend’, mhd. güetec. begütigen Vb. ‘gut zureden, besänftigen, beschwichtigen’ (15. Jh.). gütlich Adj. ‘in gutem Einvernehmen, ohne Streit, friedlich’, ahd. guotlīh ‘gut, heilbringend, segensreich’ (8. Jh.), mhd. guotlich, güetlich ‘gut, gütig, freundlich’. Gutachten n. ‘ausführlich begründete Stellungnahme eines Sachverständigen’ (Anfang 16. Jh.), substantivierte Zusammenrückung aus etw. für gut achten. Gutdünken n. ‘eigenes, persönliches Ermessen’, spätmhd. guotdunken, Substantivbildung aus Verbindungen wie eʒ dunket mich guot. Guthaben n. ‘worauf man Anspruch hat, zur Verfügung stehendes (gespartes) Geld, geldliche Forderung an jmdn.’ (um 1800), Substantivierung aus etw. gut haben (heute guthaben) ‘etw. zu fordern haben’. gutheißen Vb. ‘für gut befinden, billigen’ (16. Jh.), Zusammenrückung aus etw. gut heißen. gutmütig Adj. ‘von guter Gemütsart, nicht streitsüchtig, leicht zu beeindrucken, mitleidig’ (15. Jh.). Gutschein m. ‘Schein über ein Guthaben in Waren oder Geld’ (19. Jh.), Verdeutschung für Bon (s. d.). gutwillig Adj. ‘guten Willen zeigend, gefügig’, ahd. guotwillīg (um 1000), mhd. guotwillic.
OpenThesaurus (05/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
affektioniert  geh. · geneigt  geh. · gewogen  geh. · gutgesinnt · hold  geh. · verständnisvoll · wohlgesinnt · wohlgesonnen  ugs. · wohlmeinend  geh. · wohlsinnig · wohlwollend · zugetan  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
(eine) Seele von Mensch · gut · gutmütig · herzensgut · menschlich
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man sollte ihnen endlich die Hand reichen, die gütige Hand selbstverständlich.
Die Welt, 06.02.2003
Es war nicht genau zu erkennen) und schaut der Dame gütig in die Augen.
Süddeutsche Zeitung, 03.01.1994
Um dich zu begaben, verschob sie es, gütig zu sein.
Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 181
Bleib nur so, wie Du bist - Du bist wirklich gütig.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 09.03.1935. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1935], S. 16405
Der gütige alte Herr hörte ihr ernst und aufmerksam zu.
Klabund: Kunterbuntergang des Abendlandes. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1922], S. 10449
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Assistenz Fee Fügung Geschick Gott Greis Großvater Landesvater Lächeln Mithilfe Nachsicht Onkel Patriarch Vaterfigur Vorsehung Walten Zureden allmächtigen allwissenden barmherzig dreinblickenden gnädigen hilfsbereit verstehenden verständnisvoll verzeihend väterlich weisen weißhaarig Übervater

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›gütig‹.

Wortbildung

mit gütig als Erstglied Gütigkeit
mit gütig als Letztglied allgütig

Worthäufigkeit

selten häufig

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