ge-Affix
Worttrennung: ge- (computergeneriert)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ge- gemeingerm. unbetontes Präfix *ga-, ahd. ga- (8. Jh.), gi- (9. Jh.), abgeschwächt ge- (im 11. Jh. vorherrschend), mhd. ge-, asächs. gi-, mnl. ghe-, nl. ge-, aengl. ge-, älter gi-, später (als Folge von Palatalisierung, vgl. afries. je-) i-, engl. i- (in handicraft ‘Handwerk’), y- (in everywhere ‘überall’), e- (in enough ‘genug’), anord. g- (in granni ‘Nachbar’), got. ga- (in garazna ‘Nachbar’). Die Bedeutung geht im Germ. von dem Begriff des Zusammenseins, der Zusammengehörigkeit, der Vereinigung aus, am deutlichsten erkennbar in Substantiven, die teilnehmende Personen bezeichnen (Gefährte, Genosse, Geselle, Gespiele, Gevatter), seltener in Adjektiven (gemein) und Verben (gefrieren, gerinnen, eigentl. ‘zusammenfrieren’, ‘zusammenrinnen’). Zusammengehörigkeit führt zu der Verwendung von ge- in neutralen Kollektivbildungen (Gebilde, Gebirge, Geflügel, Gerippe, Gestirn, Getier, Gezweig), teils auch mit Anlehnung an Verben (Gebäck, Gedeck, Gedicht, Geflecht, Gestell, Getöse); ferner drückt ge- das Ergebnis des im zugehörigen Verb bezeichneten Vorgangs aus (Gebinde, Gefüge, Gespinst, Gewölbe) oder bildet Vorgangsbezeichnungen (Gebrüll, Geflüster, Geschrei, Geschwätz, Gewühl). Oft ist ge- wohl bloßes (gelegentlich verstärkendes) Ableitungsmittel. In verbalen Zusammensetzungen wird durch ge- das momentane Geschehen ausgedrückt, das entweder den Beginn oder den Abschluß eines Vorgangs bezeichnet (gebären, gebühren, gedeihen, gefallen, gehören, gelingen, genesen, geschehen, gestehen, gewähren, gewinnen, gewöhnen). Simplex und Präfixverb können auch nebeneinanderstehen, wobei sich meist ein Bedeutungsunterschied herausgebildet hat wie bei bietengebieten, brechengebrechen, horchengehorchen, hörengehören, ratengeraten, reichengereichen, stehengestehen. Aus der perfektivierenden Funktion von ge- entwickelt sich der Gebrauch beim Part. Prät., der Vollendungsform des infiniten Verbs (gearbeitet, gefunden, gegeben, gekommen), wie auch die Verwendung bei der Bildung von Adjektiven (gelaunt, gestirnt, gewitzt). Die Herkunft des Präfixes ist nicht geklärt. Semantische Berührung besteht mit dem Präfix lat. com- (s. kon-) und der Präposition lat. cum ‘mit, zusammen mit, zugleich mit’ sowie mit damit verwandtem griech. koinós (κοινός) ‘gemeinsam’ (aus *κομι̯όϛ ‘miteinander gehend’), der Präposition air. con- ‘mit’, dem Präfix air. gall. com- ‘(zusammen) mit’. Diese führen auf ie. *kom (Adv. Präfix und Präp.) ‘neben, bei, mit’, das germ. *ham- ergeben müßte, so daß germ. *ga- lautlich nicht hierher zu gehören scheint; es sei denn, man führt germ. g- im unbetonten Präfix über χ auf ie. k- zurück und nimmt Nasalschwund an.

Wortbildung

mit ge- als Erstglied Geballer · Geballere · Gebelfer · Gebrüder · Geflatter · Geflimmer · Geflüster · Gefummel · Gegacker · Gegeifer · Gehämmer · Gejammer · Geklapper · Geklimper · Geleier · Geleiere · Gelächter · Gemecker · Gemeckere · Gemeckre · Geplauder · Geplätscher · Gepolter · Geratter · Geschluder · Geschnatter · Gestotter · Gestöber · Gestümper · Gewieher · Gewässer · Gezwitscher · Geäder

Worthäufigkeit

selten häufig

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