genügenVerb
Aussprache:
Worttrennung: ge-nü-gen (computergeneriert)
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
genug sein, hinreichen, ausreichen
Beispiele:
das genügt für uns, für 10 Personen, unsere Verhältnisse
das genügt mir nicht, kaum, völlig
ein Anruf, Blick genügte
ein kleines Zimmer hätte uns für diese Nacht genügt
die Pferdebahn genügte für frühere Verhältnisse
diese Methode kann für moderne Verhältnisse nicht mehr genügen
die Frau hatte Angst, dem Mann nicht mehr zu genügen
kein Genügen (keine Befriedigung) finden veraltend
oft im Part. Präs.
Beispiele:
bei genügender Übung, mit genügender Energie wirst du den Anforderungen gerecht
genügenden, genügend Lohn erhalten, zahlen
genügend Abwechslung, Benzin im Tank, Geld, Muße, Zeit haben
genügend verdienen, zu essen haben
die Leistungen des Schülers sind mit ›genügend(als Zensur) bewertet
2.
einer Sache genügeneiner Sache gerecht werden
Beispiele:
der Anstandspflicht, den wachsenden Ansprüchen, den Bedingungen, der Form, den Regeln des Wettkampfes genügen
seinem Auftrag ... hat er nie genügt [H. MannZeitalter14]
immer schwerer fiel es ihm, seinen Repräsentationspflichten am Hofe und in der Stadt zu genügen [Feuchtw.Tag236]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

genug ‘ausreichend, in notwendiger Menge, zufriedenstellendem Maße vorhanden’ (in der Funktion eines Substantivs ‘ausreichende Menge’), ironisch untertreibend auch ‘bis an die Grenze des Erträglichen gehend’ (vgl. die bereits für das Ahd. öfter zu belegende Bedeutung ‘reichlich, im Überfluß’). Die einem Indefinitpronomen oder Adverb ähnelnde, im Nhd. (wie in den anderen modernen germ. Sprachen) stets flexionslose Quantitätsangabe geht (als erstarrte endungslose Form des Neutrums) auf ein altes Adjektiv zurück, das in den frühen germ. Sprachstufen (einschließlich des Mhd.) noch in vielfacher (attributiver, prädikativer und adverbieller) Verwendung lebendig ist, ahd. ginuog (8. Jh.), ginuogi (9. Jh.), mhd. genuoc (selten genuoge mit regulärer Adverbendung), asächs. ginōg(i), mnd. genōch, (en)nōch, mnl. ghenoech, nl. genoeg, afries. (e)nōch, aengl. genōg, genōh, engl. enough, anord. gnōgr, nōgr, schwed. nog, got. ganōhs. Die Bildungen gehören zu einem nur in Resten nachweisbaren germ. Präteritopräsens ahd. ginah (um 800), aengl. geneah, got. ganah ‘es genügt’ (hierher vielleicht auch anord. ‘nahen, erreichen’ mit Ablaut). Dieser germ. Verbalstamm und seine außergerm. Entsprechungen wie aind. aśnṓti ‘erlangt, erreicht’, nákṣati ‘erreicht, kommt an, erlangt’, griech. (Aorist) enenké͞in (ἐνεγκεῖν) ‘herbeischaffen, davontragen’, ónkos (ὄγκος) ‘Tracht, Last’, lat. nancīscī ‘erlangen, bekommen’, aslaw. nesti, russ. nestí (нести), lit. nèšti ‘tragen’ führen auf ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’. Auf md. Gebiet findet sich seit dem 14. Jh. eine nasalierte Nebenform spätmhd. genunk, nhd. genung, die aber im 19. Jh. wieder aus der Literatursprache verschwindet. Genüge f. n. (nur im Sing.) ‘ausreichendes Maß, Befriedigung’, Abstraktbildung zum Adjektiv genug (s. oben), jetzt vor allem inder adverbiellen Fügung zur Genüge ‘in ausreichendem Maße’, ahd. ginuogi n. (9. Jh.; daneben auch ginuogī f.?, 8. Jh.), mhd. genüege f. ‘Genüge, Fülle’, asächs. ginōgi f., mnd. genȫge, (g)nȫge f.; im Nhd. seit dem 17. Jh. auch wieder als Neutr., wohl unter Einfluß von gleichbed. Genügen n. (mhd. genüegen n.), dem substantivierten Infinitiv des folgenden Verbs. genügen Vb. ‘ausreichen, befriedigen, erfüllen’, ahd. ginuogen ‘genügen, befriedigen, reichlich vorhanden sein’ (9. Jh.), mhd. genüegen, genuogen, mnd. (ge)nȫgen, mnl. ghenoegen, nl. genoegen ‘befriedigen, erfreuen, ausreichen’, refl. ‘Genüge finden’, anord. gnœgja, nœgja ‘genug, reichlich geben’, got. ganōhjan ‘Genüge leisten’, ganōhnan ‘genug sein’; das Part. Präs. des nhd. Verbs verselbständigt sich im 18. Jh., als genügend Part.adj. ‘ausreichend, zufriedenstellend’ ersetzt es genug in adjektivischem, oft auch in adverbiellem Gebrauch; dazu ungenügend Adj. ‘unbefriedigend, nicht ausreichend’ (18. Jh.). Erweiterungen von genügen sind vergnügen (s. d.) und begnügen Vb. ‘sich zufriedengeben’ (refl. seit dem 18. Jh.), mhd. begenüegen ‘befriedigen, zufriedenstellen’, kontaminiert aus mhd. genüegen (s. oben) und mhd. benüegen ‘genug haben’, frühnhd. benügen ‘genügen, zufrieden sein, befriedigen’. genugsam Adv. ‘in ausreichendem Maße, vollauf’ (heute auf altertümelnde Ausdrucksweise beschränkt), ahd. ginuogsam (8. Jh.), mhd. genuocsam Adj. ‘Genüge oder Fülle habend, bietend’, nhd. noch bis zur 1. Hälfte des 19. Jhs. in adjektivischer Verwendung (‘ausreichend, zufriedenstellend’), als Adverb seit dem 15. Jh. üblich; daneben in den älteren Sprachstufen häufiger gleichbed. ahd. ginuhtsam (8. Jh.), mhd. genuhtsam Adj., von einem im Frühnhd. untergehenden Substantiv ahd. ginuht ‘Fülle, Überfluß’ (8. Jh.), mhd. genuht ‘Genüge, Fülle, Freude’ (vgl. aengl. genyht, anord. gnōtt ‘Genüge, Überfluß, reichlicher Vorrat’). genügsam Adj. ‘leicht zu befriedigen, anspruchslos’, umgelautete Form von genugsam (s. oben, nhd. vereinzelt bis in jüngere Zeit noch in dessen Sinn vorkommend), nimmt seit dem 16. Jh. durch Anlehnung an das Verb genügen (s. oben) die heutige Bedeutung an; dazu Genügsamkeit f. ‘Anspruchslosigkeit’, frühnhd. meist genuocsamkeit, Genugsamkeit; in dieser Verwendung vom 15. Jh. an zu belegen, aber erst Ende des 17. Jhs. üblich, anfangs häufiger ‘Genüge, Überfluß’. genugtun Vb. ‘Genüge leisten, befriedigen’ (frühnhd. auch ‘bezahlen, Buße tun’), Übersetzung von lat. satisfacere als Ausdruck des Rechtswesens und der Kirche, zunächst dafür Fügungen wie ahd. ginuog, ginuhtsam tuon, mhd. genuoc, genüege tuon (Getrenntschreibung häufig noch nhd. bis ins 19. Jh.), Zusammenrückung seit dem 15. Jh.; dazu Genugtuung f. ‘Befriedigung, Wiedergutmachung, Buße’ (15. Jh.), entsprechend lat. satisfactio.
OpenThesaurus (05/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
(es) langt · ausreichen · genug sein · gereichen  geh. · langen  ugs. · reichen · zureichen  ugs.
Synonymgruppe
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es genüge jedoch, wenn sie autonomes Verhalten zeigen oder wenn sie kommunizieren können, sagt Darling.
Die Zeit, 10.05.2013, Nr. 20
Eine Minute genügt hier; im nassen Tau können Sie dagegen fünf Minuten treten.
Schwenk, Hans: Gesünder wohnen, München: König Verlag 1972, S. 76
Bei kleineren Teilen genügt meist ein Versiegeln der Rückseite mit Lack.
Bernd Käsch, Heimwerker-Handbuch: Wiesbaden: Falken-Verlag Erich Sicker 1968, S. 102
Eine Überwachung ohne spezifische Bestimmungen für eine friedliche Lösung genügt jedoch nicht.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1963]
Ihm genügt es nicht, selbst zu wissen, was er wert ist, er verlangt danach, sich dies auch von den andern bescheinigen zu lassen.
Gigon, Olof: Das hellenische Erbe. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 8079
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anforderungen Anruf Ansprüchen Blick Funke Hinweis Klick Knopfdruck Kriterien Mausklick Mehrheit Nachweis Reisepaß Remis Standards Unentschieden allein bereits es manchmal mehr meist nicht offenbar oft schon selbst vielleicht vollauf vollkommen

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Worthäufigkeit

selten häufig

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