langenVerb
Aussprache:
Worttrennung: lan-gen (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
sich [Dativ] etw. langen umgangssprachlich die Hand nach etw., jmdm. ausstrecken und etw., jmdn. festhalten, etw., jmdn. greifen
Beispiele:
sie langte sich eine Kerze, um ihm zu leuchten
er langte sich ein Glas und stieß mit an
er langte ihn sich und prügelte ihn durch
die Polizei hat sich ihn gelangt (hat ihn gefaßt)
in Verbindung mit »an«
Beispiele:
er langte sich an den Kopf (er faßte mit der Hand an seinen Kopf)
in Verbindung mit »aus«
Beispiele:
er langte ein Formular aus der Schublade (er nahm ein Formular aus der Schublade)
in etw. langen
in Verbindung mit »in«
in etw. fassen, hineingreifen
Beispiele:
in die Tasche, in den Korb langen
nach etw. langen
in Verbindung mit »nach«
Beispiele:
nach der Kanne, Flasche, nach dem Revolver langen
etw. von etw. langen
in Verbindung mit »von«
etw. von etw. herunternehmen
Beispiele:
er langte den Hut vom Haken, von der Wand, das Buch vom Regal
2.
jmdm. eine langen salopp jmdn. ohrfeigen
Beispiele:
jmdm. ordentlich eine langen
jmdm. ein paar Ohrfeigen langen
eine gelangt kriegen (geohrfeigt werden)
Sie schrie: »Ein dämlicher Bengel bist du!« und langte mir doch weiß Gott eine Maulschelle [WelkGrambauer93]
3.
umgangssprachlich ausreichen, genügen
Beispiele:
das Gehalt langt nicht
dazu langt der Lohn nicht
für ein paar Zigaretten, ein Taxi hatte sein Bargeld noch gelangt
damit langt man schon ein paar Tage (kommt man schon ein paar Tage aus)
das langt mir jetzt! (jetzt habe ich genug, jetzt reicht es mir!) salopp
Zieht nun in neue Kriege nicht, ihr Armen / Als ob die alten nicht gelanget hätten [BrechtGedichte267]
Jetzt langt es aber, Herr Boye. Ich bin dafür, wir brechen die Witzemacherei ab [BaierlFlinz14] salopp
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lang Adj. räumliche und zeitliche Erstreckung bezeichnend, ahd. lang ‘langgestreckt, lange dauernd, ausführlich’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. lanc ‘lang, langsam’, asächs. nl. lang, aengl. lang, long, engl. long, anord. langr, schwed. lång, got. laggs wird zusammen mit gleichbed. lat. longus, mpers. drang, pers. dirang ‘lang’ auf ie. *(d)longho-, Adjektivbildung zu einer nasalierten Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *del- ‘lang’, zurückgeführt. Unnasaliert liegt die (ursprünglich zum Teil wohl zweisilbige) Gutturalerweiterung vor in aind. dīrgháḥ, griech. dolichós (δολιχός), aslaw. dlьgъ, russ. dólgij (долгий) ‘lang’, ebenso (mit d-Abfall) in lit. ìlgas, lett. ilgs und in got. tulgus ‘fest, standhaft’. Das erste Zeugnis des germ. Adjektivs zeigt der bei Tacitus in lat. Langobardī überlieferte Name der Langobarden, eigentl. ‘Langbärte’. Im Dt. bezeichnet lang sowohl die Erstreckung in einer Dimension, und zwar bei Körpern die der größten Ausdehnung (im Unterschied zu breit oder dick), als auch die Erstreckung in der Zeit. In festen Verbindungen, vgl. lange Finger machen ‘stehlen’, einen langen Hals machen ‘neugierig sein’, ein langes Gesicht machen ‘enttäuscht sein’. lange Adv. ‘lange Zeit, bei weitem’, ahd. lango ‘vor langer Zeit, längst’ (8. Jh.), mhd. lange, langen ‘seit langem, lange Zeit’. längs Präp. Adv. ‘an etw. entlang, der Länge nach’, mhd. langes, lenges Adv. ‘vor langer Zeit, der Länge nach’, mnd. langes, frühnhd. auch längst (mit hinzugetretenem t, s. unten) sind adverbiale Genitive Sing. des Adjektivs. Das Adverb ist in der Gegenwart kaum noch in Gebrauch (etw. längs schneiden, nordd. längs kommen); als Präp. wird längs seit dem 14. Jh. verwendet. längst Adv. ‘seit langer Zeit, schon lange, bei weitem’, frühnhd. längst, auch langest, leng(e)st. Ursprünglich identisch mit längs (s. oben), dessen adverbiale Verwendung im Sinne von ‘vor langer Zeit’ die durch sekundäres -t erweiterte Form übernimmt; entsprechend unlängst Adv. ‘vor nicht langer Zeit, vor kurzem’, mit unorganischem -t aus dem adverbiellen Genitiv frühnhd. unlang(e)s (15. Jh.), mnd. unlanges, mnl. onlanges. Länge f. ‘Ausdehnung in die Hauptrichtung, Dauer, Längengrad’, ahd. lengī (9. Jh.), mhd. lenge. Länge bezeichnet insbesondere die räumliche Erstreckung im Unterschied zu Höhe und Breite, auch die Körpergröße, und erscheint als Grundwort in Maßbezeichnungen wie Hauptes-, Pferde-, Schiffslänge. langen Vb. ‘ausstrecken, sich erstrecken, reichen, auskommen’, mhd. langen ‘lang werden oder machen, sich ausstrecken, um etw. zu erreichen, Verlangen haben’, ahd. langēn ‘Verlangen haben’ (9. Jh.). anlangen Vb. ‘ankommen’ (16. Jh.). erlangen Vb. ‘bekommen, gewinnen, erwerben, erreichen’, mhd. erlangen ‘sich sehnen, verlangen, erreichen’, auch (unpersönlich) ‘lang dünken, langweilen’. S. auch gelangen, hinlangen. verlangen Vb. ‘nach etw. Sehnsucht haben, etw. begehren, fordern’, mhd. verlangen; Verlangen n. substantivierter Infinitiv, mhd. verlangen, auch ‘Verdruß, Kummer’. länglich Adj. ‘im Verhältnis zur Breite größere Länge aufweisend, ein wenig lang’, ahd. langlīh (9. Jh.), frühnhd. langelich, lengelich (15. Jh.), daneben frühnhd. langlecht, länglicht, mhd. lengeleht. langsam Adj. ‘zögernd, lange Zeit brauchend, träge’, ahd. (8./9. Jh.), asächs. langsam ‘lange dauernd’, aengl. langsum; s. -sam. Daneben ahd. langseimi (10. Jh.), mhd. lancseim; das zweite Wortglied (ahd. -seimi) stellt sich zu mhd. seine ‘langsam, träge’, verwandt mit seit, Seite (s. d.), oder es gehört im Sinne von ‘langsam fließend, tröpfelnd’ zu dem unter Seim (s. d.) behandelten Substantiv; die Bedeutung ‘zögernd, gemächlich, nach und nach’ wird von langsam übernommen. Langeweile f. ‘Gefühl des Nichtausgefülltseins, des Überdrusses, Mangel an Abwechslung’, mhd. lange wīle, Zusammenschreibung vereinzelt seit dem 14. Jh., fest im 17. Jh., doch noch bis zur Gegenwart mit Binnenflexion (aus Langerweile, der Langenweile begegnen); langweilen Vb. ‘Langeweile bereiten’, refl. ‘Langeweile haben’ (18. Jh.); langweilig Adj. ‘uninteressant’ (15. Jh.). Langfinger m. ‘Dieb’ (17. Jh.). Langmut f. ‘Geduld, Nachsicht’ (16. Jh.), Rückbildung (da sich ahd. langmuotī, 8. Jh., nicht fortsetzt) aus langmütig Adj. ‘geduldig’, ahd. langmuotīg (10./11. Jh.), mhd. lancmüetec, Weiterbildung des Adjektivs ahd. langmuot (8. Jh.), einer Übersetzung von gleichbed. kirchenlat. longanimis (zu lat. longus ‘lang’ und animus ‘Seele, Mut’). Langohr n. Name des Hasen (auch kleines Langohr) und des Esels (großes Langohr), wohl rotw. (16. Jh.); zu vergleichen ist die ähnliche Benennung des Hasen durch spätlat. aurītus (zu lat. auris ‘Ohr’), des Esels durch die zugehörige Deminutivform lat. aurītulus. Adjektivisches aurītus ‘(in auffälliger Weise) mit Ohren versehen’ dient zur Charakterisierung beider Tiere. langwierig Adj. ‘lange während, viel Zeit erfordernd, mühsam’, frühnhd. langwiric ‘lange dauernd, lange lebend’ (15. Jh.), Zusammensetzung mit dem Adjektiv ahd. wirīg ‘dauernd, dauerhaft’ (um 1000), mhd. wiric ‘dauerhaft’, zu ahd. werēn (s. währen). Weit früher als das Adjektiv erscheint das Abstraktum ahd. langwirī̌gī ‘lange Dauer’ (um 1000).
OpenThesaurus (05/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
(es) langt · ausreichen · es tun  ugs. · genug sein · genügen · gereichen  geh. · reichen · zureichen  ugs.
Assoziationen
  • für den Hausgebrauch (reichen)  ugs. · für den einfachen Bedarf · wenn man keine Ansprüche stellt
Synonymgruppe
(den) Kaffee auf haben  ugs. · (die) Faxen dicke haben  ugs. · (die) Nase gestrichen voll haben  ugs. · (die) Nase voll haben (von)  ugs. · (die) Schnauze gestrichen voll haben  ugs. · (die) Schnauze voll haben  ugs. · (einer Sache) müde (sein)  geh. · (einer Sache) überdrüssig sein  geh. · (es) ist gut  ugs. · (etwas) nicht mehr hören können  ugs. · (etwas) satt haben  ugs. · (jemandem) bis da stehen (+ Geste)  ugs. · (jemandem) bis Oberkante Unterlippe stehen  ugs. · (jemandem) langen  ugs. · (jemandem) reichen  ugs. · (jemandem) zu blöd werden  derb · (jemandem) zu dumm sein  ugs. · (jemandem) zu dumm werden  ugs. · (von etwas) genug haben  ugs. · etwas dicke haben  ugs. · leid sein · mit seiner Geduld am Ende sein · zum Hals(e) heraushängen  ugs.
Assoziationen
  • (so) langsam hab ich die Faxen dicke  ugs. · (so) langsam reicht es  ugs. · Das Maß ist (jetzt) langsam voll. · allmählich reicht es · das ist (jetzt) allmählich nicht mehr feierlich  ugs.
  • ans Aufhören denken · aufhören wollen · einer Sache müde sein  geh. · nicht mehr wollen
  • (jemandem) wird es zu bunt · (sich etwas) nicht länger bieten lassen · Genug ist genug.
  • leg mal 'ne andere Platte auf  ugs. · man kann's nicht mehr hören
Synonymgruppe
genau genug sein · hinkommen · in etwa zutreffen · reichen
Assoziationen
  • dem ist so · den Tatsachen entsprechen · der Fall sein · gegeben sein · hinkommen  ugs. · korrekt sein · richtig sein · seine Richtigkeit haben · so sein · stimmen · wahr sein · zutreffen · zutreffend sein
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es langt nicht, zu denken, ich wünsche mir endlich mal einen Ring.
Die Welt, 19.09.2005
Wenn du dir die Ergebnisse anschaust, langst du dir an den Kopf.
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2001
Ich langte nach dem Buch, das sie zurückgelassen hatte, um ihren Namen zu erfahren.
Hartung, Hugo: Ich denke oft an Piroschka, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1980 [1954], S. 8
Er war sicher ein frecher Hund, aber hierfür langte es nicht.
Spoerl, Heinrich: Die Feuerzangenbowle, München: Piper o.J. [1933], S. 199
Fette Hände langten unter ihren Rock, zerrten am Steg ihrer Hose.
Koeppen, Wolfgang: Das Treibhaus. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1953], S. 325
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ansicht Auffassung Berühmtheit Besitz Einschätzung Einsicht Entschluß Ergebnis Erkenntnis Freie Indiskretion Macht Nahrungskette Reife Ruhm Schluß Schlußfolgerung Schlußfolgerungen Tasche Umwegen Weltruhm anlangt auslangt danebenlangt einlangten hineinlangte hinlangt zulangt Öffentlichkeit Überzeugung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›langen‹.

Wortbildung

mit langen als Letztglied anlangen · auslangen · durchlangen · einlangen · emporlangen · herablangen · herauflangen · herauslangen · herlangen · herumlangen · herunterlangen · herüberlangen · hinauflangen · hineinlangen · hinlangen · hinüberlangen · hochlangen · reinlangen · runterlangen · zulangen
Ableitungen von langen belangen · erlangen · verlangen
formal verwandt mit hinlänglich

Worthäufigkeit

selten häufig

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