leerAdjektiv
Aussprache:
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
nichts enthaltend
a)
ganz ohne Inhalt
Gegenwort zu voll
Beispiele:
ein leeres Glas, Fass, Boot
eine leere Kiste, Packung Zigaretten
der Koffer ist leer
der Wagen fuhr leer zurück
den Teller leer essen (nichts mehr darauf lassen)
eine Flasche Wein leer machen (austrinken) umgangssprachlich
mit leeren Händen (ohne etw. zu bieten haben) dastehen, kommen
mit leerem Magen (ohne gegessen zu haben) arbeiten
einen Laden leer kaufen (alle Waren darin wegkaufen)
Die beiden fielen um wie leere Säcke [TucholskyGanz anders244]
b)
ohne jede Spur von etw., jmdm.
Beispiele:
eine leere (öde) Landschaft, Wüste
eine leere (nicht bewohnte) Villa
leere (nicht belebte) Straßen
das leere Zimmer hallt
einen leeren (freien) Tisch suchen
der Kosmonaut bewegte sich im leeren Raum
vor leeren Bänken sprechen
die Gegend ist wüst und leer (ganz verlassen)
die Wohnung stand leer (war unbewohnt)
eine Seite leer (unbeschrieben) lassen
bildlich
Beispiele:
das Leben ist leer an Freuden (freudlos) geworden
das Nest leer finden (niemanden in seinem Schlupfwinkel finden)
übertragen
Beispiele:
der Motor läuft leer (leistet keine Arbeit)
leer bei einem Unternehmen ausgehen (nicht den geringsten Vorteil davon haben)
das Leeredas Ungewisse
Beispiele:
das war ein Schlag ins Leere
ins Leere greifen, starren
Man tappt völlig im Leeren [NossackSpirale340]
2.
ohne inneren Gehalt, Ausdruck
Beispiele:
ein leeres Lächeln
eine leere Miene
ein leerer (inhaltsloser) Begriff
leere Phrasen
ein leeres (nichtiges) Gerede, Geschwätz
leere Versprechungen, Drohungen
das sind alles leere Ausflüchte
mit leeren (ausdruckslosen) Augen
mit leerem Gesicht vor sich hin starren
sich innerlich leer fühlen
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn [SchillerBürgschaft]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leer Adj. ‘nichts enthaltend, ohne Ausdruck’, ahd. lāri ‘leer, bar’ (um 1000), mhd. lære, lær ‘leer, ledig (von)’, asächs. lāri, mnl. laer ‘leer’ (hierzu stellt de Vries Nl. 379 nl. laar ‘offener, leerer Platz im Wald’, das sich insbesondere in Ortsnamen, auch nd. und md., findet), aengl. gelǣr(e), westgerm. *lēzi(ja)-, Bildung zur Präteritalstufe des Plurals des unter lesen ‘sammeln’ (s. d.) dargestellten Verbs, die ursprünglich ‘was gelesen werden kann, auflesbar’ in bezug auf das abgeerntete, (den landlosen Armen) zum Ährenlesen freigegebene Feld bedeutet. Das zunächst auf die Sphäre des Ackerbaus beschränkte Adjektiv nimmt die Bedeutung ‘abgeräumt’, dann ‘nichts enthaltend’ an und kann damit auf Flächen, Räume und Gefäße gleichermaßen bezogen werden. Übertragungsmöglichkeiten im Sinne von ‘inhaltslos, nichtssagend, ausdruckslos’ schließen sich an (leere Worte, Drohungen, Versprechungen, ein leeres Gesicht). Leere f. ‘Leersein, Ausdruckslosigkeit’ (16. Jh.). leeren Vb. ‘leer machen’, mhd. læren; vgl. ahd. irlāren (9. Jh.).
OpenThesaurus (05/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
frei · leer stehend · unausgefüllt
Synonymgruppe
abgedroschen · abgeschmackt · banal · beliebig · billig  ugs. · flau · geistlos · hohl  ugs. · inhaltsleer · nichts sagend · nichtssagend · oberflächlich · ohne Aussage · platt  ugs. · schal · seicht · trivial · witzlos · wohlfeil
Assoziationen
Synonymgruppe
Synonymgruppe
alle  ugs. · aufgebraucht · aus  ugs. · es gibt kein (...) mehr  ugs. · es hat kein (...) mehr  ugs. · gar (fränk., bair.)  ugs. · ist kein (...) mehr da  ugs. · nicht mehr da · nichts mehr da an  ugs. · zu Ende gegangen · zur Neige gegangen  geh.
Assoziationen
  • abgelaufen · aus (sein) mit  ugs. · aus und vorbei  ugs. · beendet · dahin  geh. · es war einmal (und ist nicht mehr) · gelaufen · gewesen · herum · passee · passé · rum  ugs. · tot und begraben (z.B. Hoffnungen) · verflossen  ugs. · vergangen · vorbei · vorbei (sein) mit · vorüber
  • (restlos) ausverkauft · abverkauft · geräumt (Lager) · nicht länger im Angebot · nicht mehr am Lager (kaufm.) · nicht mehr am Markt (kaufm.) · nicht mehr erhältlich · nicht mehr vorrätig · nicht mehr zu haben · vergriffen (Buch) · weg
Synonymgruppe
Synonymgruppe
gehaltlos · hohl · ohne Inhalt · ohne Substanz · substanzlos
Synonymgruppe
ausgehöhlt · hohl
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er blickte auf die leeren Bänke vor dem unbeleuchteten Altar.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 69
Wer einmal anfängt, Haut um Haut abzuschälen, steht am Ende mit leeren Händen da.
Die Zeit, 26.01.1996, Nr. 5
Sie müssen Ihr Glas nun nicht in einem Zuge leeren.
Chamrath, Gustav: Lexikon des guten Tons, Wien: Ullstein 1954 [1953], S. 24
Als er daheim anlangte, dünkte die Hand ihm fast leer.
Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 202
Übrigens ", fuhr er fort," kommen wir nicht mit leeren Händen.
Hermlin, Stephan: Die Zeit der Gemeinsamkeit, Berlin: Bibliothek Fortschrittlicher Deutscher Schriftsteller 1951, S. 106
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akku Batterie Bierflaschen Blatt Bühne Drohung Flaschen Glas Halle Haushaltskassen Händen Hülle Hülse Kassen Magen Raum Regale Rängen Staatskassen Stuhl Tank Taschen Tor Versprechen Versprechungen ausgehen fast stehen stehenden ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leer‹.

Wortbildung

mit leer als Erstglied Leerfahrt · Leergewicht · Leergut · Leerkilometer · Leerlauf · Leertaste · Leerverkauf · Leerzimmer · Leerzug · leer essen · leer fressen · leer futtern · leer kaufen · leer laufen · leer pumpen · leer stehen · leeressen · leerfressen · leerfuttern · leerkaufen · leerlaufen · leerpumpen · leerstehen
mit leer als Letztglied ausdrucksleer · blutleer · gedankenleer · halb leer · halbleer · inhaltleer · inhaltsleer · liebeleer · luftleer · menschenleer
Ableitung von leer Leerheit

Worthäufigkeit

selten häufig

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