wollenAdjektiv
Aussprache:
Worttrennung: wol-len (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

aus Wolle
Beispiele:
eine wollene Decke, Jacke, Mütze
ein wollener Kissenbezug
wollene Strümpfe, Handschuhe
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wollen Vb. ‘wünschen, fordern, die Absicht haben’, ahd. (obd.) wellen (8. Jh.), mhd. wellen (aus germ. *waljan, s. wählen) und ahd. (frk.) wollen (9. Jh., mit dem wohl schwundstufigen, wenn nicht aus e verdumpften Vokalismus des Prät. wolta), mhd. wollen, wöllen, wullen sowie (aus germ. *wiljan) asächs. willian, mnd. mnl. nl. willen, aengl. willan, engl. to will, anord. vilja, schwed. vilja, got. wiljan. Das gemeingerm. unregelmäßig flektierende Verb zeigt im Präsens die Formen eines Optativs (ahd. teilweise noch bewahrt im Präs. Sing.), der die Stelle des Indikativs eingenommen hat. Es führt mit aind. vṛṇā́ti, vṛṇītḗ, vṛṇōti ‘wählt, wählt aus, zieht vor, wünscht, liebt, mag’, vára- ‘Wahl, Wunsch, Begehr’, griech. (mit Dentalerweiterung) éldesthai (ἔλδεσθαι, aus *ϝελ-) ‘wünschen, verlangen’, lat. velle ‘wollen, die Absicht haben, übereinstimmen’, bret. guell ‘besser’, lit. vélmi, vélti ‘wünschen, lieber wollen, erlauben’, aslaw. velěti ‘gebieten, befehlen, wollen’, russ. velét’ (велеть) ‘befehlen’, (ablautend) aslaw. voliti ‘(lieber) wollen’, russ. (älter) volít’ (волить) ‘wollen’ auf die Wurzel ie. *u̯el- ‘wollen, wählen’. Dazu gehören auch wählen, Wille und wohl (s. d.).

Wolle f. ‘(zum Spinnen zu verwendende, bzw. versponnene) Tierhaare’, ahd. wolla (9. Jh.), mhd. wolle, mnd. wulle, mnl. wolle, wulle, nl. wol, aengl. wull, engl. wool, anord. schwed. ull, got. wulla (germ. *wullō mit ll aus ln) ist wie aind. ū́ṛṇā ‘Wolle’, griech. lḗnos (λῆνος) ‘Wolle, Wollfaser, -flocke’, lat. lāna ‘Wolle’, lit. vìlna ‘Wolle’, aslaw. vlьna ‘Wolle’, russ. (landschaftlich) vólna, volná (волна) ‘Schafs-, Ziegenwolle’ (aus ie. *u̯ḷnā) und kymr. gwlan, korn. gluan ‘Wolle’ (aus ie. *u̯lənā) mit dem Suffix ie. -nā (germ. -nō) gebildet. Verwandt sind ferner (hochstufig) lat. vellere ‘rupfen, zupfen, ausrupfen’, vellus ‘abgeschorene, noch zusammenhängende Wolle des Schafs, Pelz’ und wohl auch got. wilwan ‘rauben’. Als Wurzel läßt sich ie. *u̯el(ə)- ‘Haar, Wolle’, auch ‘Gras, Ähre, Wald’ bzw. *u̯el- ‘reißen, rupfen, an sich reißen, rauben, ritzen, verwunden, Wunde’ (s. auch Walstatt) erschließen. Wolle meint in erster Linie ‘Schafwolle’ mit einer Ausgangsbedeutung ‘Gezupftes’. wollen Adj. ‘aus Wolle bestehend oder hergestellt’, ahd. wullīn (9. Jh.), mhd. wüllīn, wullīn.
OpenThesaurus (05/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
(auf etwas) aus sein · (erreichen) wollen · (etwas) fixieren · (etwas) in den Blick nehmen · (sich etwas) fest vornehmen · (sich etwas) in den Kopf setzen · (sich etwas) zum Ziel setzen · (sich) auf die Fahnen geschrieben haben · (sich) konzentrieren (auf) · (zu tun) gedenken · abzielen (auf) · alles tun, um zu · anpeilen · anstreben · anvisieren · beabsichtigen · bezwecken · erstreben · es abgesehen haben auf · es anlegen auf · gewillt sein · hinarbeiten (auf) · im Sinne haben · intendieren · ringen um · streben nach · trachten nach  geh. · vorhaben · willens sein  geh.
Assoziationen
  • (es) abgesehen haben auf · (es) anlegen auf · aus sein auf · suchen (Streit / die Konfrontation)
  • (einen) Gieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper haben (auf)  ugs. · (ganz) wild auf (etwas)  ugs. · (inständig) verlangen nach · (jemandem) (das) Wasser im Mund zusammenlaufen (beim Gedanken an)  ugs. · (jemandem) steht der Sinn nach · (sehr) hinter (etwas) her sein  ugs. · (sehr) verlangen nach · (sich die) Finger lecken nach · (sich) die Finger lecken nach  ugs. · (sich) sehnen nach · (sich) verzehren nach · ...närrisch · Lust haben (auf) · aus sein auf · begehren · begehren nach · begehrlich nach · begierig auf · besessen von · brennen auf · dürsten nach  geh. · erpicht auf  geh. · ersehnen · fiebern nach · geil auf (etwas)  ugs. · gelüsten nach  geh. · giepern nach  ugs. · gieren (nach) · heiß auf (etwas)  ugs. · herbeisehnen · herbeiwünschen · hinter etwas her (sein) wie der Teufel hinter der armen Seele · hungern nach · jiepern nach  ugs. · kaum erwarten können · lechzen (nach)  geh. · nicht warten können auf · scharf auf (etwas)  ugs. · schmachten nach · sehnlichst begehren · sehnlichst vermissen · spitzen auf · süchtig nach · unbedingt haben wollen · vergehen nach · verrückt auf (etwas)  ugs. · verrückt nach · verschmachten (nach) · versessen auf · vor Lust (auf etwas) vergehen · vor Verlangen (nach etwas) vergehen
Synonymgruppe
ausbitten · begehren · erbitten · ersehnen · fordern · herbeisehnen · mögen · sein Herz an etwas hängen  ugs. · verlangen · wünschen
Unterbegriffe
  • ein Anliegen haben · einen Wunsch haben · etwas auf dem Herzen haben  ugs.
Assoziationen
  • (es gibt) (viel) Beifall für · (gut) angenommen werden · (jemandem) angenehm (sein) · (jemandem) sympathisch sein · Anklang finden (bei) · Gefallen finden (an) · Zuspruch erfahren · Zuspruch finden · akzeptiert werden · auf Gegenliebe stoßen · auf Zustimmung treffen · begrüßt werden · behagen · freundlich aufgenommen werden · gefallen · gut ankommen (bei)  ugs. · konvenieren  geh. · nach jemandes Geschmack sein · passen · positiv aufgenommen werden · zusagen
Synonymgruppe
(getan haben) wollen · behaupten (etwas getan zu haben) · ihm zufolge · nach dem, was er sagt  ugs. · nach seinen Worten · seiner Aussage nach · seiner Aussage zufolge · so wie er sagt  ugs. · wie er behauptet
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Deine wollene Decke wärmt mich gut, mein Bett ist jetzt hinreichend warm für meine 72 Jahre.
Der Tagesspiegel, 14.04.2005
Aber wer würde sich in einer solch unheimlichen Umgebung schon länger aufhalten wollen.
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2001
Auf letztere kommen über das feuchte Tuch noch warme wollene Tücher.
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 332
Er kriegt und kriegt sie nicht an, wahrscheinlich liegt es an den dicken wollenen Socken.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 1, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 68
Dabei ist er durch Einhüllen in wollene Decken warm zu erhalten.
Körting, Georg Friedrich: Unterrichtsbuch für die weibliche freiwillige Krankenpflege, Berlin: Mittler 1913 [1907], S. 179
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Decke Faden Fäustlingen Gewebe Gewänder Handschuhe Hemd Jacken Kappe Kleider Kleidungsstücke Kniestrümpfe Kopftuch Kutten Mantel Mützen Ponchos Pullover Schal Socken Strümpfe Tuch Unterhemd Unterhosen Unterrock Unterwäsche Weste baumwollene seidene

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wollen‹.

wollenVerb
willwolltehat gewollt
Aussprache:
Worttrennung: wol-len (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutung

»wollen« + Akk.obj., Inf. oder durch »dass« eingeleiteter Gliedsatz bei vorangehendem Inf. steht in 1 b. 3. 5 der Inf. von »wollen« statt des Part. Prät. steht »wollen« ohne folgenden Inf. oder durch »dass« eingeleiteten Gliedsatz, so ergibt sich aus Zusammenhang und Situation der zu ergänzende Inf. oder der durch »dass« eingeleitete Gliedsatz
1.
»wollen« + Akk.obj., Inf. oder durch »dass« eingeleiteter Gliedsatz
drückt aus, dass der Wille, Wunsch oder die Absicht des Subjekts darauf gerichtet ist, dass mit dem Akkusativobjekt etw. geschieht, dass der Inhalt des Akkusativobjekts, des Infinitivs, des »dass«-Satzes realisiert wird
a)
wollen‹ + Akk.obj.
α)
es kann »haben« ergänzt werden
drückt aus, dass der Wille, der Wunsch des Subj. darauf gerichtet ist, etw., jmdn. zu haben
Beispiele:
willst du einen Apfel, noch eine Tasse Kaffee?
ich will eine Schnitte, jetzt mein Essen
er will sie zur Frau
sie haben keine Kinder gewollt
sein Recht, seine Ruhe wollen
man darf nicht alles, zuviel auf einmal wollen
der liebt dich nicht, der will nur die Ochsen [BaierlFlinz11]
β)
jmd. will etw.jmd. erstrebt etw.
Beispiele:
ich habe doch nur dein Bestes, Glück gewollt
wir wollen Freundschaft mit allen
[er] will in seinem Herzen nur Gutes [P. WeissMarat4]
b)
jmd. will etw. tun, jmd. will, dass jmd. etw. tut
der zu ergänzende Inf. kann durch »es«, »das«, der zu ergänzende durch »dass« eingeleitete Gliedsatz durch »es«, »das«, »was«, »etwas« ersetzt werden
jmds. Wille, Wunsch, Absicht ist darauf gerichtet, dass er oder ein anderer etw. tut
α)
»wollen« + Inf. oder durch »dass« eingeleiteter Gliedsatz
Beispiele:
ich will Medizin studieren
ich will nach N fahren, morgen abreisen, in diesem Jahr die Prüfung machen
wolltest du nicht ins Kino gehen?
er sagte, dass er schon längst habe kommen wollen
sie hatte nicht lange bleiben wollen
ich will dich nicht stören
ich vergaß, was ich sagen wollte
was ich (noch) sagen wollte ...
ich will mich rasch noch umziehen
ich wollte gerade gehen, als sie hereinkam
ich wollte dich deshalb schon anrufen, da fiel mir ein, dass ...
etw. haben, sehen wollen
er hat Geld von mir haben wollen
ich will etwas vom Leben haben
ich will meine Ruhe haben umgangssprachlich
willst du nicht hierbleiben?
ich will nicht, dass er mitkommt
er wollte nicht daran erinnert werden
er will um Erlaubnis gefragt werden, immer Recht haben
ich will wissen, was geschehen ist
du musst nur wollen, dann geht es auch
nun gut, wie du willst
»warum hast du es ihm nicht gegeben?« »Meine Mutter hat es nicht gewollt«
du hast es selbst so gewollt, ja nicht anders gewollt
ohne es zu wollen, ...
das habe ich nicht gewollt
das wollte er um gar keinen Preis
hier wird gemacht, was ich will
(nicht) wissen, was man will
mit jmdm., etw. nichts zu tun haben wollen (jmdn., etw. ablehnen) umgangssprachlich
das will ich nicht gesehen haben
wenn es sich so verhält, dann will ich nichts gesagt haben (nehme ich meine Behauptung zurück)
etw. nicht wahrhaben wollen
jmdn. etw. glauben machen wollen (jmdm. etw. einzureden versuchen)
das will, wollte ich dir auch geraten haben (drückt eine Drohung aus) umgangssprachlich
»borgst du mir deinen Wagen?« »Nun gut, ich will mal nicht so sein« (»borgst du mir deinen Koffer?« »Nun gut, ich gebe meinem Herzen einen Stoß und tue es«) umgangssprachlich, scherzhaft
was will man da machen (da kann man nichts machen), das ist eben so umgangssprachlich
du kannst schimpfen, wie du willst (du kannst noch so sehr schimpfen), du musst es machen umgangssprachlich
ich kann machen, was ich will (was ich auch immer mache), ich schaffe es nicht umgangssprachlich
»möchtest du noch ein Stück Kuchen?« »Nein, danke.« »Wer nicht will, der hat (schon)« (»möchtest du noch ein Stück Kuchen?« »Nein, danke.« »Dann eben nicht«) salopp
hier ist nichts mehr zu wollen (hier kann man nichts mehr machen, daran ist nichts mehr zu ändern) umgangssprachlich
von ihm ist nichts mehr zu wollen (von ihm kann man nichts mehr verlangen, erwarten) umgangssprachlich
du hast hier gar nichts zu wollen (zu bestimmen) umgangssprachlich
was willst du (eigentlich, noch mehr) (was verlangst du noch, gib dich doch mit dem Erreichten zufrieden), es ist doch alles gut gegangen umgangssprachlich
Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte? [SchillerWallenst. TodI 4]
der General, der Oberst ... die waren weit weg, die konnten ihnen nichts wollen (anhaben) [BöllAdam13] umgangssprachlich
Gar nichts können sie dir wollen [FalladaWolf1,395] umgangssprachlich
das Wollen
Beispiele:
sein ehrliches, künstlerisches Wollen
daß die Bürger ... mit der Autorität ihrer gesellschaftlichen Organisationen ihrem Wollen und ihren Forderungen Ausdruck geben [Verfassung DDR22]
etw., nichts von jmdm. wollen
Beispiele:
Er wollte etwas von mir, so viel begriff ich
was willst du (von mir)?
aber was konnte er wollen? [GoesAber im Winde243]
Was will man von mir? – Ich bin unschuldig [FrischBiedermann3]
›ich wollte‹, ›wir wollten‹ + Inf. höflich drückt einen bescheidenen Wunsch aus
Beispiele:
ich wollte Sie fragen, ob ...
wir wollten dich bitten, dass ...
im Konjunktiv Prät.
drückt einen irrealen Wunsch aus
Beispiele:
ich wollte, er käme endlich, ich hätte mehr Zeit, es wäre schon alles vorbei
der Arzt will, dass ich zur Kur fahre
wenn du willst, kannst du mitkommen
Sie können kommen, wann Sie wollen
er hat erreicht, was er wollte
»kommst du mit?« »Ich will nicht«
was willst du damit?
du kannst tun und lassen, was du willst
ob du willst oder nicht, du musst mit
er war redselig, wenn du (so) willst, geschwätzig
irgendwohin wollen
Beispiele:
ich will ins Grüne umgangssprachlich
er hat nicht ins Bett gewollt umgangssprachlich
er wollte nach Hause umgangssprachlich
sie will zum Theater (Schauspielerin werden) umgangssprachlich
wohin willst du?
zu wem wollen Sie?
etw. will etw. tun
»wollen« + Inf. mit sächlichem Subj.
drückt aus, dass etw. eine bestimmte Funktion haben soll
Beispiele:
dieser Aufsatz will nur einen kurzen Überblick geben
diese Studie will dazu beitragen ...
Die Kybernetik ... will eine Theorie der Verhaltensweisen von möglichen Maschinen sein [KlausKybernetik12]
β)
»w.« + Inf. oder durch »dass« eingeleiteter Gliedsatz
von Menschen gebraucht, die an ein Schicksal, an Gott glauben und diesem einen Willen zusprechen
Beispiele:
Wenn es das Schicksal will, daß gesühnt werden muß [L. Frank2,276]
da es das Unglück gewollt hatte, daß ... [MusilMann210]
γ)
in Verbindung mit Infinitiven drückt aus, dass das Subj. den Inhalt des Inf. bestimmt realisieren wird kann in Versprechen, Einräumungen, Drohungen stehen
abgeblasst
Beispiele:
er sagte, er wolle ihr schreiben (er sagte, er werde ihr schreiben)
er versprach, sie abholen zu wollen
nun gut, dann will ich es dir doch zeigen
sagen will ich es ihm schon, aber ...
dem will ich's aber zeigen! umgangssprachlich
wir wollen sehen (es wird sich zeigen), wer hier zu bestimmen hat
wir wollen sehen, was sich machen lässt umgangssprachlich
du wirst doch nicht im Ernst behaupten wollen, dass ...
das will ich dir gern glauben
ich will (nicht) hoffen, dass ...
das will ich meinen! (davon bin ich überzeugt!)
er wollte sich totlachen, ausschütten vor Lachen (er lachte sehr) umgangssprachlich
Wir wollen aber jedenfalls feststellen (wir stellen aber jedenfalls fest), daß ... [KlausLogik156]
im Konjunktiv Prät. in Bedingungssätzen
Beispiele:
es führte zu weit, wollten wir auf alle Fragen näher eingehen (gingen wir auf alle Fragen näher ein, würden wir auf alle Fragen näher eingehen)
es wäre falsch, wollte man leugnen, wenn man leugnen wollte, dass ...
ich würde mich freuen, wenn du mich am Sonntag besuchen wolltest
δ)
gewollt
im Part. Prät.
unnatürlich, gekünstelt, weil zu sehr beabsichtigt
Beispiele:
mit gewollter Heiterkeit
ein gewollt gleichgültiges Gesicht machen
das sagte sie gewollt lustig
die Darstellung von N wirkt etwas gewollt
der Schluss des Romans hat etwas Gewolltes
Freilich, immer wird in der Kunst das Neue gewollt und künstlich erscheinen [Erh. KästnerZeltbuch159]
2.
wollen‹ + Inf.drückt die Aufforderung zur Realisation des Inhaltes des Inf. aus
a)
›wir wollen‹ + Inf.
wollen wir‹ + Inf.
drückt aus, dass sich der Sprecher an den Angesprochenen mit der Aufforderung, dem Vorschlag wendet, den Inhalt des Inf. gemeinsam zu realisieren
α)
als Aussage
der Sprecher entscheidet nicht nur für sich, sondern auch für den Angesprochenen, dessen Zustimmung voraussetzend, über die gemeinsame Realisation
Beispiele:
wir wollen gehen! (lass, lasst uns gehen!)
komm, kommt, wir wollen es noch einmal versuchen!
darauf wollen wir unser Glas erheben!
wir wollen uns doch nichts vormachen umgangssprachlich
na, dann wollen wir mal! umgangssprachlich
β)
als Frage
der Sprecher überlässt die Entscheidung über die gemeinsame Realisation dem Angesprochenen
Beispiele:
wollen wir gehen?
wollen wir Freunde sein?
wollen wir uns nicht setzen?
b)
α)
wollen Sie (bitte)‹ + Inf. höflich drückt eine bestimmte Aufforderung aus
Beispiele:
wollen Sie bitte Platz nehmen
bitte, wollen Sie Platz nehmen
wollen Sie (bitte) einmal herschauen, einen Augenblick warten
wollen Sie bitte so freundlich sein und mir den Weg zeigen
wollen Sie mir erlauben, das Fenster zu schließen
Wollen Sie jetzt auf der Stelle, in aller Form darüber Rechenschaft geben?! [GoetzHokuspokusI]
›Sie wollen, ihr wollt, man wolle‹ + Inf. papierdeutsch
Beispiele:
Sie wollen sich bitte um 8 Uhr einfinden (finden Sie sich bitte um 8 Uhr ein)
bei eventuell auftretenden Mängeln an Ihrem Gerät wollen Sie sich bitte mit dem Kundendienst in Verbindung setzen
Sie wollen mir gestatten, das näher zu begründen gespreizt
β)
willst du, wollt ihr wohl (endlich)‹ + Inf. umgangssprachlich drückt eine sehr bestimmte, leicht drohende Aufforderung aus
Beispiele:
willst du wohl (endlich) still sein!
wollt ihr wohl eure Suppe essen!
3.
wollen‹ + Inf.drückt aus, dass der Sprecher den Inhalt des Inf. als eine Behauptung des Subj. hinstellt, deren Richtigkeit er bezweifelt
Beispiele:
er will dich gestern gesehen haben (er behauptet, dich gestern gesehen zu haben)
er will selbst dabeigewesen sein
man hat später wissen wollen, dass ...
und du willst krank sein? umgangssprachlich
niemand wollte, keiner will es gewesen sein umgangssprachlich
Er sagte ganz gewiß: ›Dreißigtausend‹. Nachher wollte er dreitausend gesagt haben [StrittmatterWundertäter300]
der junge Mann, der da Maler sein will [R. BartschTür zu24]
4.
in Verbindung mit Akkusativobjekten in Verbindung mit Infinitiven im Präs. im Prät. meist mit sächlichem Subj.
drückt eine Notwendigkeit aus
a)
mit Part. Prät. + »sein«
umgangssprachlich drückt aus, dass die Realisation der dem Partizip zugrundeliegenden Handlung (als Voraussetzung für etw.) notwendig ist und meist Schwierigkeiten bereitet, Aufwand kostet
Beispiele:
das will gelernt sein
diese Summe will erst mal verdient sein
auf meinem Schreibtisch liegen viele Bücher, die wollen gelesen sein
ein Hund will täglich ausgeführt sein
So ein Trick will gekonnt sein [NollHolt1,20]
vier hungrige Kindermäuler wollten gestopft sein [M. W. SchulzStaub im Wind16]
b)
in Verbindung mit Akkusativobjekten in Verbindung mit Infinitiven
Beispiele:
diese Pflanze will viel Pflege, Feuchtigkeit, Wasser (diese Pflanze braucht, verlangt viel Pflege, Feuchtigkeit, Wasser) umgangssprachlich
gut Ding will Weile haben sprichwörtlich
die Kartoffeln wollen auch dringend in die Erde [Frau von heute1954] umgangssprachlich
5.
in Verbindung mit Infinitiven
a)
etw. will etw. tunetw. ist im Begriff, nahe daran, etw. zu tun
Beispiele:
ihr wollten wieder die Tränen kommen
es scheint ein schöner Tag werden zu wollen
es will Abend werden
ständig wollte das Angstgefühl siegen [SchnurreRechnung20]
Indes sie einander ansehen ... will ihr die Serviette entfallen [Th. MannZauberb.2,204]
jmd. will etw. tun
Beispiele:
ich habe es doch noch erreicht, selbst wenn ich oft verzagen wollte
draußen liegt eener und will verbluten [G. Hauptm.PippaI]
b)
etw. will etw. nicht tunetw. Erwünschtes, Erwartetes tritt nicht in befriedigendem Maße oder gar nicht ein
Beispiele:
die Wunde wollte nicht heilen
der Wagen will und will nicht anspringen
der Koffer wollte nicht zugehen
der Frost hatte nicht weichen wollen
es will noch immer nicht regnen
die uns zur Verfügung stehende Zeit wollte nicht ausreichen
die Arbeit will mir heute nicht schmecken umgangssprachlich
es wollte und wollte nicht gelingen
der Zug wollte kein Ende nehmen
nicht enden wollender Beifall
nur ein dumpfer Druck wollte nicht von der Stirn weichen [NollHolt1,6]
Na, manchmal steht er schon wieder auf ... aber es will noch nicht so recht [WiechertErzählungen10] umgangssprachlich
jmd. will etw. nicht tun
Beispiele:
er wollte (und wollte) nicht zunehmen
c)
abgeblasst
Beispiele:
das will nichts besagen (das besagt, bedeutet nichts)
das will viel, (schon) etw., wenig, nichts heißen
es will mir, mir will es scheinen, dass ...
das will mir nicht gefallen
du willst mir gar nicht gefallen (du machst auf mich den Eindruck, als wärst du krank) umgangssprachlich
6.
etw. will nicht mehr umgangssprachlich etw. versagt den Dienst
Beispiele:
meine Beine wollen nicht mehr
der Motor will nicht mehr
die alten Knochen wollen halt doch manchmal nicht mehr [G. Hauptm.Einsame MenschenIII]
komme, was da wolle
in festen konzessiven Wendungen, die eine Verallgemeinerung ausdrücken
was auch immer komme, ungeachtet dessen, was kommt
Beispiele:
mag kommen, was (da) will, ich bleibe
mochte kommen, was da wollte
ich werde kommen, koste es, was es wolle (ich werde unter allen Umständen, unbedingt kommen)
es mag sein, wie es will, ich fahre morgen
dem sei, wie ihm wolle (wie dem auch sei), ich gehe
er sei, wer er wolle (wer er auch sei), ...
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wollen Vb. ‘wünschen, fordern, die Absicht haben’, ahd. (obd.) wellen (8. Jh.), mhd. wellen (aus germ. *waljan, s. wählen) und ahd. (frk.) wollen (9. Jh., mit dem wohl schwundstufigen, wenn nicht aus e verdumpften Vokalismus des Prät. wolta), mhd. wollen, wöllen, wullen sowie (aus germ. *wiljan) asächs. willian, mnd. mnl. nl. willen, aengl. willan, engl. to will, anord. vilja, schwed. vilja, got. wiljan. Das gemeingerm. unregelmäßig flektierende Verb zeigt im Präsens die Formen eines Optativs (ahd. teilweise noch bewahrt im Präs. Sing.), der die Stelle des Indikativs eingenommen hat. Es führt mit aind. vṛṇā́ti, vṛṇītḗ, vṛṇōti ‘wählt, wählt aus, zieht vor, wünscht, liebt, mag’, vára- ‘Wahl, Wunsch, Begehr’, griech. (mit Dentalerweiterung) éldesthai (ἔλδεσθαι, aus *ϝελ-) ‘wünschen, verlangen’, lat. velle ‘wollen, die Absicht haben, übereinstimmen’, bret. guell ‘besser’, lit. vélmi, vélti ‘wünschen, lieber wollen, erlauben’, aslaw. velěti ‘gebieten, befehlen, wollen’, russ. velét’ (велеть) ‘befehlen’, (ablautend) aslaw. voliti ‘(lieber) wollen’, russ. (älter) volít’ (волить) ‘wollen’ auf die Wurzel ie. *u̯el- ‘wollen, wählen’. Dazu gehören auch wählen, Wille und wohl (s. d.).

Wolle f. ‘(zum Spinnen zu verwendende, bzw. versponnene) Tierhaare’, ahd. wolla (9. Jh.), mhd. wolle, mnd. wulle, mnl. wolle, wulle, nl. wol, aengl. wull, engl. wool, anord. schwed. ull, got. wulla (germ. *wullō mit ll aus ln) ist wie aind. ū́ṛṇā ‘Wolle’, griech. lḗnos (λῆνος) ‘Wolle, Wollfaser, -flocke’, lat. lāna ‘Wolle’, lit. vìlna ‘Wolle’, aslaw. vlьna ‘Wolle’, russ. (landschaftlich) vólna, volná (волна) ‘Schafs-, Ziegenwolle’ (aus ie. *u̯ḷnā) und kymr. gwlan, korn. gluan ‘Wolle’ (aus ie. *u̯lənā) mit dem Suffix ie. -nā (germ. -nō) gebildet. Verwandt sind ferner (hochstufig) lat. vellere ‘rupfen, zupfen, ausrupfen’, vellus ‘abgeschorene, noch zusammenhängende Wolle des Schafs, Pelz’ und wohl auch got. wilwan ‘rauben’. Als Wurzel läßt sich ie. *u̯el(ə)- ‘Haar, Wolle’, auch ‘Gras, Ähre, Wald’ bzw. *u̯el- ‘reißen, rupfen, an sich reißen, rauben, ritzen, verwunden, Wunde’ (s. auch Walstatt) erschließen. Wolle meint in erster Linie ‘Schafwolle’ mit einer Ausgangsbedeutung ‘Gezupftes’. wollen Adj. ‘aus Wolle bestehend oder hergestellt’, ahd. wullīn (9. Jh.), mhd. wüllīn, wullīn.
OpenThesaurus (05/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
(auf etwas) aus sein · (erreichen) wollen · (etwas) fixieren · (etwas) in den Blick nehmen · (sich etwas) fest vornehmen · (sich etwas) in den Kopf setzen · (sich etwas) zum Ziel setzen · (sich) auf die Fahnen geschrieben haben · (sich) konzentrieren (auf) · (zu tun) gedenken · abzielen (auf) · alles tun, um zu · anpeilen · anstreben · anvisieren · beabsichtigen · bezwecken · erstreben · es abgesehen haben auf · es anlegen auf · gewillt sein · hinarbeiten (auf) · im Sinne haben · intendieren · ringen um · streben nach · trachten nach  geh. · vorhaben · willens sein  geh.
Assoziationen
  • (es) abgesehen haben auf · (es) anlegen auf · aus sein auf · suchen (Streit / die Konfrontation)
  • (einen) Gieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper haben (auf)  ugs. · (ganz) wild auf (etwas)  ugs. · (inständig) verlangen nach · (jemandem) (das) Wasser im Mund zusammenlaufen (beim Gedanken an)  ugs. · (jemandem) steht der Sinn nach · (sehr) hinter (etwas) her sein  ugs. · (sehr) verlangen nach · (sich die) Finger lecken nach · (sich) die Finger lecken nach  ugs. · (sich) sehnen nach · (sich) verzehren nach · ...närrisch · Lust haben (auf) · aus sein auf · begehren · begehren nach · begehrlich nach · begierig auf · besessen von · brennen auf · dürsten nach  geh. · erpicht auf  geh. · ersehnen · fiebern nach · geil auf (etwas)  ugs. · gelüsten nach  geh. · giepern nach  ugs. · gieren (nach) · heiß auf (etwas)  ugs. · herbeisehnen · herbeiwünschen · hinter etwas her (sein) wie der Teufel hinter der armen Seele · hungern nach · jiepern nach  ugs. · kaum erwarten können · lechzen (nach)  geh. · nicht warten können auf · scharf auf (etwas)  ugs. · schmachten nach · sehnlichst begehren · sehnlichst vermissen · spitzen auf · süchtig nach · unbedingt haben wollen · vergehen nach · verrückt auf (etwas)  ugs. · verrückt nach · verschmachten (nach) · versessen auf · vor Lust (auf etwas) vergehen · vor Verlangen (nach etwas) vergehen
Synonymgruppe
ausbitten · begehren · erbitten · ersehnen · fordern · herbeisehnen · mögen · sein Herz an etwas hängen  ugs. · verlangen · wünschen
Unterbegriffe
  • ein Anliegen haben · einen Wunsch haben · etwas auf dem Herzen haben  ugs.
Assoziationen
  • (es gibt) (viel) Beifall für · (gut) angenommen werden · (jemandem) angenehm (sein) · (jemandem) sympathisch sein · Anklang finden (bei) · Gefallen finden (an) · Zuspruch erfahren · Zuspruch finden · akzeptiert werden · auf Gegenliebe stoßen · auf Zustimmung treffen · begrüßt werden · behagen · freundlich aufgenommen werden · gefallen · gut ankommen (bei)  ugs. · konvenieren  geh. · nach jemandes Geschmack sein · passen · positiv aufgenommen werden · zusagen
Synonymgruppe
(getan haben) wollen · behaupten (etwas getan zu haben) · ihm zufolge · nach dem, was er sagt  ugs. · nach seinen Worten · seiner Aussage nach · seiner Aussage zufolge · so wie er sagt  ugs. · wie er behauptet
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Deine wollene Decke wärmt mich gut, mein Bett ist jetzt hinreichend warm für meine 72 Jahre.
Der Tagesspiegel, 14.04.2005
Aber wer würde sich in einer solch unheimlichen Umgebung schon länger aufhalten wollen.
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2001
Auf letztere kommen über das feuchte Tuch noch warme wollene Tücher.
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 332
Er kriegt und kriegt sie nicht an, wahrscheinlich liegt es an den dicken wollenen Socken.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 1, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 68
Dabei ist er durch Einhüllen in wollene Decken warm zu erhalten.
Körting, Georg Friedrich: Unterrichtsbuch für die weibliche freiwillige Krankenpflege, Berlin: Mittler 1913 [1907], S. 179
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wollen‹.

Wortbildung

mit wollen als Letztglied anwollen · durchwollen · fortwollen · heimwollen · herauswollen · hereinwollen · hinauswollen · hineinwollen · hinwollen · hochwollen · misswollen · mitwollen · nachwollen · ranwollen · rauswollen · reinwollen · wegwollen · wohl wollen · wohlwollen · zurückwollen · übelwollen
Ableitung von wollen Wollen
mit wollen als Grundform gewillt · gewollt
formal verwandt mit gottgewollt

Worthäufigkeit

selten häufig

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