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WDG

 

WDG

Mit dem WDG wurden "neue Maßstäbe für die
einsprachige Lexikographie der deutschen
Gegenwartssprache gesetzt"

(H. E. Wiegand, in: HSK 5,2 1990, S. 2130).


Inhalt:
1. Kurzinformation zum WDG

2. Ein kurzer Abriß der Geschichte des digitalen WDG


1. Kurzinformation zum WDG

Das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG) wurde in Berlin an der Deutschen Akademie der Wissenschaften (ab Oktober 1972: Akademie der Wissenschaften der DDR) zwischen 1952 und 1977 erarbeitet. Das WDG umfasst über 4.500 Seiten und enthält 60.000 bzw. unter Hinzunahme der Komposita 90.000 Stichwörter.

Nach einer knapp zehnjährigen Vorbereitungsphase erschien 1961 die erste Doppellieferung, 1964 der erste Band. Die weiteren fünf Bände wurden in erster Auflage (Bd. 2:) 1967, (Bd. 3:) 1969, (Bd. 4:) 1974, (Bd. 5:) 1976 und (Bd. 6:) 1977 veröffentlicht. Die einzelnen Lieferungen und Bände wurden in den Folgejahren mehrfach neu aufgelegt und dabei teilweise auch überarbeitet. Die recherchierbare Ausgabe entspricht bis auf den ersten Band (3. Aufl. 1967) der Erstausgabe.

Schon während seines Erscheinens wurde das WDG zum Vorbild neuer gegenwartssprachlicher Wörterbücher anderer Verlage. Das WDG versteht unter deutscher Gegenwartssprache "außer der so charakterisierten, heute geschriebenen und gesprochenen Sprache der bildungstragenden Schicht auch die Sprache der in unserer Zeit noch gelesenen, lebendigen deutschen Literatur der Vergangenheit" (Vorwort zu Bd. 1, S. 04). Deshalb zählten zum Quellenbestand, der der Ausarbeitung der Wörterbuchartikel zugrunde lag, nicht nur die wichtigsten Gegenwartsautoren des ganzen deutschen Sprachbereichs bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts, sondern auch zahlreiche ältere Texte deutscher Autoren seit Lessing und Kant. Genaue Auskunft darüber gibt das alphabetische Verzeichnis der Quellen (Bd. 6, S. 4559 - 4579).

Die Vorbemerkung zum 4. Band erläutert eine den Herausgebern und den Autoren im Jahr 1970 auferlegte einschneidende Änderung der Konzeption des WDG: "Es wird vom 4. Band an den gesamten Wortschatz konsequent auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Weltanschauung darstellen. Das gilt für die Auswahl der Stichwörter, für die Bedeutungsangaben, die kommentierenden Bemerkungen und auch für die Auswahl der Beispiele" (Bd. 4, S. II). Dieser Forderung entsprechende Änderungen von Stichwörtern, semantischen Angaben und anderen Einträgen wurden durch den neuen Beirat des WDG (s. Bd. 4, Titelei) auch in den Neuauflagen älterer Lieferungen veranlasst. Bezogen auf den Gesamtwortschatz ist der Anteil ausgeprägt DDR-konformer Einträge jedoch vergleichsweise gering geblieben. Im Nachhinein gewinnen viele Stichwortansätze und die einschlägigen semantischen Auskünfte insbesondere der späteren Bände des WDG durch das deutliche Bekenntnis zur offiziellen Sprache der DDR nicht nur spezifischen Aussagewert, sondern auch geschichtliches (und lexikographie-historisches) Interesse. Der Benutzer darf allerdings nicht außer Acht lassen, daß die offizielle Sprache der DDR – außer im engeren Bereich DDR-typischer Bezeichnungen – nicht ohne weiteres mit der wirklichen Sprache ihrer Bevölkerung identisch war.

2. Ein kurzer Abriß der Geschichte des digitalen WDG


Februar 2002 - November 2002
Die BBAW als Rechteinhaberin an den elektronischen Rechten des WDG vergibt den Auftrag zur elektronischen Erfassung des WDG an das Kompetenzzentrum der Universität Trier. Das WDG wird zwischen Mai und Juli 2002 in China digital erfasst, von August und November nachkorrigiert und in XML gemäß den Empfehlungen der Text Encoding Initiative (tei) vorstrukturiert (Ende Oktober 2002).

Dezember 2002 - Februar 2003
Das Projekt "Digitales Wörterbuch" übernimmt die Nachstrukturierung, Datenhaltung und elektronische Veröffentlichung des WDG.
Die erste und wichtigste Korrektur besteht in der Nachstrukturierung aller Komposita des WDG, da diese bei der automatisch erstellten Vorstrukturierung in mehreren tausend Fällen zur Generierung von falschen Komposita führte. Hintergrund dieser Problematik sind die eingebetteten Komposita, die im WDG nicht ausgeschrieben, sondern nur einmal als Präfix bzw. dann für jedes Kompositum als Suffix aufgeführt werden. Ein Hauptproblem für die "Ausmultiplizierung" der Komposita stellt die Mehrfacheinbettung dar. Aus diesem Grunde wurden die automatisch generierten Komposita (etwa 30.000) noch einmal per Hand überprüft und der xml/tei Annotierung als Attribut ("key") des Elements ("entry") hinzugefügt.

18. März 2003
Veröffentlichung der elektronischen Version des WDG auf der Website des Projekts DWDS. Die xml/tei-Quelldaten werden dabei über Perl und XSLT-Scripte in ein browserfreundliche html-Format transformiert. Etwa 60.000 Einträge sind über die Maske abfragbar. Nimmt man die Komposita hinzu, so kommt man auf die Anzahl von 90.000 Einträgen.

Mai 2003
Das elektronische WDG wird an Leo angebunden. Jedem Nutzer von Leo steht somit das WDG als Nachschlagewerk zur Verfügung.

April 2005
Im Rahmen des Projekts PoM der Akademie wurde das Quellenverzeichnis des WDG (ca. 1000 Werke) digital erfaßt. Darüber hinaus wurde eine Verknüpfung aller Beispielsätze im Wörterbuch mit dem Quellenverzeichnis vorgenommen. Es ist dadurch möglich, von allen Siglen direkt zur entsprechenden Quellenangabe zu springen.
Die WDG Daten werden in der XML-Datenbank eXist vorgehalten. Somit sind komplexere, auf XQuery beruhende Anfragen an das WDG möglich.

Mai 2005

Weitere Annotierungen des WDG kommen hinzu. Das WDG enthält etwa 40.000 "dazu"-Komposita. Diese wurden halbautomatisch vorannotiert und dann noch einmal komplett per Hand nachkorrigiert bzw. in der xml/tei Annotierung als Attribut ("key") des Elements ("entry") hinzugefügt.
Die Anzahl der online abfragbaren Stichwörter erhöht sich dadurch um rund 40.000 auf insgesamt knapp 130.000 Stichwörter.

August 2005
1956 Einträge (Derivationen, wie z.B.  Radikalität <- radikal) des elektronischen WDG wurden annotiert und sind somit abfragbar. Zusätzlich wurden 3765 derivierte Einträge mit ihren Simplizia verknüpft und sind damit einheitlich abfragbar, z.B. Raffinierung und raffinieren.

Mai 2006
Nach längerer Zeit mit Serverproblemen bei der WDG-Abfrage mit der xml-Datenbank eXist sind wir zu einer einfachen MySQL-Abfrage des DWDS zurückgekehrt. Für jedes der ca. 130.000 abfragbaren Stichwörter werden die Stellen des Wörterbuchs zurückgegeben, in denen das Stichwort erwähnt ist. Bei Querverweisen kann ein Stichwort an bis zu sieben verschiedenen Stellen im WDG aufgeführt werden.

Juni 2006
Einige kleinere Korrekturen werden an digitalen Quellen des WDG und der Abfrage vorgenommen:
- Alle Varianten, die im WDG in Klammern gesetzt sind, werden ausgeschrieben und sind somit explizit in der elektronischen Stichwortliste abfragbar. Ein Beispiel hierfür ist "Geleis(e)", welches nunmehr sowohl als Geleis wie auch Geleise abfragbar ist.
- Mehrere hundert bezüglich der Groß-/Kleinschreibung ambig generierter Komposita werden disambiguiert. Beispielsweise findet man unter dem Stichwort "Aal-, aal" sowohl das Substantiv Aalfang wie auch das Adjektiv aalglatt. Für die elektronische Variante wurden diese als "Aalfang aalfang" bzw. "aalglatt Aalglatt" generiert. Unter Einsatz der TAGH-Morphologie werden derzeit alle falschen Varianten (d.h. aalfang und Aalglatt) aus dem Stichwortbestand eliminiert.