Fähigkeit, jmdn. oder etw. richtig einschätzen zu können, sicheres rationales Urteilsvermögen
Am 10. Mai 1933 stand er vor dem Berliner Opernplatz (heute Bebelplatz), sah seine Bücher „in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners [Goebbels])“. „Verfemt“ war Erich Kästner nicht von ungefähr. Nachdem er in Leipzig 1927 wegen eines frech-erotischen Gedichts als Theaterkritiker gefeuert worden war, stieg er in Berlin zum gefeierten Literaturstar auf, schrieb in Romanen und Gedichten gegen den Zeitgeist an und blieb doch stets zeitlos. Seine Verse aus „Die Entwicklung der Menschheit“ (1932) etwa lassen sich mit nur wenig Phantasie auf die modernen Medien übertragen: „Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn, / in zentral geheizten Räumen. / Da sitzen sie nun am Telefon. / Und es herrscht noch genau derselbe Ton / wie seinerzeit auf den Bäumen.“