„PFEFFER ist nicht in unseren gegenwartssprachlichen lexikalischen Quellen vorhanden.

pfeffer m
Fundstelle: Lfg. 9 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1633, Z. 51
piper und daraus entlehnt: ahd. pëffar und mit vollständiger verschiebung phëffer, phëfer, fëfor (Graff 3, 330), mhd. phëffer, pfëffer, md. mit nd. anlaute peffer oder ganz nd. peper; ags. pipor, pepor.
1)
man versteht darunter die früchte von verschiedenen arten der pflanzengattung piper, besonders aber von piper nigrum, schwarzer pfeffer, der, wenn man ihm die schwarze rinde nimmt, zum weiszen pfeffer wird; der lange pfeffer besteht aus den unreifen fruchtähren des pfefferstrauches piper longum Schedel waarenlex. 2, 202ᵇ. der pfeffer und der safran waren die beliebtesten und fast unentbehrlichen gewürze des mittelalters neben dem salze. Weinhold d. d. frauen² 2, 71. Schultz höf. leben 1, 289;
sone heter keʒʒel noch smalz,
weder pfeffer noch salz.
Iwein 3278;
Galiênus und Aristoteles sprechent, daʒ dreierlai pfeffer sei, swarzer, langer und weiʒer, und der aller auf ainerlai paum wachs und daʒ der weiʒ den magen mêr sterk und der lang mach daʒ eʒʒen mêr hin ab steigend in den magen und in dem gedärm, daʒ gevelt andern lêrærn niht, wan daʒ wir in unsern lenden langen pfeffer haiʒen, daʒ ist lück an im selber und ist gestalt als länkloten dingl, diu hangent an den haseln, ê daʒ diu nuʒ dar auf gewachsen. Megenberg 373, 21 ff.; langer, weiszer pfäffer Maaler 316ᶜ; spanischer pfeffer Schiller 146; indischer pfeffer Freytag ahnen 3, 179;
(er sei gewesen) zuͦ Granat
und do der pfeffer wechszt.
S. Brant 76, 87;
unter dem pfeffer thut man finden
vil harter gestoszen brotrinden.
Schade sat. 1, 169, 534.
auch allgemeiner für gewürz und kaufmannswaare (vgl.pfeffersack): es wurden darnach etlich theter ergriffen, die bezahlten den pfeffer (die den kaufleuten abgenommenen waaren) mit dem leben. Baumann quellen 1, 19; der pfeffer galt gleichsam für alle waare, und so brachte auch hier (beim pfeifergericht) der abgesandte einen schönen gedrechselten hölzernen pokal mit pfeffer angefüllt. Göthe 24, 35. — in redensarten und sprichwörtern:
swer aber durch guot wirt sîner êren âne,
unde doch leben wil in êren wâne
bî den êre gernden liuten:
rehte in der mâʒe bî in ist
als bî dem pfeffer miusemist.
Reinmar v. Zweter, minnes. 2, 190ᵇ;
dann ich selber (das ich meusedreck auch mich unter den pfeffer menge) habe seer viel meinen papisten zu danken. Luther 1, vorr. 4ᵃ; der mausdreck will allzeit unter den pfeffer. Simrock sprichw. 371; ich bin kein studierter mann, .. aber ich lasse mir mäusedreck nicht für pfeffer verkaufen. Wieland 20, 59; schles. er mengt sich nein wie quarg in pfeffer (mischt sich in alles). Weinhold 69ᵃ; wer vil pfeffers hat, der pfeffert auch sein musz. Frank 2, 109ᵃ (seinen brei Simrock 422); mein pfeffer ist so gut wie dein safran. Simrock 422; pfeffer reiben, schles. von geziertem wankendem gange. Weinhold a. a. o.; obscen: pfeffer stoszen Lindener schwankb. 7 Lichtenstein;
(ein junger) der mir die lange weile vertreibt
und mir zu der nacht den pfeffer ein reibt.
Raber Sterzinger spiele 18, 622, vgl. 39;
einen hin wünschen wo der pfeffer wächst (sehr weit weg, vergl. pfefferland):
ach werents an der selben stat,
do der pfeffer gewachsen hat.
Murner narrenbeschw. 77, 64;
hat man under allen kindern einen lamen oder einen krüppel, denselben wünschet man, dasz er were wo der pfeffer wechst. Albertinus hauspolizei 1, 43ᵇ; ich glaub sie het gewölt, das sie zu Rom were, oder an dem orth da der pfeffer wechszt. wegkürzer 59ᵇ. 96ᵃ; die (partei) lassen wir gehn ... in das land wo der pfeffer wächst. Voss antisymb. 1, 136; satirischer pfeffer, scharfe kritik. J. Paul grönl. proz. 2, 60; pfeffer und salz (franz. poivre et sel) aus schwarz und weisz gemischte farbe eines gewandstoffes. Albrecht Leipziger mundart 181ᶜ. — in der gaunersprache bedeutet pfeffer schieszpulver, davon pfefferfuhre patrontasche, pfeffern mit pulver laden Anton 61ᵇ.
2)
eine mit pfeffer und andern gewürzen stark bereitete brühe (jus piperatum Dasyp. 291ᵃ), noch bair.-österr. gänsepfeffer, hasenpfeffer Schm.² 1, 422. Schöpf 496, ebenso kurhessisch und schweinepfeffer Pfister nachtr. zu Vilmar 203:
visch .. ûʒ einem pfeffer heiʒ ..
veiʒte schâf in einem pfeffer.
minnes. 3, 310ᵇ;
dasz er die (knödlein) must ausz einem pfeffer essen.
fastn. sp. 212, 16;
der pfeffer wirt gemacht usz manigerlei specereien, das ist usz vil gewürtz, usz zymet, ymber, neglin, pfefferkörnlin, dieselben specerei allesamt werden under einander gestoszen, vermüschet und geschüt, und würt ein würtz darusz. Keisersberg has im pfeffer e 2ᵇ; junge häszlin seind guͦt im pfeffer. e 4ᵇ; man macht kein gelben pfeffer an ein frisch fleisch. narrensch. (1520) 28ᵃ; gelen pfeffer zuͦ hoff essen. evangelibuch (1515) 145ᶜ; die burgerin .. bereit ein guͦten schwarzen pfeffer und wiltbret darin. Pauli 53 Öst.;
den hasen in den pfeffer rieren.
Murner narrenbeschw. 29, 50;
(er liesz) ir fleisch zubereiten und machen
inn köstlich sultz und pfeffer an.
H. Sachs 2, 85, 18;
ein knecht der truͦg ein grosze platt,
die er voll schwartzen pfeffer hat.
Scheidt Grob. 3487 neudruck;
richt auch den gelben pfäffer an.
Frischlin 144 Strausz;
uber ein stinkend fleisch macht man sonst gern ein gelben pfeffer. Fischart Garg. 77ᵃ; ein gelbe sultz oder schwartzen pfeffer drüber machen. bienenk. (1580) 51ᵃ; pfeffer über eine junge gansz, über wildpret, rindfleisch. Nürnb. kochb. (1712) 470. 474. 524. 531. — in redensarten und sprichwörtern: wie das fleisch ist, so ist der pfeffer. Gryphius lustsp. 97 Palm;
der pfeffer ward versalzen,
man richt in mit langen spieszen an,
mit helleparten geschmaltzen.
Liliencron volksl. 372, 22 (vom j. 1525);
hüet dich,
das sie ain sollichs nit erfar;
dann wurd sie das gewar,
der pfeffer wer versalzen.
Zimm. chron.² 4, 224, 46;
harre nur bisz dorthin! so will ich dir den pfeffer schon versaltzen. Simplic. 2, 541, 28;
pfeffer, kapp und kalk
dekken manchen schalk.
Schottel 1136ᵃ;
da liegt (sitzt) der has im pfeffer (th. 4², 528 f.) d. j. Göthe 1, 362. Schiller 3, 360 (kabale 1, 1); so bald er aber merkte, wo der has im pfeffer lag. Simplic. 1, 192, 19;
da plagen sie uns schon in der wiegen
mit sollen und müssen die kreuz und queer,
und wenn wir einmal im pfeffer (in der patsche, wie der has im pfeffer) liegen,
da darf man endlich und kann nicht mehr.
Körner 257ᵃ;
Roller. möchtest du (Moor) bald auch in den pfeffer gerathen, dasz ich dir gleiches mit gleichem vergelten kann. Schiller 2, 92 (räuber, schausp. 2, 3); laszts denn vor dismal genug sein und den kerl sich fürs künftige vorsicht aus diesem pfeffer abstrahieren. F. Müller Faust 71, 7 neudruck.
3)
mundartlich auch noch in weiterer bedeutung:
a)
ehedem in Rottenburg ein hochzeitsschmaus, den die junge frau eines rotgerbermeisters allen rotgerberfrauen am ersten tage nach der hochzeit zu geben verpflichtet war; daher in Rottenburg noch die redensart: der hat seinen pfeffer, die hat ihren pfeffer, dem hats viel gekostet, der hat viel bezahlen müssen. Birlinger volksth. 2, 402 f.; in Rottenburg auch 'eine art weihnachtsgeschenk' (vergl.pfefferkuchen, pfeffernüsse) 403.
b)
tirol. eine sauce, besonders aus eingesottenen holunderbeeren. Schöpf 496; nass. eine latwerge, birnen-, zwetschkenmus u. s. w. Kehrein 1, 305.
Zitationshilfe
„PFEFFER“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/?qu=PFEFFER>, abgerufen am 13.12.2018.

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