DWDS-Wörterbuch

Das DWDS-Wörterbuch basiert in seiner Substanz auf dem Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Die Substanz dieses Wörterbuchs wird von der DWDS-Projektgruppe überarbeitet, d. h. aktualisiert und ergänzt. Dies betrifft die folgenden Punkte:

Rechtschreibung

Das Wörterbuch wurde in allen relevanten Aspekten, d. h. Stichwörtern, grammatischen Angaben, Definitionstexten und Beispielen an die heute gültige Orthografie angepasst. Bei den von Änderungen betroffenen ca. 14 000 Stichwörtern des WDG wird angegeben, ob die jeweiligen Formvarianten gültig oder ungültig sind bzw. in letzterem Fall um die heute gültige(n) Form(en) ergänzt. Ferner wird bei jedem von der Rechtschreibreform betroffenen Stichwort ein Verweis auf den entsprechenden Paragraphen des Regelwerks des Rats für deutsche Rechtschreibung gesetzt. Der gesamte Stichwortbestand des Wörterbuchs wurde darüber hinaus auf Änderungen bei der Getrennt- und Zusammenschreibung durchgesehen, überarbeitet und mit dem Regelwerk verknüpft. Dadurch wurden Ergänzungen nicht nur auf Lemmaebene, sondern auch bei den Lesarten notwendig. Beispielsweise ergeben sich bei freimachen oder kaltstellen je nach Lesart andere (gültige) Schreibungen nach der Rechtschreibreform.

Aussprache

Das WDG verfügt nur in wenigen Ausnahmefällen über Informationen zur Aussprache. Das DWDS-Projekt hatte sich daher bereits zu Projektbeginn im Jahr 2007 das Ziel gesetzt, ein umfassendes Aussprachewörterbuch des Deutschen in Form von Audiodateien zu erarbeiten und mit der bestehenden Substanz des WDG zu verknüpfen. Dies erfolgte in zwei Schritten. Im ersten Schritt wurden alle 90 000 der im WDG lexikografisch bearbeiteten Stichwörter von einer Sprecherzieherin (Maren Böhm) eingesprochen und am Institut für Sprechwissenschaft der Universität Halle (Prof. Dr. Ursula Hirschfeld) evaluiert und korrigiert. Im zweiten Schritt wurden ca. 10 000 neue, nicht im WDG enthaltene Stichwörter als Audiodateien aufgenommen. Dabei handelte es sich um Stichwörter, die in den DWDS-Korpora häufig belegt sind und die in der zweiten Phase des DWDS-Projekts (2013–2018) lexikografisch bearbeitet werden. Alle Audiodateien stehen für die Abfrage zur Verfügung.

Ausbau von Einträgen

Bei den 30 000 sogenannten Petit-Komposita, die im WDG zwar verzeichnet, nicht aber lexikografisch bearbeitet wurden, sind Angaben zu Rechtschreibung und Wortart ergänzt worden. 5 000 von diesen Stichwörtern wurden mittlerweile durch eine Auswahl von Korpusbelegen mit Hilfe des Gute-Beispiele-Extraktors ergänzt und so zu Kurzartikeln ausgebaut.

Überarbeitung zeittypischer Artikel und Artikelteile

Ca. 2 600 der 90 000 Einträge des WDG, die DDR-typische Inhalte oder Formulierungen aufwiesen, wurden einer ersten Überarbeitung unterzogen. Durch eine Gruppe von Lexikografen wurden die Bedeutungsparaphrasen und Kompetenzbeispiele in neutralerer Ausdrucksweise formuliert oder, wenn sie eine tatsächlich DDR-spezifische Verwendung illustrieren, entsprechend gekennzeichnet. Anschließend wurden die Ergebnisse dieser Bearbeitung durch einen wissenschaftlichen Mitarbeiter der Marx-Engels-Gesamtausgabe qualitativ bewertet und ggf. korrigiert. In einem weiteren Arbeitsgang wurden alle Stichwörter und Lesarten, die eine diachrone Markierung Neuwort, Neuprägung oder Neubedeutung aufwiesen, überarbeitet. Die diachrone Markierung wurde je nach Beleglage entweder entfernt oder durch eine passendere Markierung ersetzt. Diese Überarbeitung betraf weitere ca. 2 500 Einträge bzw. Lesarten.

Strukturanpassungen

Die im WDG aus Platzgründen angelegte Neststruktur der Artikel wurde aufgelöst. Unterartikel wurden zu Hauptartikeln ausgebaut, indem die durch die Neststruktur implizit gegebenen Informationen in den Artikeln dieser Stichwörter nun explizit angegeben werden.

Kompetenzbeispiele

Die ca. 230 000 Kompetenzbeispiele des WDG (das sind nicht belegte, sondern von den Bearbeitern zur Illustration erfundene Beispiele und typische Wortverbindungen) wurden durchgesehen. Dabei wurden folgende Änderungen vorgenommen: a) alle Abkürzungen wurden aufgelöst, b) alle Beispiele wurden in die heute gültige Rechtschreibung überführt, c) die Beispiele wurden modernisiert (z. B. wurden in den Beispielen erwähnte veraltetete Gegenstände wie Schreibmaschine, nicht mehr so bezeichnete Institutionen wie Verkaufsstelle und Berufsbezeichnungen wie Bahnhofsvorsteher durch die heute üblichen Gegenstände bzw. Bezeichnungen ersetzt); d) Kompetenzbeispiele, die eine DDR-typische Redeweise dokumentieren, wurden explizit als solche markiert. Die unter c) und d) genannten Änderungen betrafen etwa 1 bis 2 % der Kompetenzbeispiele, die unter a) und b) genannten Änderungen einen deutlich höheren Anteil.