Wolfgang Pfeifer †

suffizient, insuffizient, Suffizienz, Insuffizienz, Sukzession, Sulky, Sums, Gesums, Sündflut, super, Supinum, Supplikant, supplizieren, Supplikation, supplieren, Surfer, Swimmingpool, Pool, Sykophant, Pandemie

Das waren die letzten der weit mehr als 3000 Wörter, die Wolfgang Pfeifer in das von ihm seit vierzig Jahren betreute und gestaltete digitale Etymologische Wörterbuch des Deutschen neu aufgenommen oder darin überarbeitet hat. Am 9. Juli 2020 ist er in seinem achtundneunzigsten Lebensjahr in Berlin gestorben.

Wolfgang Pfeifer wurde am 3. Dezember 1922 in Leipzig geboren. Dort hat er Germanische Sprachen und Geschichte studiert. Nach der Promotion 1950 wurde er Mitarbeiter am Deutschen Wörterbuch, das die Brüder Grimm mehr als ein Jahrhundert zuvor begonnen hatten, und von dem Bismarck 1868 sagte: „Das Grimm’sche Wörterbuch ist unzweifelhaft ein großes nationales Werk deutschen Gelehrtenfleißes, und es würde aufs tiefste zu beklagen sein, wenn dasselbe unvollendet bleiben müßte.“ Wolfgang Pfeifer war einer derer, die es 1961 vollendet haben. Anschließend war er an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin an mehreren kleineren Wörterbüchern tätig, bis man ihn 1979 mit der Leitung einer Arbeitsgruppe betraute, die ein neues etymologisches Wörterbuch erstellen sollte. Das wurde sein Lebenswerk. Es erschien erstmals 1989 und wurde (meist ohne sein Wissen) etwa zehnmal nachgedruckt. Im Jahre 2007 hat das Zentrum Sprache der BBAW ihn gebeten, es digitalisieren und in das entstehende DWDS aufnehmen zu dürfen. Dem hat er zugestimmt, zunächst zwar mit erheblichen Bedenken, weil die Darstellung ungewohnt war und sich vor allem die vielen diakritischen Zeichen bei Wörtern aus anderen Sprachen als widerborstig erwiesen haben. Aber als es dann im Herbst 2009 freigeschaltet werden konnte, hat ihn zunehmend die Begeisterung erfasst, und er hat in den folgenden elf Jahren nicht weniger als 255 Briefe mit Ergänzungen und Korrekturen geschickt – bis kurz vor seinem Tod. Den Mitarbeitern, die sie meist sofort umgesetzt haben, sind seine Briefe, handschriftlich in Grimm’scher Schreibweise („dasz“), ein wenig ans Herz gewachsen. So ist das Wörterbuch in seiner heutigen Gestalt nicht nur das umfangreichste, sondern auch das aktuellste etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache.

Als ihm Ende 2019 der Präsident der Akademie für seine Arbeit gedankt hat, hat er zurückgeschrieben: „Meine Immobilität ist am Schreibtisch so gut wie vergessen; und ich bin überzeugt, mit der Tätigkeit fürs Wörterbuch meinem Leben im hohen Alter von 97 Jahren noch einen Sinn geben zu können – auch wenn es inzwischen etwas langsamer geht als in früheren Tagen.“ Nichts Besseres kann es für einen Wissenschaftler geben, als dass die Tätigkeit für die Wissenschaft seinem Leben einen Sinn gibt.