Äquivalenzprinzip, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Äquivalenzprinzips · Nominativ Plural: Äquivalenzprinzipien · Verwendung im Plural ungebräuchlich
Aussprache  [ɛkvivaˈlɛnʦpʀɪnˌʦiːp]
Worttrennung Äqui-va-lenz-prin-zip
Wortzerlegung ÄquivalenzPrinzip
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
der Grundsatz, dass zwei Dinge einander entsprechen (sollten), z. B. Leistung und Gegenleistung
Beispiele:
Ein Ausfluss liberalen Gedankenguts ist das Äquivalenzprinzip, wonach es immer eine Entsprechung von Leistung und Gegenleistung, von Gewinnchance und Risiko, geben muss. [Berliner Zeitung, 17.04.2004]
Das System der gesetzlichen Rente, so wie es seit Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland aufgebaut worden ist, beruht auf dem Äquivalenzprinzip. Wer mehr ins Rentensystem einzahlt, bekommt auch mehr aus dem System heraus. [Die Zeit, 23.01.2017 (online)]
[…] das Äquivalenzprinzip – wer entscheidet, der bezahlt – [wird] im deutschen Föderalismus notorisch verletzt. So beschloss der Bund etwa einen starken Ausbau der Krippenplätze, aber finanzieren mussten ihn vor allem die Kommunen. [Neue Zürcher Zeitung, 08.03.2014]
Das Äquivalenzprinzip installiert sich in der menschlichen Kulturgeschichte auf eine Weise, die uns schockhaft berührt: Frauen werden, als gebärfähige Produktionsmittel, »wie Vieh« gegen Güter und Vieh ausgetauscht. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 590]
Steuerwesen Grundprinzip, dass jmd., der von einer staatlichen Leistung profitiert, gerechterweise über Abgaben angemessen zur Finanzierung dieser Leistung herangezogen wird
Beispiele:
Obwohl der Kanalbetrieb positiv wirtschaftete, wurde eine Gebührenerhöhung beschlossen. »Aus den Überschüssen des Kanalbetriebs wurden unter Missachtung des Äquivalenzprinzips das Stadionbad, die Kultur‑Stadt‑Säle und die Eventhalle, die hohe Liquiditätserfordernisse auswiesen, querfinanziert«, so die Prüfer. [Der Standard, 27.08.2014]
In seinem frühen Lehrbuch »Der öffentliche Sektor« nennt Nowotny Äquivalenz‑ und Leistungsfähigkeitsprinzip als die »zwei Fundamentalprinzipien« der Besteuerung. Wobei in Sachen Steuern und Gemeinschaftssinn eher das Äquivalenzprinzip interessiert. Selbst der staatsgläubige Nowotny kommt nicht darum herum, eine »Entsprechung zwischen den von einem Staatsbürger empfangenen Leistungen und den von ihm zu erbringenden Abgaben« zu reklamieren. [Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2017]
Allen Kausalabgaben ist grundsätzlich gemeinsam, dass ihre Bemessung dem Äquivalenz‑ und dem Kostendeckungsprinzip unterliegt. Die genannten Prinzipien schützen den Abgabepflichtigen, indem sie ihm erlauben, die Abgabehöhe zu kontrollieren. Danach hat sich der Abgabebetrag nach dem Wert der staatlichen Leistung auszurichten (Äquivalenzprinzip), und der Gesamtertrag aus den Abgaben darf den Gesamtaufwand des betreffenden Verwaltungszweiges nicht oder nur geringfügig überschreiten (Kostendeckungsprinzip). [Neue Zürcher Zeitung, 12.09.2015]
Die [Hunde-]Steuer soll – die Kosten ausgleichen, die der Hundedreck auf Straßen und in Parkanlagen verursacht (Äquivalenzprinzip); – verhindern, daß die Hunde‑Population überhandnimmt (Prohibitionsprinzip). [Der Spiegel, 23.01.1984]
2.
Physik physikalisches Grundprinzip, wonach ein Beobachter in einem geschlossenen Labor ohne zusätzliche Informationen nicht feststellen kann, ob er sich in der Schwerelosigkeit oder im freien Fall befindet, weil jeweils dieselben physikalischen Phänomene zu beobachten sind (woraus folgt, dass schwere und träge Masse eines Körpers äquivalent sind)
Beispiele:
Äquivalenzprinzip [Überschrift] Bei dieser Überlegung ließ sich Albert Einstein vom Gedankenexperiment leiten, ob eine Person in einem Aufzug einen Unterschied spürt, ob die Gravitationskraft auf den Aufzug wirkt oder eine Beschleunigung. Nach Einsteins Äquivalenzprinzip muss die Qualität dieser Kräfte dieselbe sein – man würde also keinen Unterschied spüren. [Der Standard, 11.10.2015]
[Die Forscher] wollen […] das sogenannte Äquivalenzprinzip überprüfen, das die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie darstellt. Dieses Prinzip besagt, dass es keinen Unterschied zwischen der schweren und der trägen Masse eines Körpers gibt. Für gewöhnliche Materie ist das Äquivalenzprinzip mit hoher Genauigkeit bestätigt worden. Ein Test mit Antiatomen steht aber noch aus. [Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2016]
[…] dank Äquivalenzprinzip lasse sich die Bewegung von Lichtstrahlen und Himmelskörpern mit ein und demselben mathematischen Trick berechnen: Man fasst die drei Raumdimensionen und die Zeit zu einer vierdimensionalen Raumzeit zusammen, die sich unter dem Einfluss der Schwerkraft verbiegt. In der Mathematik geht das, in der Vorstellungskraft nicht. [Zeit Wissen, 14.04.2015]
Das in Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie formulierte Äquivalenzprinzip besagt, dass die Wirkung der Gravitation durch eine ständig beschleunigte Bewegung aufgehoben wird. [Neue Zürcher Zeitung, 19.01.1994]
Schwere und träge Masse sind gleich groß, wie Experimente immer wieder bestätigten. Eine physikalische Erklärung hierfür hatten die Physiker vor Einstein indes nicht. Einstein postulierte nun aufgrund seines Gedankenexperiments, daß beide Arten von Masse identisch oder äquivalent sind. Dieses sogenannte Äquivalenzprinzip war der Ausgangspunkt für die Suche nach einer neuen Gravitationstheorie. [Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, 2000 [1999]]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Versicherungsprinzip · Äquivalenzprinzip
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Äquivalenzprinzip‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Äquivalenzprinzip‹.

Zitationshilfe
„Äquivalenzprinzip“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%84quivalenzprinzip>, abgerufen am 23.01.2021.

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