Ärgernis, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ärgernisses · Nominativ Plural: Ärgernisse
Aussprache 
Worttrennung Är-ger-nis
Wortzerlegung ärgern -nis
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Anstoß, Verletzung des (religiösen oder sittlichen) Gefühls
Kollokationen:
als Genitivattribut: Erregung (öffentlichen) Ärgernisses; Quell des (Anstoßes und) Ärgernisses
als Akkusativobjekt: (öffentliches) Ärgernis erregen
in Präpositionalgruppe/-objekt: für Ärgernis sorgen; etw. als Ärgernis empfinden
Beispiele:
Mit seinem Auftreten und seinen Aussagen sorgt [der] US‑Präsidentschaftsanwärter […] immer wieder für Ärgernis oder Amüsement – je nachdem, wie ernst das Thema gerade ist. [Der Standard, 22.01.2016]
Sex auf dem Kudamm – ist das nicht »Erregung öffentlichen Ärgernisses«? [Bild, 12.07.2001]
Jean Paul erregte zunächst noch Ärgernis, als er 1782 seinen Zopf als Leipziger Student wegwarf und ohne Perücke ging, denn noch bis ins 19. Jahrhundert wurde der Zopf von den Konservativen getragen. [Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994] [1973], S. 7205]
Die Kirche nahm nur Ärgernis an der äußerlichen Lehre von der Bewegung der Erde. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.): Geschichte der Philosophie. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26316]
2.
etw. Ärgerliches, Anstößiges, Skandalöses
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein öffentliches Ärgernis
in Präpositionalgruppe/-objekt: sich zum Ärgernis auswachsen
Beispiele:
Rennfahrerinnen in Overalls – vielleicht gar mit einer brennenden Zigarre im Mund – galten damals für viele als skandalöses Ärgernis. So führte sich keine anständige Frau auf. [Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2002]
Sein Tabubruch, ein Bündnis mit einem rechtsextremen Regierungspartner einzugehen, galt als unerhörter Affront. Österreich, die Kulturnation, […] war zu einem internationalen Ärgernis geworden; mehr: zu einem europäischen Skandal. [Die Zeit, 28.01.2010]
In Schweden gibt es keinen Straftatbestand bezüglich Nacktheit; als öffentliches Ärgernis wird eher Pinkeln im Freien oder öffentliches Alkoholtrinken angesehen. [die tageszeitung, 27.08.1994]
Wenn so viele Völker Hunger leiden, wenn so viele Familien in Elend sind, […] wenn so viele Schulen, Krankenhäuser, richtige Wohnungen zu bauen sind, dann ist jede öffentliche und private Vergeudung, […], jedes die Kräfte erschöpfende Rüstungsrennen ein unerträgliches Ärgernis. [Die Zeit, 07.04.1967]
Die Zeitungen übertrieben nicht; dieser faule, luxuriöse Ort [Garmisch-Partenkirchen] inmitten der […] allgemeinen Not war ein Ärgernis. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders.: Gesammelte Werke in Einzelbänden. Bd. 6. Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 233]
3.
Ärger, Unannehmlichkeit
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein stetes, ständiges, fortwährendes, alltägliches, ausgesprochenes Ärgernis
als Dativobjekt: dem Ärgernis abhelfen
als Akkusativobjekt: das Ärgernis beseitigen
in Präpositionalgruppe/-objekt: für Ärgernis sorgen
Beispiele:
Der Anruf bei einer Kundenhotline ist [laut einer Umfrage] das größte Ärgernis im Alltag der Deutschen – gefolgt von Staus im Berufsverkehr. [Die Zeit, 18.11.2016 (online)]
Die Einwanderung empfinden viele Europäer als Ärgernis, in Israel gehört sie dagegen zum Staatsprogramm. [Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2016]
Ein Jahr voller Mühen und Ärgernisse geht für die Kanzlerin zu Ende. [Der Spiegel, 23.12.2009 (online)]
Die meisten Fluggesellschaften behalten sich in ihren Beförderungsbedingungen vor, Passagiere von Bord zu weisen, wenn sie für die anderen Fluggäste Unannehmlichkeiten verursachen oder Anlass zu Ärgernis geben. [Neue Zürcher Zeitung, 14.10.1997]
Ja, ich habe angreifende Tage hinter mir … Was soll man tun? Ich habe viel Ärgernis gehabt. [Mann, Thomas: Buddenbrooks. Frankfurt a. M.: Fischer 1989 [1901], S. 217]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ärgern · ärgerlich · Ärgernis · Ärger
ärgern Vb. ‘erzürnen, foppen’, (reflexiv) ‘Verdruß empfinden’, ahd. argorōn, ergirōn ‘zum Bösen verführen’ (um 1000), mhd. argern, ergern ‘verschlechtern, schlechter werden’, mnd. arger(e)n, erger(e)n, mnl. argheren, ergheren, nl. ergeren, aengl. eargian ‘sich fürchten, feige sein, erschrecken’ ist eine Bildung zum Komparativ von dem unter arg (s. d.) behandelten Adjektiv, eigentlich also ‘ärger, schlechter machen’, danach ‘Anstoß erregen’ (16. Jh.) und (reflexiv) ‘Anstoß nehmen’ (15. Jh.), woraus sich die gegenwärtige Bedeutung entwickelt. ärgerlich Adj. ‘Verdruß verursachend bzw. empfindend’, mhd. ergerlich ‘Anstoß erregend’. Ärgernis n. ‘Anstoß Erregendes, Verdruß’, mhd. ergernis; gelegentlich als Femininum (Goethe, Jean Paul). Ärger m. ‘Unwille, Entrüstung, Verdruß’, im 18. Jh. aus dem Verb rückgebildet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Stein des Anstoßes · lästige Sache · nervtötende Sache · ärgerliche Sache  ●  Ärgernis  Hauptform · Plage  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Ärgernis‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ärgernis‹.

Zitationshilfe
„Ärgernis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%84rgernis>.

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