Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Öde, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Öde · Nominativ Plural: Öden
Wortbildung  mit ›Öde‹ als Letztglied: Felsenöde · Felsöde · Schneeöde · Sterbensöde

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. öde, unbebaute Gegend
  2. 2. Verlassenheit, Einsamkeit
  3. 3. [abwertend] Langweiligkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
öde, unbebaute Gegend
Beispiele:
eine trostlose weite, grenzenlose, unendliche Öde lag vor ihm
eine Öde von Schnee und Eis
einsamer und eisiger als die Öden, in denen ich Einsamkeit und Eiseskälte erfahren habe [ Bergengr.Feuerprobe54]
2.
Verlassenheit, Einsamkeit
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
die Öde des Zimmers
in dem Saal herrschte Öde (= er war leer)
3.
abwertend Langweiligkeit
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
die Öde der Tage, eines Lebens ohne Arbeit
unerträgliche geistige Öde
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

öde · Öde · veröden
öde Adj. ‘verlassen, leer’, ahd. ōdi ‘leer, verlassen’ (um 1000), mhd. œde ‘leer, unbebaut, unbewohnt’, aengl. īeþe, anord. auðr ‘leer, wüst’, got. auþs oder auþeis ‘leer, verlassen’ (germ. *auþja-) ist vergleichbar mit griech. á͞utōs (αὔτως) ‘gerade so, für sich allein, lediglich, nichtig’, autós (αὐτός) ‘selbst’ (s. auto-), á͞usios (αὔσιος) ‘eitel, vergeblich’, air. ūathad ‘Einzelheit, Vereinzelung’. Erschließbar sind ie. *auto-, *auti̯o-, die als Bildungen mit t-Formans zur Wurzel ie. *au-, *u̯ē̌- ‘herab, weg von’ (wozu auch Westen, s. d.) gestellt werden können. Öde f. ‘Einsamkeit, Verlassenheit, unfruchtbares, unbebautes Land’, ahd. ōdī ‘Einöde, Verwüstung’ (8. Jh.), mhd. œde ‘unbebauter und unbewohnter Grund, Wüste’. veröden Vb. ‘austrocknen, unfruchtbar werden’ (seit 17. Jh.), zuvor schon ahd. firōden ‘verwüsten, zerstören’ (8. Jh.).

Ode f. ‘feierliches lyrisches Gedicht’, Entlehnung (Anfang 17. Jh.) in die dt. Dichtersprache des Barock von lat. ōdē, griech. ōdḗ, unkontrahiert aoidḗ (ᾠδή, ἀοιδή) ‘Gesang, Lied’; zu griech. ā́dein, unkontrahiert aé͞idein (ἀδειν, ἀείδειν) ‘(be)singen’. Einfluß von frz. ode f. (15. Jh.) ist wahrscheinlich. S. auch Komödie, Tragödie, Melodie, Parodie.

Thesaurus

Synonymgruppe
Einöde · Öde · Ödland  ●  (am) Arsch der Welt  derb · Outback (Australien)  fachspr., engl. · Pampa  ugs., fig. · Walachei  ugs. · hinter den sieben Bergen  geh., literarisch · Ödnis  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Einerlei · Eintönigkeit · Gleichförmigkeit · Monotonie · Stumpfsinn · Öde · Ödnis  ●  Ennui  geh. · Langeweile  ugs. · Langweile  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Öde‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Öde‹.

Verwendungsbeispiele für ›Öde‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und bei Nacht gar, im bleichen Licht des Mondes, schien sie in ihrer gottverlassenen Öde nicht mehr von dieser Welt zu sein. [Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 144]
Sie schützten ihn nicht vor der ungeheuren Öde des Daseins. [Koeppen, Wolfgang: Das Treibhaus. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1953], S. 290]
Nicht lange hatte das Heer durch die Öde zu ziehen. [Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 71]
In dieser Atmosphäre der kulturellen Öde entstand die reiche volkstümliche mündliche Literatur. [Die Zeit, 29.09.2004, Nr. 40]
Sie hat in die banale Öde geführt, sie verdient ihr Ende. [Die Zeit, 26.09.1975, Nr. 40]
Zitationshilfe
„Öde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%96de>.

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