Ölgötze, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungÖl-göt-ze
eWDG, 1974

Bedeutung

salopp sich stumm verhaltender und verständnislos dreinblickender Mensch
Beispiele:
er steht, sitzt da wie ein Ölgötze
Dieser Ölgötze hat Ihnen Ihre Beatrice weggenommen [Th. MannZauberb.2,828]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Öl · ölen · Ölung · ölig · Ölbaum · Ölgötze
Öl n. ‘flüssiges Fett, fette dicke Flüssigkeit’, ahd. oli (8. Jh.), mhd. ol(e), oli, öl(e), asächs. oli, mnd. ȫlie (woraus anord. olea, olia), aengl. œli, ele (engl. oil jedoch aus afrz. oile), mnl. ōlie, ōly, nl. olie sind entlehnt aus vlat. *olium, lat. oleum, das auf griech. élaion (ἔλαιον) ‘Olivenöl, Öl’ zurückgeht, ein Wort unbekannter (wohl mediterraner) Herkunft. Daneben steht ahd. (um 800), mhd. olei, mnd. oley aus vlat. *oleion, einer Mischform aus lat. oleum und griech. élaion; vgl. Frings/M. Germania Romana 2 (1968) 346 ff. Wort und Sache sind wohl vornehmlich durch das Christentum ins Germ. eingegangen, da im kirchlichen Bereich das Öl bei Taufe, Krankenölung, Priester- und Bischofsweihe ein wesentlicher kultischer Bestandteil ist. Seit dem 17. Jh. wird das Wort auch für Erdöl (s. ↗Erde) und seit dem 18. Jh. für tierische Fette verwendet. ölen Vb. ‘mit Öl versehen, zubereiten, salben’, mhd. ol(e)n, öl(e)n, oleien. Ölung f. ‘das Auftragen, Zuführen von Öl’; vgl. letzte Ölung ‘Krankensalbung mit geweihtem Öl’ vor zu erwartendem Tode, daher auch ‘Sterbesakrament’, mhd. olunge, ölunge, oleiunge. ölig Adj. ‘ölhaltig’ (16. Jh.), vgl. vorausgehendes spätmhd. ölechtig. Ölbaum m. ‘Olivenbaum’, ahd. oliboum (9. Jh.), mhd. ölboum. Ölgötze m. ‘steifer, teilnahmsloser, verständnisloser Mensch’, nur noch in der Wendung wie ein Ölgötze (dastehen, dasitzen), vgl. da stehn wir wie die ol gotzen (Luther), in den reformatorischen Kämpfen auch eine Schelte für die bei der Weihe gesalbten Priester; vielleicht gekürzt aus Ölberggötze für die am Ölberg schlafenden Jünger (Matth. 26, 40). Oder ist mit Knobloch in: Lingua 26 (1970/71) 310, ausgehend vom betretenen Schweigen der zurückweichenden Häscher auf die Frage Christi „wen sucht ihr?“ im angeführten Lutherzitat, eher an die Soldaten der Kohorte zu denken, die Christus gefangennehmen sollten (Joh. 18, 4 bis 9)? Vgl. Ölberger Plur. (landschaftlich obd.) als Schelte für ‘Häscher, Schergen, Stadtsoldaten’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Ölgötze‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ölgötze‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ölgötze‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch als es darum geht zurückzukehren, bleibt er wie ein Ölgötze stehen.
Die Zeit, 22.07.1999, Nr. 30
Geschützt von blendenden Scheinwerfer-Breitseiten stehen sie wie die Ölgötzen herum, abgeschirmt von gleißenden Lichtkegeln.
Süddeutsche Zeitung, 26.06.2002
Börner hat nicht abweisend wie ein Ölgötze dagesessen und Verachtung demonstriert.
Die Zeit, 16.01.1984, Nr. 03
Erst 1987 besuchte ein Regierungschef aus Japan die Region; allerdings war gleich 1973 ein Vizepremier auf Pilgerfahrt zu den arabischen Ölgötzen geschickt worden.
Süddeutsche Zeitung, 18.09.1995
Dieter König als Vergil blickt wie ein freundlicher Ölgötze meist stumm auf der gewässerten Bühne herum und muss am Ende ein tief dekolletiertes Lederleibchen tragen.
Der Tagesspiegel, 25.01.2001
Zitationshilfe
„Ölgötze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%96lg%C3%B6tze>, abgerufen am 08.04.2020.

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