Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Örtlichkeit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Örtlichkeit · Nominativ Plural: Örtlichkeiten
Aussprache 
Worttrennung Ört-lich-keit
Wortzerlegung örtlich -keit

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Raum oder Gelände
  2. 2. [umgangssprachlich, scherzhaft, verhüllend] ...
eWDG

Bedeutungen

1.
Raum oder Gelände
Beispiele:
sich mit der Örtlichkeit, den Örtlichkeiten vertraut machen
die Örtlichkeit untersuchen, studieren
je nach der Örtlichkeit
etw. ist an eine bestimmte Örtlichkeit gebunden
2.
umgangssprachlich, scherzhaft, verhüllend
Beispiel:
eine gewisse, stille Örtlichkeit, die Örtlichkeiten (= Toilette, Klosett)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ort · orten · örtlich · Örtlichkeit · Ortschaft · Örtchen
Ort m. ‘Stelle, Platz, Punkt, Gegend, Ortschaft’, ahd. ort ‘Spitze, Endpunkt, Ecke’ (8. Jh.), mhd. ort ‘äußerster Punkt nach Raum und Zeit, Anfang, Ende, Spitze (besonders einer Waffe, eines Werkzeugs), Ecke, Rand, Himmelsgegend, Platz, Stelle’, asächs. ord ‘Spitze’, mnd. ort, mnl. ort, oort ‘Punkt, Kante, Rand, Ecke’, nl. oord ‘Gegend, Land, Stelle, Platz’, aengl. ord, anord. oddr ‘Spitze, Speer, Anführer’, schwed. udd ‘Spitze’ führen auf eine Bildung mit Dentalsuffix germ. *uzda- ‘Spitze’. Weitere Herkunft ungewiß. Man versucht, aind. vas- ‘spalten, schneiden, töten, stechen’, alban. usht ‘Ähre’, lit. usnìs ‘Distel’, lett. usne ‘Acker-, Saudistel’, air. fennaid (aus *u̯esnāti) ‘schindet’ heranzuziehen, und erschließt eine Wurzel ie. *u̯es- ‘stechen’. Die alte Bedeutung ‘Spitze’ ist noch landschaftlich in Ort ‘Schusterahle, Pfriem’ erhalten, im Sinne von ‘äußerstes Ende, Ecke’ in Ortsbezeichnungen wie Darßer Ort, Ruhrort und in der Bergmannssprache vor Ort ‘an der Spitze, am Ende eines Grubengangs’. orten Vb. ‘die augenblickliche Position (eines Flugzeugs, Schiffes) bestimmen’ (20. Jh.), älter (auch mit Umlaut örten) ‘sich erstrecken, auslaufen, zu Ende gehen’ (18. Jh.), bergmännisch ‘unter einem spitzen Winkel aufeinandertreffen (von Gängen, Klüften)’ (16. Jh.); vgl. ahd. ortōn ‘einer Sache Ecken geben, sie begrenzen’ (um 1000). örtlich Adj. ‘auf eine bestimmte Stelle beschränkt, einen bestimmten Ort betreffend, zu ihm gehörend, lokal’ (Anfang 18. Jh.); Örtlichkeit f. ‘Gelände, Gegend, bestimmter Platz’ (18. Jh.). Ortschaft f. ‘Siedlung, Dorf, Gemeinde’ (18. Jh.). Das Deminutivum Örtchen n. steht verhüllend für ‘Abtritt’ (17. Jh.), wie zuvor vereinzelt auch Ort (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Lokalisation · Lokalität · Ortsangabe · Position · Stelle · Örtlichkeit
Assoziationen
  • an welchem Ort · wo
Synonymgruppe
Ort · Winkel · Örtlichkeit  ●  Location  fachspr., Jargon

Typische Verbindungen zu ›Örtlichkeit‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Örtlichkeit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Örtlichkeit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zu den Dingen, die gelobt werden können, gehören nun auch Örtlichkeiten. [Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 192]
Ich kenne die Örtlichkeit, weil ich oft daran vorbeigefahren bin. [o. A.: Einhundertachtundsechzigster Tag. Montag, 1. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 12190]
Wie mächtig verbindet sich hier die Dichtung mit der Örtlichkeit! [Goldmark, Karl: Erinnerungen aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 29184]
Aber dann muß man sich eben eine andere Örtlichkeit aussuchen. [Süddeutsche Zeitung, 08.05.1999]
So manche der Expositionen, die in den letzten Jahren dort abliefen, war schon allein der Örtlichkeit wegen sehenswert. [Süddeutsche Zeitung, 22.11.1997]
Zitationshilfe
„Örtlichkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%96rtlichkeit>.

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