Übergangsgesellschaft, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Übergangsgesellschaft · Nominativ Plural: Übergangsgesellschaften
Aussprache
WorttrennungÜber-gangs-ge-sell-schaft
WortzerlegungÜbergangGesellschaft
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
Gesellschaft (Lesart 1) im Übergang zu einer neuen Entwicklungsstufe
Beispiele:
So sei das nun mal in Übergangsgesellschaften, die sich durch Zuwanderung neu zusammensetzen, sagt [der niederländische Soziologe] Scheffer, alte Traditionen würden herausgefordert, eben noch gültige Normen müssten überdacht werden. [Süddeutsche Zeitung, 05.12.2013]
Tatsächlich ist China auf der Suche nach seiner Identität: Ist es noch kommunistisch oder schon wieder konfuzianisch? Ist es noch ein Dritte-Welt-Land oder schon eine moderne Nation? Wie lässt sich die enorme wirtschaftliche Dynamik politisch und intellektuell einholen? Die vernichtende Diagnose der Soziologen lautet, es gebe jetzt, in einer Übergangsgesellschaft, die aus dem politisch verordneten Atheismus kommt und sich erst vorsichtig ihrer großen Traditionen erinnert, ein geistiges Vakuum. [Die Zeit, 12.07.2012, Nr. 29]
Tatsächlich wirkt Ungarn heute wie ein Lehrbeispiel für die Tragödie von Übergangsgesellschaften. Ein Elitenwechsel im Staatsapparat und in der Wirtschaft fand nach dem freiwilligen Abtritt der ungarischen Kommunisten von der Macht und im Zuge des vielgerühmten friedlichen Systemwechsels 1989/90 praktisch nicht statt. [Spiegel, 17.01.2012 (online)]
Wir haben zwei politische Kulturen in Deutschland: eine Kultur der Übergangsgesellschaft im Osten und eine halbwegs stabile Kultur einer Zivilgesellschaft im Westen. Diese beiden treffen sich, und da gibt es natürlich Missverständnisse. [Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2010]
Die Begriffe »Courtoisie« und »Civilité« leben in der französischen Übergangsgesellschaft des 16. Jahrhunderts mit ihrem halb ritterlich-feudalen, halb absolutistisch-höfischen Charakter eine Zeitlang nebeneinander. Im Laufe des 17. Jahrhunderts kommt dann allmählich der Begriff »Courtoisie« in Frankreich aus der Mode. [Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation – Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen Bd. 1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1992 [1939], S. 137]
2.
Marxismus Gesellschaft (Lesart 1) der Übergangsperiode
Beispiele:
Übergangsperiode oder Übergangsgesellschaft nannte sich die DDR auch nach vierzig Jahren noch: als »eine Etappe der revolutionären Umgestaltung, der Eroberung der Macht, der Diktatur des Proletariats« definierte sich das DDR-Staatswesen offiziell. [Die Zeit, 29.06.1990, Nr. 27]
Aus diesen Bestimmungen der Übergangsgesellschaft folgen als prinzipielle Ziele für die Gesellschaftspolitik der SED (= Sozialistische Einheitspartei Deutschlands in der DDR) in der näheren Zukunft: die Förderung der Annäherung der Klassen und Schichten sowie die Beseitigung der noch verbliebenen Unterschiede zwischen Stadt und Land und zwischen körperlicher und geistiger Arbeit. [Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch – M. In: Enzyklopädie der DDR, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 4325]
Der Autor [des Essays] wendet sich gegen die Bezeichnung der Sowjetgesellschaft als einer »Übergangsgesellschaft«, wie sie – im Anschluß an Trotzkis Analysen – in Kreisen kritischer Marxisten bis heute üblich geblieben sei. Diese Gesellschaft sei weder auf dem Weg zum Sozialismus und Kommunismus noch auf dem zurück zum Kapitalismus. [Die Zeit, 09.04.1976, Nr. 16]
3.
Wirtschaft Gesellschaft, die Arbeitnehmer eines von Insolvenz bedrohten Betriebes befristet übernimmt, um sie vor Arbeitslosigkeit zu bewahrenQuelle: DWDS, 2018
Beispiele:
Bei allen Unklarheiten scheint eines höchstwahrscheinlich: dass es keine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter [der Großbäckerei] geben wird. In solchen Übergangsgesellschaften, welche die Unternehmen immer selbst finanzieren müssen, werden Mitarbeiter ein Jahr lang zu annähernd vollen Bezügen gehalten und für Bewerbungen geschult. [Süddeutsche Zeitung, 28.03.2012]
900 Mitarbeiter der Telefonnetzwerksparte [des Elektronikkonzerns] […] sollen in eine Übergangsgesellschaft wechseln, die am 1. Juli startet und auf maximal zwei Jahre angelegt ist. [Die Welt, 16.04.2008]
Rund 2000 Mitarbeiter des insolventen Regionalflugzeugbauers […] werden ihren Arbeitsplatz vorerst behalten können. Die Gläubigerbanken stimmten am Mittwoch zu, die geplante Übergangsgesellschaft mit 8,5 Millionen Euro zu unterstützen. [Der Tagesspiegel, 26.09.2002]
Der Minister lehnte die Gründung eines neuen Unternehmens auf der Basis der Werft ab, kündigte aber an, daß eine Übergangsgesellschaft gegründet werden soll, die bis zu 3000 der augenblicklich 7000 Mitarbeiter weiterbeschäftigen könne. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1996]]

Typische Verbindungen
computergeneriert

sozialistisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Übergangsgesellschaft‹.

Zitationshilfe
„Übergangsgesellschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Übergangsgesellschaft>, abgerufen am 23.09.2019.

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