Übergriff, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Übergriff(e)s · Nominativ Plural: Übergriffe
Aussprache
WorttrennungÜber-griff
Grundformübergreifen
Wortbildung mit ›Übergriff‹ als Erstglied: ↗übergriffig
eWDG, 1976

Bedeutung

eigenmächtige, die Kompetenz überschreitende, gegen jmdn., etw. gerichtete Handlung
Beispiele:
er hat sich [Dativ] einen Übergriff erlaubt, sich einiger Übergriffe schuldig gemacht
Bauern, die er vor Übergriffen des Adels geschützt [B. FrankTrenck308]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

greifen · greifbar · Greifer · angreifen · Angriff · Angreifer · ergreifen · übergreifen · Übergriff · vergreifen
greifen Vb. ‘nehmen, fassen’. Das gemeingerm. Verb ahd. grīfan (um 800), mhd. grīfen, asächs. grīpan, mnd. mnl. grīpen, nl. grijpen, afries. grīpa, aengl. grīpan, engl. to gripe, anord. grīpa, schwed. gripa, got. greipan (germ. *greipan) hat neben sich ein schwaches Iterativum ahd. greifōn (um 800), mhd. greifen, aengl. grāpian ‘tasten, mit der Hand berühren’. Im Dt. vermischen sich semantisch schon früh (bereits ahd.) das starke und das schwache Verb; im Nhd. fallen sie auch formal zusammen. Die germ. Bezeugungen sind nur vergleichbar mit den balt. Formen lit. griẽbti ‘anfassen, ergreifen’, lett. greibt ‘greifen, fassen’, griba ‘Wunsch, Wille’, gribēt ‘wollen’. Weitere Beziehungen sind unklar. greifbar Adj. ‘zum Greifen nahe, verfügbar’ (18. Jh.). Greifer m. ‘wer ergreift, faßt, fängt’ (17. Jh.), in der Technik ‘zum Greifen geeignete Vorrichtung an Maschinen, Kränen, Baggern’ (19. Jh.); voraus geht ein zum schwachen Verb gehörendes ahd. greifāri (um 1100), frühnhd. greifer ‘Schmeichler, Liebkosender’. angreifen Vb. ahd. anagrīfan (9. Jh.), mhd. an(e)grīfen ‘berühren, anfassen’, seit 16. Jh. auch ‘anfallen, feindlich entgegentreten’; Angriff m. ‘Offensive, Überfall’, ahd. anagrif ‘das Anfassen, Angreifen’ (11. Jh.), mhd. an(e)grif, auch ‘Handhabe’; vgl. langobard. anagrip ‘Antastung’ (7. Jh.); die heutige Bedeutung entwickelt sich über ‘feindliche Berührung, Tätlichkeit’ im 14./15. Jh.; Angreifer m. (15. Jh.). ergreifen Vb. ‘fassen, packen, im Innersten anrühren’, mhd. ergrīfen; vgl. ergreifend ‘rührend’, ergriffen ‘gerührt’, Ergriffenheit f. (19. Jh.). übergreifen Vb. ahd. ubargrīfan ‘überschreiten, übersteigen’ (10./11. Jh.), mhd. übergrīfen ‘über etw. hingreifen, es bedecken, beschädigen’; Übergriff m. ‘ungesetzliche Gewalttätigkeit’, ahd. ubargrif (11. Jh.), spätmhd. übergrif. vergreifen Vb. reflexiv ‘falsch, daneben greifen, einen Mißgriff tun, gegen jmdn. tätlich werden’, mhd. vergrīfen; vgl. vergriffen Part.adj. ‘ausverkauft, nicht mehr lieferbar’ (18. Jh.). S. auch ↗Griff, ↗Grippe.

Thesaurus

Synonymgruppe
Angriff · ↗Attacke · ↗Einfall · ↗Offensive · ↗Sturm · ↗Vorstoß · ↗Überfall · Übergriff
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Belästigung · Übergriff

Typische Verbindungen
computergeneriert

Albaner Angst Ausländer Miliz Misshandlunge Plünderung Polizeibeamter Serbe Sicherheitskräfte Zivilbevölkerung Zivilist antisemitisch ausländerfeindlich brutal fremdenfeindlich gewaltsam gewalttätig häufen kriminell körperlich motiviert polizeilich rassistisch rechtsextrem rechtsextremistisch rechtsradikal schützen sexuell terroristisch tätlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Übergriff‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In den vergangenen Monaten haben sich die Übergriffe der LRA gehäuft.
Der Tagesspiegel, 26.02.2004
Seinen Zahlen zufolge haben sich die antisemitischen Übergriffe im vergangenen Jahr verdoppelt.
Süddeutsche Zeitung, 17.02.2004
Wenn er an unserem Tische erschien, warteten wir schon auf einen bald eintretenden Übergriff.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 4662
Da Übergriffe dennoch nicht ausbleiben, halten die Partner hier meistens besonders eng zusammen.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 117
Die Volkspolizei schien sich für derartige Übergriffe nicht besonders zu interessieren.
Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 14
Zitationshilfe
„Übergriff“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Übergriff>, abgerufen am 16.12.2018.

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