Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Übermut, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Übermut(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Über-mut
Wortbildung  mit ›Übermut‹ als Erstglied: übermütig

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. kecke Fröhlichkeit, allzu große Ausgelassenheit
  2. 2. [veraltend, abwertend] Überheblichkeit, Anmaßung
eWDG

Bedeutungen

1.
kecke Fröhlichkeit, allzu große Ausgelassenheit
Beispiele:
etw. vor, aus (lauter) Übermut tun
die Kinder wussten sich vor lauter Übermut nicht zu lassen
jmds. Übermut dämpfen
er weiß vor lauter Übermut nicht, was er anstellen soll
das hat er bloß aus Übermut getan
sprichwörtlich Übermut tut selten gut
2.
veraltend, abwertend Überheblichkeit, Anmaßung
Beispiel:
Ihre Lüge, ihr Übermut, ihr Größenwahn: was ginge uns das alles an, wenn wir nicht seine Opfer würden? [ FrischNun singen sie wieder3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mut · Unmut · mutig · muten · vermuten · vermutlich · Vermutung · zumuten · Zumutung · mutmaßen · mutmaßlich · Mutwille · mutwillig · Übermut · übermütig
Mut m. ‘Kühnheit, Unerschrockenheit’, ahd. muot ‘Kraft des Denkens, Seele, Herz, Gemütszustand, Gesinnung, Gefühl, Absicht, Neigung’ (8. Jh.), mhd. muot, asächs. mōd, mnd. mōt, můt, mnl. moet, nl. moed, afries. aengl. mōd, engl. mood ‘Stimmung, Laune’, anord. mōðr ‘Zorn, aufgeregter Sinn’, schwed. mod ‘Mut, Beherztheit’, got. mōþs ‘Zorn’ (germ. *mōþa-). Vielleicht sind vergleichbar griech. mṓsthai (μῶσθαι) ‘streben, trachten, verlangen’, lat. mōs ‘zur Regel gewordener Wille, Sitte, Brauch’ (s. Moral), so daß auf eine Wurzel ie. *mē-, *mō-, *mə- ‘heftigen und kräftigen Willens sein, heftig streben’ zurückgegangen werden kann. Mut bezeichnet ursprünglich die inneren Triebkräfte, Gemütszustände, Erregungen und Empfindungen des Gefühls im Gegensatz zum Verstand. Vom 16. Jh. an setzt sich die verengte Bedeutung ‘kühne und unerschrockene Haltung gegenüber Wagnis und Gefahr’ durch. Dazu mit negierendem un- (s. d.) Unmut m. ‘Ärger, Mißstimmung’, ahd. unmuot n. ‘Betrübnis’ (um 1000), mhd. unmuot m. ‘Mißstimmung, Zorn’, mnd. unmōt n. m., aengl. unmōd n. mutig Adj. ‘tapfer, kühn’, mhd. muotec, muotic ‘beherzt, kühn’, asächs. mōdag ‘zornig, aufgeregt’, aengl. mōdig ‘aufgeregt, mutig’, got. mōdags ‘zornig’. muten Vb. ‘etw. begehren, verlangen, seinen Sinn auf etw. richten’, ahd. muoten (9. Jh.), muotōn (um 1000), mhd. muoten; seit etwa 1800 als Simplex ungebräuchlich. vermuten Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’ (16. Jh.), mnd. vormōden; vermutlich Adj. ‘wahrscheinlich’ (16. Jh.); Vermutung f. ‘Annahme’ (16. Jh.). zumuten Vb. ‘unbilligerweise etw. von jmdm. verlangen’, mhd. zuomuoten; Zumutung f. (15. Jh.). mutmaßen Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’, spätmhd. muotmāʒen ‘abschätzen’, zu spätmhd. muotmāʒe ‘Teilung nach Angemessenheit, Abschätzung’; mutmaßlich Adj. ‘der Annahme gemäß’ (18. Jh.). Mutwille m. ‘Absicht’, ahd. muotwillo ‘eigener freier Entschluß’ (8. Jh.), mhd. muotwille; mutwillig Adj. ‘absichtlich, leichtfertig’, mhd. muotwillec ‘dem eigenen (guten oder bösen) Willen folgend’. Übermut m. ‘Ausgelassenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. ubarmuot (um 1000), mhd. übermuot ‘stolzer, hochfahrender Sinn’; übermütig Adj. ‘ausgelassen, leichtsinnig, fröhlich’, ahd. ubarmuotīg (8. Jh.), mhd. übermüetec ‘stolz, hochfahrend gesinnt, heldenmütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dreistigkeit · Keckheit · Übermut
Synonymgruppe
Ausgelassenheit · Übermut · Überschwall · Überschwang · Überschwänglichkeit
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Übermut‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Übermut‹.

Verwendungsbeispiele für ›Übermut‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nichts anderes als der Übermut der Ämter verhindert mich, diese Frage bündig zu beantworten. [Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 35]
Er hob ihr, klirrend vor Übermut, das verfettete Kinn in die Höhe. [Langgässer, Elisabeth: Das unauslöschliche Siegel, Hamburg: Claassen 1959 [1946], S. 336]
In dieser Situation ein neues Programm zu entwickeln, grenzt schon an Übermut. [C't, 1996, Nr. 12]
Dann aber reitet sie der Übermut, gleich zweimal, und sie fliegt raus. [Der Spiegel, 12.11.1990]
Für seine erste Arbeit hinter der Kamera ließ er sich nicht zum Übermut hinreißen. [Die Zeit, 21.02.2011, Nr. 08]
Zitationshilfe
„Übermut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%9Cbermut>.

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