Übermut, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Übermut(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungÜber-mut (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Übermut‹ als Erstglied: ↗übermütig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
kecke Fröhlichkeit, allzu große Ausgelassenheit
Beispiele:
etw. vor, aus (lauter) Übermut tun
die Kinder wussten sich vor lauter Übermut nicht zu lassen
jmds. Übermut dämpfen
er weiß vor lauter Übermut nicht, was er anstellen soll
das hat er bloß aus Übermut getan
sprichwörtlich Übermut tut selten gut
2.
veraltend, abwertend Überheblichkeit, Anmaßung
Beispiel:
Ihre Lüge, ihr Übermut, ihr Größenwahn: was ginge uns das alles an, wenn wir nicht seine Opfer würden? [FrischNun singen sie wieder3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mut · Unmut · mutig · muten · vermuten · vermutlich · Vermutung · zumuten · Zumutung · mutmaßen · mutmaßlich · Mutwille · mutwillig · Übermut · übermütig
Mut m. ‘Kühnheit, Unerschrockenheit’, ahd. muot ‘Kraft des Denkens, Seele, Herz, Gemütszustand, Gesinnung, Gefühl, Absicht, Neigung’ (8. Jh.), mhd. muot, asächs. mōd, mnd. mōt, můt, mnl. moet, nl. moed, afries. aengl. mōd, engl. mood ‘Stimmung, Laune’, anord. mōðr ‘Zorn, aufgeregter Sinn’, schwed. mod ‘Mut, Beherztheit’, got. mōþs ‘Zorn’ (germ. *mōþa-). Vielleicht sind vergleichbar griech. mṓsthai (μῶσθαι) ‘streben, trachten, verlangen’, lat. mōs ‘zur Regel gewordener Wille, Sitte, Brauch’ (s. ↗Moral), so daß auf eine Wurzel ie. *mē-, *mō-, *mə- ‘heftigen und kräftigen Willens sein, heftig streben’ zurückgegangen werden kann. Mut bezeichnet ursprünglich die inneren Triebkräfte, Gemütszustände, Erregungen und Empfindungen des Gefühls im Gegensatz zum Verstand. Vom 16. Jh. an setzt sich die verengte Bedeutung ‘kühne und unerschrockene Haltung gegenüber Wagnis und Gefahr’ durch. Dazu mit negierendem ↗un- (s. d.) Unmut m. ‘Ärger, Mißstimmung’, ahd. unmuot n. ‘Betrübnis’ (um 1000), mhd. unmuot m. ‘Mißstimmung, Zorn’, mnd. unmōt n. m., aengl. unmōd n. mutig Adj. ‘tapfer, kühn’, mhd. muotec, muotic ‘beherzt, kühn’, asächs. mōdag ‘zornig, aufgeregt’, aengl. mōdig ‘aufgeregt, mutig’, got. mōdags ‘zornig’. muten Vb. ‘etw. begehren, verlangen, seinen Sinn auf etw. richten’, ahd. muoten (9. Jh.), muotōn (um 1000), mhd. muoten; seit etwa 1800 als Simplex ungebräuchlich. vermuten Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’ (16. Jh.), mnd. vormōden; vermutlich Adj. ‘wahrscheinlich’ (16. Jh.); Vermutung f. ‘Annahme’ (16. Jh.). zumuten Vb. ‘unbilligerweise etw. von jmdm. verlangen’, mhd. zuomuoten; Zumutung f. (15. Jh.). mutmaßen Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’, spätmhd. muotmāʒen ‘abschätzen’, zu spätmhd. muotmāʒe ‘Teilung nach Angemessenheit, Abschätzung’; mutmaßlich Adj. ‘der Annahme gemäß’ (18. Jh.). Mutwille m. ‘Absicht’, ahd. muotwillo ‘eigener freier Entschluß’ (8. Jh.), mhd. muotwille; mutwillig Adj. ‘absichtlich, leichtfertig’, mhd. muotwillec ‘dem eigenen (guten oder bösen) Willen folgend’. Übermut m. ‘Ausgelassenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. ubarmuot (um 1000), mhd. übermuot ‘stolzer, hochfahrender Sinn’; übermütig Adj. ‘ausgelassen, leichtsinnig, fröhlich’, ahd. ubarmuotīg (8. Jh.), mhd. übermüetec ‘stolz, hochfahrend gesinnt, heldenmütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dreistigkeit · ↗Keckheit · Übermut
Synonymgruppe
Ausgelassenheit · Übermut · Überschwall · ↗Überschwang · ↗Überschwänglichkeit
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anfall Anflug Arroganz Ausgelassenheit Frohsinn Grat Hochmut Hoffart Kleinmut Lebenslust Leichtsinn Melancholie Mut Selbstüberschätzung Unkenntnis dämpfen fahrerisch frevelhaft jugendlich jungenhaft kindlich pur schier spielerisch strafen verleiten zügeln Überdruß Übermacht Überschwang

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Übermut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch bei ihm schützt die Elektronik natürlich vor zuviel Übermut.
Die Welt, 11.06.2005
Es wurde gelernt, es gab Mut zur Erziehung, ja gerade zu Übermut.
Süddeutsche Zeitung, 27.02.1999
Nichts anderes als der Übermut der Ämter verhindert mich, diese Frage bündig zu beantworten.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 35
Er hob ihr, klirrend vor Übermut, das verfettete Kinn in die Höhe.
Langgässer, Elisabeth: Das unauslöschliche Siegel, Hamburg: Claassen 1959 [1946], S. 336
Ich lachte krampfhaft - nicht etwa aus Übermut, sondern aus einer unbestimmten Empfindung heraus.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4806
Zitationshilfe
„Übermut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Übermut>, abgerufen am 23.07.2019.

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