ärmlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungärm-lich (computergeneriert)
Wortzerlegungarm-lich
Wortbildung mit ›ärmlich‹ als Erstglied: ↗Ärmlichkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
von materieller Armut zeugend, dürftig
Beispiele:
ärmliche Kleidung
ein ärmliches Haus, eine ärmliche Hütte
ärmlich wohnen, leben
in ärmlichen Verhältnissen leben
ein ärmliches Dasein
[er dachte] an die ärmliche Bibliothek einer kleinen Universität [A. ZweigErziehung300]
Aber es lädt der ärmliche Esser die Ehre zu Tisch [BrechtGedichte247]
2.
mangelhaft, unzulänglich
Beispiele:
Ein ärmlich düster brennend Fackelpaar, das Sturm / Und Regen jeden Augenblick zu löschen droht [C. F. Meyer2,12]
sein Deutsch war ... sehr ärmlich [RennAdel179]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arm · Armut · ärmlich · armselig · verarmen
arm Adj. ‘mittellos, dürftig, bedauernswert’. Die Herkunft von ahd. (8. Jh.), mhd. arm, asächs. mnd. mnl. nl. arm (mnl. auch aerm, arem), aengl. earm, anord. armr, schwed. dän. arm, got. arms ‘beklagenswert, elend, besitzlos’ ist umstritten. Meist wird Verwandtschaft mit ↗Arbeit und ↗Erbe (s. d.) angenommen und germ. *arƀma- im Sinne von ‘vereinsamt, verlassen’ als Bildung mit m-Suffix an das dort behandelte ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ angeschlossen. Weisweiler in: IF 41 (1923) 304 ff. nimmt eine Bedeutungsentwicklung von ‘vereinsamt, verlassen’ über ‘friedlos, rechtlos, schutzlos’ zu ‘beklagenswert’ und ‘arm’ an; unter dieser Voraussetzung wäre eine Verwandtschaft von arm mit griech. erḗmos (ἐρῆμος) ‘einsam, verlassen’ erwägenswert. Armut f. ‘Mittellosigkeit, Not’, ahd. armuoti n., armuotī f. ‘Elend, Mangel, Not’ (8. Jh.), mhd. armuote n., armout f. ‘Armut, ärmliches Besitztum’; vgl. asächs. armōdi n., mnd. armōde n. f., armōt m. f., mnl. armoet, armoede m. f. n., nl. armoede f.; zu ahd. -uotī̌ (nach ahd. muot) aus -ōti, s. ↗Einöde. ärmlich Adj. ‘dürftig, kümmerlich’, ahd. armalīh ‘erbärmlich, böse, gottlos’ (9. Jh.), mhd. ermelich ‘dürftig’; vgl. asächs. armlīk, mnl. armelijc, aengl. earmlic. armselig Adj. ‘kümmerlich, dürftig’, abgeleitet (15. Jh.) von mhd. armsal n. ‘Armut, Elend’. verarmen Vb. ‘arm werden’, mhd. verarmen ‘in Armut, in Not geraten’, Präfixbildung zu ahd. armēn (9. Jh.), mhd. armen ‘arm sein, werden’; vgl. ahd. firermen ‘jmdn. in Armut, in Not bringen’ (10. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
armselig · ↗betrüblich · ↗kümmerlich · ärmlich  ●  ↗billig  ugs. · ↗schwach  ugs. · ↗traurig  ugs.
Synonymgruppe
dürftig · ↗karg · ↗kläglich · ↗knapp · ↗knausrig · ↗kärglich · ↗kümmerlich · ↗mau · ↗spärlich · ärmlich
Assoziationen
Synonymgruppe
arm · auf öffentliche Unterstützung angewiesen · ↗bedürftig · ↗dürftig · ↗finanzschwach · ↗hilfebedürftig · ↗mittellos · ↗notleidend · ohne das Nötigste · ↗prekär · sozial schwach · ↗unvermögend · verarmt · ärmlich
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (ein) kümmerliches Leben fristen · in ärmlichen Verhältnissen (leben) · kümmerlich leben · unter ärmlichen Bedingungen  ●  (sein) Leben fristen  Hauptform · unter äußerst bescheidenen Verhältnissen leben  positiv, verhüllend · zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig (haben)  Spruch · äußerst bescheiden leben  positiv, verhüllend · ↗vegetieren  ugs.
  • (schon) bessere Tage gesehen haben · abgewirtschaftet · an den Bettelstab gekommen · arm geworden · auf den Hund gekommen · ↗heruntergekommen · ruiniert · verarmt · verelendet  ●  in Armut abgesunken  geh. · in Armut gesunken  geh. · prekarisiert  fachspr., Jargon
  • arbeitslos (sein) · ↗arbeitssuchend · ↗beschäftigungslos · ↗erwerbslos · nicht erwerbstätig · ohne Arbeit · ohne Arbeitsverhältnis · ohne Beschäftigungsverhältnis · ↗unbeschäftigt  ●  ↗brotlos  fig. · keine Arbeit haben  variabel · ohne Job  ugs.
  • abgehalftert · ↗abgerissen · ↗abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · ↗desolat · in einem schlechten Zustand · ↗marode · ↗mies · ruiniert · ↗schäbig · ↗ungepflegt · verdorben · ↗verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · ↗verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · ↗zerlumpt · zerschlissen  ●  ↗(äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · ↗abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · ↗gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
  • alles ausgegeben haben · kein Geld mehr haben · keinen Cent mehr haben · nicht einen Cent haben  ●  auf dem Trockenen sitzen  fig.
  • (einen) finanziellen Engpass haben · Geldsorgen haben · finanziell in der Klemme sitzen · gerade nicht zahlen können · in Geldnot · in finanzieller Verlegenheit (sein) · ↗klamm  ●  (bei jemandem ist) Ebbe in der Kasse  fig. · gerade kein Geld haben  variabel · (es) gerade nicht klein haben  ugs., ironisch · auf dem Trockenen Sitzen  ugs., Redensart · bei jemandem sieht es finanziell (momentan) nicht so rosig aus  ugs., variabel · in pekuniärer Verlegenheit  geh. · knapp bei Kasse  ugs. · knapp dran  ugs.
  • (bei jemandem) ist nichts zu holen · kein Geld haben · keine Arbeit haben · mittellos dastehen · mittellos sein · nichts verdienen · nichts zu beißen haben · von Luft und Liebe leben  ●  am Hungertuch nagen  ugs.
  • Armer · ↗Bettler · ↗Habenichts · Mittelloser  ●  ↗Hungerleider  auch figurativ · Knochenrappler  ugs., selten · armer Schlucker  ugs.
  • (es) nicht (so) dicke haben · nicht Rockefeller sein  ●  nicht auf Rosen gebettet (sein)  fig. · (sein) Geld nicht scheißen können  derb, fig. · nicht in Geld schwimmen  ugs., fig.
  • auf der Schattenseite des Lebens (stehen) · nicht auf der Sonnenseite des Lebens (geboren) · zu kurz gekommen (sein)  ●  (sozial) benachteiligt (sein)  Hauptform
  • abgehängt · ↗strukturschwach · wirtschaftsschwach
  • (das Geld) reicht hinten und vorne nicht · (von etwas) nicht leben und nicht sterben können · kaum über die Runden kommen (finanziell) · so gerade (eben) über die Runden kommen · ums Überleben kämpfen (müssen) · wenig verdienen  ●  jeden Cent zweimal umdrehen müssen  fig. · jeden Pfennig zweimal umdrehen müssen  veraltet, fig. · zum Leben zu wenig, und zum Sterben zu viel sein  sprichwörtlich · zum Sterben zu viel, und zum Leben zu wenig sein  sprichwörtlich
  • (nur) den Mindestlohn bekommen · (sehr) wenig verdienen · (sich) mit (...) Euro begnügen müssen · für einen Hungerlohn arbeiten · mit (...) Euro abgespeist werden  ●  schlecht bezahlt werden  Hauptform
  • (finanziell) am Ende · (seine) Rechnungen nicht mehr (be)zahlen können · ↗bankrott · ↗insolvent · ↗mittellos · ohne Geld (dastehen) · ohne einen Cent in der Tasche · ↗pleite · ↗zahlungsunfähig  ●  ↗abgebrannt  ugs. · ↗blank  ugs. · ↗illiquid(e)  geh.
  • (nur) wenig Geld (zur Verfügung) haben · (sehr) aufs Geld achten müssen · (sich) (etwas) nicht leisten können · (sich) nichts erlauben können · (sich) nichts leisten können · haushalten müssen · sein Geld zusammenhalten (müssen)  ●  (sich) nach der Decke strecken (müssen)  fig. · keine großen Sprünge machen können  fig. · aufs Geld gucken müssen  ugs. · es nicht so dicke haben  ugs. · jeden Cent zwei mal umdrehen (müssen)  ugs. · nicht drinsitzen  ugs. · nichts zu verschenken haben  ugs.
Zitationshilfe
„ärmlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ärmlich>, abgerufen am 22.10.2019.

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