äugen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungäu-gen
GrundformAuge
Wortbildung mit ›äugen‹ als Letztglied: ↗anäugen · ↗herausäugen · ↗herunteräugen · ↗hinaufäugen · ↗hinausäugen · ↗hinüberäugen
 ·  mit ›äugen‹ als Grundform: ↗beäugen · ↗eräugen
eWDG, 1967

Bedeutung

Tiere äugenblicken
Beispiele:
lange stand der Gemsbock unbeweglich und äugte in die Ferne [GanghoferHubertus68]
ein blaues Wild, / Ein Äugendes unter dämmernden Bäumen [TraklDichtungen143]
übertragen von Menschen   (suchend, scharf) blicken
Beispiele:
nach jmdm. äugen
vorsichtig, ängstlich äugte er nach allen Seiten
die Gräfin verstummte ... gekniffenen Blickes ins Leere äugend [Th. MannKönigl. Hoheit7,332]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Auge · Augapfel · äugeln · liebäugeln · äugen
Auge n. Organ des Gesichtssinnes. Ahd. ouga (8. Jh.), mhd. ouge stimmt mit asächs. ōga, mnd. ōge, mnl. ōghe, nl. oog, aengl. ēage, (angl.) ēge, engl. eye, anord. auga, schwed. öga, dän. øje, got. augō überein. Die Herleitung von germ. *augan- aus ie. *okū- ‘sehen, Auge’, das sich aus aind. ákṣi, griech. ómma (ὄμμα), Dual ósse (ὄσσε), lat. oculus (s. ↗Okular), aslaw. oko, russ. (älter) óko (око), lit. akìs ‘Auge’ erschließen läßt, ist durch die germ. Lautgestalt erschwert, wird aber doch für wahrscheinlich gehalten. Allgemein nimmt man an, daß der Vokal eines regulär entwickelten germ. *agw- (dieses z. B. noch in ahd. awizoraht ‘augenscheinlich’, um 800, acsiunī ‘äußere Erscheinung’, 9. Jh.) unter dem Einfluß von germ. *auzan- ‘Ohr’, vgl. ahd. ōra und (mit grammatischem Wechsel) got. ausō (s. ↗Ohr), umgebildet wurde. Vielleicht hat dabei auch Ausgleich zwischen verschiedenen Flexionsformen eine Rolle gespielt; vgl. Feist ³64. Augapfel m. ‘kugelförmiger Sehkörper des Auges’, ahd. ougaphul (Hs. 12. Jh.), mhd. ougapfel; die durch Ähnlichkeit mit der runden Frucht motivierte übertragene Verwendung von ↗Apfel (s. d.) ebenfalls in aengl. ēagæppel, mnl. ōgheappel, nl. oogappel. Gleichbed. anord. augasteinn, schwed. ögonsten, engl. eyeball oder frz. globe de l’œil gehen von ähnlichen Vorstellungen aus. äugeln Vb. ‘jmdm. bedeutungsvolle Blicke zuwerfen’, als Ausdruck des Gartenbaus ‘okulieren’. Mhd. öugeln, wohl zur Deminutivform öugel von mhd. ouge ‘Auge’ gebildet, heißt zunächst ‘mit Augen versehen’ (so Part. Prät. geöugelt mit Bezug auf Pfauenfedern, Mitte 14. Jh.). Die Bedeutung ‘verliebte Blicke tauschen’, mhd. nur durch den substantivierten Infinitiv daʒ öugeln belegt (daneben steht mnd. ȫgelen ‘äugeln, schmeicheln’), findet sich seit dem 16. Jh. und häufiger vom 18. Jh. an. Im 16. Jh. verbreiteter als das einfache Verb ist gleichbed. liebäugeln Vb. wie älteres ↗liebkosen (s. d.) als Zusammenrückung entstanden und heute vorwiegend in übertragenem Sinne ‘mit dem Gedanken an etw. spielen’ geläufig. Die Verwendung von äugeln für das schon dem mittelalterlichen Weinbau bekannte Veredelungsverfahren, die dem übertragenen Gebrauch von Auge für ‘Knospe’ folgt, wird im 17. Jh. üblich. äugen Vb. ‘blicken’, besonders in der Jägersprache von Tieren. Ahd. ougen (8. Jh.), mhd. ougen, öugen bedeutet ‘vor Augen bringen, zeigen’ (s. ↗ereignen; außerdem ist ahd. ougen ‘Knospen ansetzen’, um 1000, bezeugt), daneben mnd. ȫgen auch ‘sehen, schauen’; in diesem Sinne im älteren Nhd. selten, seit Anfang des 19. Jhs. öfter vorkommend, namentlich als Jagdausdruck.

Thesaurus

Synonymgruppe
(visuell) wahrnehmen · ↗erblicken · ↗sehen · zu Gesicht bekommen  ●  äugen  fachspr., Jägersprache
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Auge · ↗Sehwerkzeug  ●  Glubscher  ugs. · ↗Gucker  ugs. · Oculus  fachspr. · ↗Sehorgan  fachspr.
  • räumliches Sehen · stereoskopisches Sehen  ●  Stereopsis  fachspr.
  • Anopie  fachspr. · ↗Anopsie  fachspr.
  • sichtbares Spektrum · visueller Bereich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fenster Tür an hervor herüber hinaus hinunter hinüber mißtrauisch neugierig vorsichtig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›äugen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur einmal äugt er herüber und schüttelt unwillig den Kopf.
Die Zeit, 06.12.2010, Nr. 49
Mal äugt jener durch die Kamera, während der andere die Schauspieler führt, mal ist es umgekehrt.
Süddeutsche Zeitung, 18.08.2001
Ja, es äugte die Kinder erstaunt mit seinen großen Augen an.
Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 135
Er saß salopp herum, schlotterig gekleidet, Pfeife im Mund, aufmerksam nach allen Winkeln äugend, horchend.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 621
Die Mägde äugten verstohlen und diebisch nach dem verwilderten Wanderer.
Klabund: Bracke. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 2325
Zitationshilfe
„äugen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/äugen>, abgerufen am 19.07.2019.

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