üben

GrammatikVerb
Aussprache
Wortbildung mit ›üben‹ als Letztglied: ↗ausüben · ↗einüben  ·  mit ›üben‹ als Grundform: ↗geübt
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. durch öfteres Wiederholen, durch Übung lernen, als Fertigkeit zu erlangen suchen
Beispiele:
den Handstand, Kopfstand üben
einen Volkstanz, ein Musikstück üben
täglich eine halbe Stunde Klavier, Steno üben
geduldig, immer wieder üben
umgangssprachlich tüchtig üben
der Turner übt am Barren, Reck
sein Gedächtnis üben (= sein Gedächtnis schulen)
sich in etw. übenseine Fertigkeit auf einem bestimmten Gebiet zu verbessern suchen
Beispiele:
er übt sich im Lesen, Schreiben, in der Kunst des Zeichnens
sprichwörtlich Früh übt sich, was ein Meister werden will [SchillerTellIII 1]
2.
in Verbindung mit bestimmten Subst.
gehoben jmdm. etw. durch Wort oder Tat zuteilwerden lassen
Beispiele:
Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gnade, Großmut, Nachsicht, Rücksicht, Toleranz (gegen jmdn.) üben
Zurückhaltung, Diskretion (jmdm. gegenüber) üben
dient zur Umschreibung eines Verbalbegriffs
Beispiele:
Kritik (an jmdm., etw.) üben (= jmdn., etw. kritisieren)
Selbstkritik üben
gehoben Verrat (an jmdm., etw.) üben (= jmdn., etw. verraten)
gehoben an jmdm. Rache üben (= sich an jmdm. rächen)
gehoben dann wollte auch er [Brenten] Vergeltung üben und Abrechnung halten [BredelVäter158]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

üben · Übung · üblich
üben Vb. ‘durch ständiges Wiederholen sich anzueignen suchen’, ahd. uoben ‘Landbau treiben, (aus)üben, verrichten, treiben, verehren’ (9. Jh.), mhd. üeben, uoben, (md.) ūben ‘bebauen, hegen, pflegen, ausüben, ins Werk setzen, beständig gebrauchen, tätig sein’, asächs. ōƀian ‘feiern’ (vgl. ungiōƀid ‘ungepflegt, vernachlässigt’), mnd. ōven ‘(be)treiben, bearbeiten, bauen, pflegen, ehren’, mnl. oeven ist mit jan-Suffix abgeleitet von einem in ahd. uoba f. ‘Feier’ (Hs. 13. Jh.), uobo m. ‘Landbauer’ (um 900), lantuobo ‘Bauer’ (um 900), mhd. uop ‘Landbau, Handlungsweise, Gebrauch, Übung, Sitte’ bezeugten dehnstufigen Nominalstamm. Daneben sind zu einem n-Stamm gebildet mnd. ōvenen, mnl. nl. oefenen, ablautend aengl. æfnan, efnan ‘ausführen, vollbringen, tun, verursachen, leiden’, anord. efna ‘ausführen, leisten, helfen’, schwed. ämna ‘beabsichtigen, vorhaben’. Verwandt sind ferner anord. efni ‘Stoff, Material’ und aengl. andefn ‘Maß, Menge’. Außergerm. sind heranzuziehen aind. ā́paḥ ‘Werk, religiöse Handlung’, griech. ómpnē (ὄμπνη) ‘Nahrung, Getreide’, lat. opus ‘Werk, Arbeit, Tätigkeit’, ops ‘Vermögen, Reichtum, Macht, Hilfe, Beistand’, so daß von einer Wurzel ie. *op- ‘arbeiten, zustande bringen; Ertrag der Arbeit, Reichtum’ auszugehen ist. Übung f. ‘das Üben, häufige und regelmäßig wiederholte Handlung zum Zwecke des Lernens und zur Steigerung der Leistung, probeweise durchgeführte Untersuchung’, ahd. uobunga (um 800), mhd. üebunge ‘Landbau, Verehrung, Eifer, beständiges Tun, Geschäftigkeit’. üblich Adj. (durch ständige Wiederholung) ‘gebräuchlich, herkömmlich’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
einüben · ↗schulen · ↗trainieren · üben
Synonymgruppe
durchspielen · ↗proben · üben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bescheidenheit Disziplin Ernstfall Geduld Gerechtigkeit Kritik Kunst Nachsicht Opposition Schulterschluß Selbstjustiz Selbstkritik Solidarität Spagat Toleranz Training Umgang Vergeltung Verhalten Verrat Verzicht Zurückhaltung aus ausüben derweil einüben fleißig mal täglich üben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›üben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dieses Kind übt mit einer ehrgeizigen Mutter, jenes steht völlig allein.
Die Zeit, 30.06.2004, Nr. 27
Doch die übten sich an diesem Tag in vornehmer Zurückhaltung.
Der Tagesspiegel, 18.06.2004
Da es aber täglich vorkommen kann, muß man es üben.
Dillenburger, Helmut: Das praktische Autobuch, Gütersloh: Bertelsmann 1965 [1957], S. 81
Es wurde ein Rad geborgt, und in der großen Küche übte ich.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 4419
Auf Ersuchen der Mädchen habe er sich zunächst im Schießen geübt.
Friedländer, Hugo: Ein blutiges Drama. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 927
Zitationshilfe
„üben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/üben>, abgerufen am 20.06.2019.

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