Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

üben

Grammatik Verb
Aussprache 
Wortbildung  mit ›üben‹ als Letztglied: ausüben · einüben  ·  mit ›üben‹ als Grundform: geübt
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. durch öfteres Wiederholen, durch Übung lernen, als Fertigkeit zu erlangen suchen
Beispiele:
den Handstand, Kopfstand üben
einen Volkstanz, ein Musikstück üben
täglich eine halbe Stunde Klavier, Steno üben
geduldig, immer wieder üben
umgangssprachlichtüchtig üben
der Turner übt am Barren, Reck
sein Gedächtnis üben (= sein Gedächtnis schulen)
sich in etw. übenseine Fertigkeit auf einem bestimmten Gebiet zu verbessern suchen
Beispiele:
er übt sich im Lesen, Schreiben, in der Kunst des Zeichnens
sprichwörtlichFrüh übt sich, was ein Meister werden will [ SchillerTellIII 1]
2.
gehoben jmdm. etw. durch Wort oder Tat zuteilwerden lassen
Grammatik: in Verbindung mit bestimmten Substantiven
Beispiele:
Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gnade, Großmut, Nachsicht, Rücksicht, Toleranz (gegen jmdn.) üben
Zurückhaltung, Diskretion (jmdm. gegenüber) üben
dient zur Umschreibung eines Verbalbegriffs
Beispiele:
Kritik (an jmdm., etw.) üben (= jmdn., etw. kritisieren)
Selbstkritik üben
gehobenVerrat (an jmdm., etw.) üben (= jmdn., etw. verraten)
gehobenan jmdm. Rache üben (= sich an jmdm. rächen)
gehobendann wollte auch er [Brenten] Vergeltung üben und Abrechnung halten [ BredelVäter158]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

üben · Übung · üblich
üben Vb. ‘durch ständiges Wiederholen sich anzueignen suchen’, ahd. uoben ‘Landbau treiben, (aus)üben, verrichten, treiben, verehren’ (9. Jh.), mhd. üeben, uoben, (md.) ūben ‘bebauen, hegen, pflegen, ausüben, ins Werk setzen, beständig gebrauchen, tätig sein’, asächs. ōƀian ‘feiern’ (vgl. ungiōƀid ‘ungepflegt, vernachlässigt’), mnd. ōven ‘(be)treiben, bearbeiten, bauen, pflegen, ehren’, mnl. oeven ist mit jan-Suffix abgeleitet von einem in ahd. uoba f. ‘Feier’ (Hs. 13. Jh.), uobo m. ‘Landbauer’ (um 900), lantuobo ‘Bauer’ (um 900), mhd. uop ‘Landbau, Handlungsweise, Gebrauch, Übung, Sitte’ bezeugten dehnstufigen Nominalstamm. Daneben sind zu einem n-Stamm gebildet mnd. ōvenen, mnl. nl. oefenen, ablautend aengl. æfnan, efnan ‘ausführen, vollbringen, tun, verursachen, leiden’, anord. efna ‘ausführen, leisten, helfen’, schwed. ämna ‘beabsichtigen, vorhaben’. Verwandt sind ferner anord. efni ‘Stoff, Material’ und aengl. andefn ‘Maß, Menge’. Außergerm. sind heranzuziehen aind. ā́paḥ ‘Werk, religiöse Handlung’, griech. ómpnē (ὄμπνη) ‘Nahrung, Getreide’, lat. opus ‘Werk, Arbeit, Tätigkeit’, ops ‘Vermögen, Reichtum, Macht, Hilfe, Beistand’, so daß von einer Wurzel ie. *op- ‘arbeiten, zustande bringen; Ertrag der Arbeit, Reichtum’ auszugehen ist. Übung f. ‘das Üben, häufige und regelmäßig wiederholte Handlung zum Zwecke des Lernens und zur Steigerung der Leistung, probeweise durchgeführte Untersuchung’, ahd. uobunga (um 800), mhd. üebunge ‘Landbau, Verehrung, Eifer, beständiges Tun, Geschäftigkeit’. üblich Adj. (durch ständige Wiederholung) ‘gebräuchlich, herkömmlich’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
durchspielen · proben · üben

Typische Verbindungen zu ›üben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›üben‹.

Verwendungsbeispiele für ›üben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da es aber täglich vorkommen kann, muß man es üben. [Dillenburger, Helmut: Das praktische Autobuch, Gütersloh: Bertelsmann 1965 [1957], S. 81]
Selbst zarte kleine Mädchen üben schon früh die schwere Pflicht, Lasten zu tragen. [Die Landfrau, 12.09.1925]
Häufig aber übt sich gerade die Politik in vorauseilendem Gehorsam. [Die Zeit, 18.02.1999, Nr. 8]
Wenn sie nicht anders Zeit findet, übt sie auch nachts. [Die Zeit, 11.02.1999, Nr. 7]
Wenn sie vorhatte, den Lehrer zu belügen, mußte sie mit mir üben. [Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 49]
Zitationshilfe
„üben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%BCben>.

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