über
GrammatikPräposition (mit Dat., mit Akk.)
Aussprache
Wortbildung mit ›über‹ als Erstglied: ↗Überlandautobus · ↗Überlandbahn · ↗Überlandbus · ↗Überlandchaussee · ↗Überlandfahrt · ↗Überlandkraftwerk · ↗Überlandleitung · ↗Überlandstraße · ↗Überlandverkehr · ↗Überlandwerk · ↗Überlandzentrale · ↗Überplangewinn · ↗überquer
 ·  mit ›über‹ als Letztglied: ↗gegenüber · ↗hierüber · ↗nachtsüber
 ·  formal verwandt mit: ↗überm · ↗übern · ↗übers
eWDG, 1976

Bedeutung

siehe auch überm, übern, übers
I.
räuml.
1.
mit Dat.
bezeichnet ein Lageverhältnis
a)
drückt aus, dass sich etw. höher als etw., jmd., meist senkrecht oberhalb davon befindet   oberhalb
Gegenwort zu unter1
Beispiele:
die Lampe hängt über dem Tisch
das Flugzeug kreist über der Stadt
der Adler schwebt über dem See
hoch über mir zogen die Wolken
der Ort liegt 800 Meter über dem Meeresspiegel
über uns (= ein Stockwerk höher) wohnt eine Sängerin
über Tag(e) (= im Tagebau) arbeiten Bergmannssprache
bildlich
Beispiele:
über einer Aufgabe sitzen (= an einer Aufgabe sitzen)
über einer Aufgabe brüten (= an einer Aufgabe sitzen) umgangssprachlich
die neuen Mitarbeiter saßen über ihren Zeichentischen (= saßen über ihre Zeichentische gebeugt) [Kellerm.Totentanz154]
b)
drückt aus, dass sich etw. unmittelbar auf etw. befindet und es ganz oder teilweise bedeckt   auf
Gegenwort zu unter1
Beispiele:
die Decke liegt über dem Sofa, Tisch
eine leichte Schneedecke lag über der Erde
sie trägt einen Mantel über dem Kleid, einen Umhang über dem Kostüm
c)
umgangssprachlich drückt aus, dass sich jmd., etw. jenseits von jmdm., etw. befindet   auf der anderen Seite, gegenüber
Beispiele:
er wohnt gleich über die Straße
das Theater befindet sich über dem Platz
d)
steht zeitl. Gebrauch nahe   während, bei
siehe auch über1 (Lesart II 4)
Beispiele:
über dem Lesen ist er eingeschlafen
über der Arbeit vergaß er die Zeit
2.
mit Akk.
bezeichnet ein Richtungsverhältnis
a)
bezeichnet die Bewegung nach oben
α)
an eine oberhalb von jmdm., etw. gelegene Stelle
Beispiel:
das Bild über das Sofa, ein Schild über die Tür hängen
β)
mit Überwindung eines Hindernisses   darüber hinweg
Beispiele:
er klettert über die Mauer
der Hund springt über den Zaun
das Pferd setzt über die Hürden
b)
bezeichnet die Bewegung oder Erstreckung nach oben, wobei eine Grenze überschritten wird
α)
die Bewegung
Beispiel:
das Wasser ist über das Ufer getreten
übertragen
Beispiel:
etw. wächst einem über den Kopf
β)
die Erstreckung
Beispiele:
er steckt bis über die Knie im Schnee
der Dom ragt über das Häusermeer empor
sie wurde bis über die Ohren rot
umgangssprachlich, übertragen
Beispiel:
bis über die Ohren, den Kopf in Schulden stecken
c)
bezeichnet die Bewegung oder Erstreckung parallel zu einer Oberfläche
α)
ohne sie zu berühren   darüber hin, darüber hinweg
Beispiele:
sie flogen über den Kaukasus
der Sturm braust über das Land
Wolken jagten über den Himmel
über Berge und Täler schauen
β)
in Berührung mit ihr   darüber hin, darüber hinweg
Beispiele:
das Boot gleitet über den See
die Wellen rollen über das Ufer
sie strich dem Kind über das Haar
Tränen liefen ihr über die Wangen
das Stück ging erfolgreich über die Bühne
γ)
etw. passierend, um an einen Ort zu gelangen, der jenseits davon liegt
Beispiele:
über die Straße, Kreuzung, Wiese gehen
mit dem Boot über einen Fluss setzen
der Steg, die Brücke führt über den Fluss
über das Meer fahren
das Wild wechselt über den Pfad
ihr Spaziergang führte sie weit über die Stadtgrenze hinaus
Bier über die Straße (= außer Haus) verkaufen
d)
bezeichnet die Bewegung an einem Ort vorbei oder durch ihn hindurch (auf ein Ziel zu)
Beispiele:
sie fuhren über Berlin nach Rostock
dieser Zug fährt nicht über Dresden (= passiert Dresden nicht)
fährt diese Straßenbahn über den Bahnhof? (= am Bahnhof vorbei?) umgangssprachlich
e)
bezeichnet die Bewegung von oben auf ein Ziel hin, wobei etw. unmittelbar auf etw. zu liegen kommt und es ganz oder teilweise bedeckt
Beispiele:
die Decke über den Tisch legen
das Kleid über den Stuhl, Bügel hängen
sich [Dativ] die Jacke über die Schultern hängen
er zog sich [Dativ] die Decke über den Kopf, die Mütze über die Ohren
f)
bezeichnet die Bewegung von oben auf etw. herab
Beispiele:
Wasser über die Blumen gießen
Düngemittel über den Acker streuen
jmdm. einen Eimer Wasser über den Kopf schütten
g)
bezeichnet die Erstreckung, Entfernung   (in der Erstreckung) von
Beispiele:
ein Marsch über 12 Kilometer
eine Stafette über dreimal hundert Meter
der Wettlauf ging über eine Distanz von 5000 Metern
3.
räuml.
übertragen
a)
mit Dat.
Beispiele:
über jmdm., einer Situation stehen
die Leistung liegt über dem Durchschnitt
über dieser Sache liegt ein Geheimnis
kein Dach über dem Kopf haben
jmdm. das Dach über dem Kopf anzünden
über den Wolken schweben
sich über Wasser halten
über dem Berg sein umgangssprachlich
b)
mit Akk. in fester Abhängigkeit von Verben
Beispiele:
über etw., jmdn. erhaben sein
etw. über sich ergehen lassen
etw. kommt über jmdn.
über jmdn., etw. herfallen, herziehen umgangssprachlich
sich über jmdn., etw. hermachen salopp
über etw. hinwegkommen
sich über etw. hinwegsetzen
über jmdn., etw. hinweggehen
jmdm. über etw. hinweghelfen
über sich hinauswollen
über sich selbst hinauswachsen
über das Ziel hinausschießen
über alle Berge sein
etw. nicht über die Lippen bringen
jmdm. das Fell über die Ohren ziehen
über etw. Gras wachsen lassen
eins über den Durst trinken umgangssprachlich
etw. übers Knie brechen umgangssprachlich
nicht über seinen Schatten springen können
jmdm. ist eine Laus über die Leber gelaufen
jmdm. nicht über den Weg trauen
jmdn. übers Ohr hauen salopp
jmdn. über den Haufen schießen, rennen salopp
jmdm. über den Mund fahren salopp
c)
mit Akk. in modalen Verbindungen
Beispiele:
etw. ist über alle Maßen, Begriffe, über alles Erwarten (= sehr) schön
sie lobten die Arbeit über Gebühr
jmdn. über den grünen Klee loben umgangssprachlich
II.
zeitl.
1.
mit Akk.
bezeichnet eine Zeitspanne, nach deren Verlauf etw. vor sich geht, ist; verweist meist von der Gegenwart in die Zukunft   in, nach
Beispiele:
über ein Jahr sehen wir uns wieder
heute über 8 Tage ist Ostern
über ein (kleines) Weilchen (= nach kurzer Zeit) veraltend
über kurz oder lang (= früher oder später)
über Jahr und Tag (= irgendwann in der Zukunft, nach langer Zeit)
2.
mit Akk.
bezeichnet einen bestimmten Zeitraum, in dem etw. vor sich geht, ist; weist auf den vollen Umfang des Zeitraums hin
Beispiele:
er verreiste über das Wochenende, fuhr über Weihnachten in die Berge
die Arbeit zog sich über Jahre (hin)
über Mittag (= während der Mittagszeit) im Haus bleiben, sich ausruhen
das Theater ist über die Feiertage geschlossen
einem Subst. nachgestellt
bezeichnet die ununterbrochene Dauer der Handlung   für die Zeit von, hindurch, lang
Beispiele:
den ganzen Tag über regnete es
er blieb die ganze Woche, Zeit über im Ausland
sie hat den Sonntag über gelesen
den Sommer über lebten sie auf dem Land
einem Subst. vorangestellt
bezeichnet einen nicht näher bestimmten Zeitpunkt innerhalb eines Zeitabschnitts
Beispiel:
über Nacht (= irgendwann in der Nacht) hat es geschneit
übertragen
Beispiel:
über Nacht (= plötzlich) berühmt werden
3.
mit Akk.
bezeichnet das Überschreiten einer Zeitgrenze   nach
Beispiel:
es war weit über Mitternacht, als die Gäste aufbrachen
4.
mit Dat.
drückt die Gleichzeitigkeit eines Vorgangs mit einem anderen aus; bezeichnet auch den Grund   bei, wegen, durch
siehe auch über1 (Lesart I 1 d)
Beispiel:
über dem Lärm, Geschrei wachte er auf
III.
Sonderfunktionen, mit Akk.
1.
in Verbindung mit Wörtern der Gemütsbewegung
weist auf den Grund hin   wegen
a)
mit Verben
Beispiele:
sich über etw. freuen
sich über jmdn., etw. ärgern, aufregen, entsetzen, wundern
über jmdn., etw. lachen, weinen, klagen
über jmdn. staunen
sich über jmdn., etw. beklagen, beschweren, lustig machen
b)
mit Adjektiven
Beispiele:
froh, glücklich, betrübt, traurig sein über jmdn., etw.
ärgerlich, böse über jmdn., etw. sein
sie waren erstaunt, verwundert, verblüfft über die Lösung
2.
weist auf das Thema oder den Inhalt von etw. hin   betreffend
Beispiele:
ein Buch über Goethe, über Mathematik
eine Zeitschrift über Technik
er hält einen Vortrag über moderne Architektur
über die Literatur der Romantik arbeiten, schreiben
in fester Abhängigkeit von Verben des Denkens, Redens, Schreibens
drückt aus, dass die Handlung auf jmdn., etw. gerichtet ist
Beispiele:
über jmdn., etw. nachdenken, reflektieren, meditieren, sich [Dativ] Gedanken machen
über etw. konferieren
sich [Dativ] den Kopf über etw. zerbrechen umgangssprachlich
über jmdn., etw. reden, sprechen, berichten, schreiben
sich über jmdn., etw. äußern
über jmdn., etw. seine Meinung äußern, diskutieren, urteilen, entscheiden
sich über jmdn., etw. unterhalten
über etw. Auskunft geben
sich über etw., jmdn. informieren
sich über etw. einigen
3.
drückt ein Abhängigkeitsverhältnis aus, in dem jmd. zu jmdm., etw. steht
Beispiele:
über jmdn., etw. herrschen, gebieten, siegen, triumphieren
über jmdn., etw. verfügen, die Aufsicht führen
Gewalt, Macht haben über jmdn., etw.
Gericht halten, Richter sein über jmdn.
Herr sein über die Situation, Schwierigkeiten
die Herrschaft über etw. haben, verlieren
4.
bezeichnet das als Mittler dienende Zwischenglied   mittels, durch
Beispiele:
über den Rundfunk, Lautsprecher reden, etw. mitteilen
ein Telegramm über Fernschreiber aufgeben
5.
a)
zwischen zwei gleichen Substantiven
bezeichnet eine Häufung
Beispiele:
Blumen über Blumen (= sehr viele) wurden geschickt
Briefe über Briefe flatterten ins Haus
der Schüler hatte Fehler über Fehler in dem Diktat
Fragen über Fragen wurden gestellt
b)
bezeichnet die Wiederholung
Beispiele:
einmal über das andere (Mal) (= immer wieder) fiel er hin
er machte eine Dummheit über die andere (= nach der anderen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

über · überall · überein · überhaupt · übrig · übrigens · erübrigen · Überbein · überraschen · Überraschung
über Präp. zur Angabe einer räumlichen Lage ‘oberhalb’ (das Bild hängt über dem Schrank), ‘unmittelbar darauf’ (eine Schürze über dem Kleid tragen), einer nach oben gerichteten Bewegung (über etw. springen) oder Erstreckung (der Baum ragt über das Dach hinaus), einer von oben nach unten gerichteten Bewegung (Wasser über das Beet gießen), einer in die Zukunft weisenden Zeitspanne (über ein Jahr kommen wir zurück), eines Zeitraumes (über Ostern); Adv. zur Bezeichnung des Überschreitens einer Quantität, Qualität, Intensität ‘mehr als’ (über drei Kilo, über zwei Wochen), als Wortpaar über und über ‘völlig, ganz und gar, von oben bis unten’. Ahd. ubar (8. Jh.), ubari Adv. (8. Jh.), mhd. über, (md.) uber, ober, asächs. oҍar, oҍer, ofer, mnd. mnl. ōver, nl. over, aengl. ofer, engl. over, anord. yfir, schwed. över, got. ufar Präp., ufaro Adv. führen mit den außergerm. Verwandten aind. upári ‘oben, über’, awest. upairī̌, griech. hýper, hypér (ὕπερ, ὑπέρ) ‘über, im Übermaß, über … hinaus, oberhalb’, lat. (mit s-Präfix) super ‘oben, auf, darüber’, air. for ‘über, über … hinaus’ auf ie. *upér(i) ‘über, oberhalb’, auch ‘über … hinaus’, eine Bildung mit komparativischem r-Suffix zu ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘von unten hinauf, über’ (s. ↗auf, ↗ob). Die mhd. nhd. Form über (mit Umlaut) geht auf das Adverb ahd. ubari zurück. überall Adv. ‘an allen Orten, bei jeder Gelegenheit’, ahd. ubaral (8. Jh.), mhd. überal, zusammengesetzt mit dem Akk. Neutr. von ↗all (s. d.); vgl. mnd. mnl. ōveral, nl. overal, aengl. ofereall, engl. overall (‘umfassend’). überein Adv. ‘gleichmäßig, zusammenstimmend’, übereins (15. Jh.), mhd. überein, Zusammenrückung von mhd. über ein(ez) ‘in einem Sinne, gleichmäßig, ganz und gar’. überhaupt Adv. ‘insgesamt (gesehen)’ (15. Jh.), verstärkend bei Verneinungen (vgl. überhaupt nicht ‘ganz und gar nicht’, 18. Jh.), als Partikel in Fragesätzen ‘eigentlich, denn’ (Ende 17. Jh.), in der Handelssprache im Sinne von ‘in Bausch und Bogen, im ganzen, en gros’, vgl. überhaupt kaufen (‘insgesamt, nicht einzeln nachgezählt oder gewogen kaufen’, 18. Jh.). Zusammenrückung der Präp. ↗über mit dem Akk. des Substantivs ↗Haupt (s. d.), vgl. mhd. über houbet ‘über das Haupt, die Häupter hin’, d. h. ‘ohne die Stücke (Vieh, dann auch Menschen) zu zählen’; eine wohl aus der Viehwirtschaft stammende Fügung. übrig Adj. ‘(als Rest) vorhanden, verbleibend, restlich’, mhd. überic, überec; auch ‘überflüssig, überschüssig, zuviel’, vgl. ein übriges tun ‘mehr tun, als verlangt wird, als nötig ist’ (16. Jh.), aus der theologischen Sprache der Reformationszeit, eigentl. ‘mehr tun, als Gott von einem verlangt’; dazu übrigens Adv. ‘nebenbei bemerkt, gesagt, außerdem’ (Ende 17. Jh.; wohl in Analogie zu erstens); dafür auch im übrigen ‘ansonsten, außerdem’ (17. Jh.); erübrigen Vb. ‘etw. übriglassen, ein-, ersparen’, refl. (unpersönlich) ‘unnötig, überflüssig sein’ (Mitte 16. Jh.), aus der Kanzleisprache, älter erübern ‘übrigbehalten’ (14. bis Ende 17. Jh.). Überbein n. ‘Auswuchs einer Sehnenscheide oder Gelenkkapsel’ (bes. am Hand- oder Fußrücken), mhd. überbein; zu ↗Bein ‘Knochen’ (s. d.), eigentl. ‘darüberliegender Knochen’, da fälschlich für Kochenauswuchs gehalten. überraschen Vb. ‘unerwartet (an)treffen, in Erstaunen setzen’ (16. Jh., häufiger seit 18. Jh.), zu ↗rasch (s. d.), eigentl. ‘plötzlich über jmdn. kommen, herfallen, (den Feind) überfallen’; Überraschung f. ‘Erstaunen, Verwunderung über Unerwartetes’ (18. Jh.), ‘unerwarteter feindlicher Überfall, Überrumpelung’ (17. Jh.)

Thesaurus

Synonymgruppe
anhand · ↗durch · ↗mit · ↗mit Hilfe (von) · ↗mithilfe · ↗mittels · ↗per · ↗qua · unter Einsatz von · unter Zuhilfenahme von · ↗vermittels · vermittelst · ↗via
Assoziationen
Synonymgruppe
darüber hinaus · ↗extra · ↗jenseits · weiterführend · ↗zusätzlich
Synonymgruppe
oben · ↗oberhalb · überhalb
Synonymgruppe
via
Synonymgruppe
droben · ↗hoch · ↗oben · ↗obig
Assoziationen
Synonymgruppe
mehr als  ●  ↗gut  ugs.
Assoziationen
  • ein wenig mehr (als) · etwas mehr (als) · ↗gut (vor Maßen u. Zahlen) · kaum mehr (als) · knapp über · leicht über  ●  ↗einige (+ Zahl)  geh., veraltend, literarisch · etwas über  ugs.
  • deutlich mehr als · deutlich über · ↗reichlich · reichlich über · viel mehr als · weit mehr als · weit über · weitaus mehr (als)
  • nicht weniger als · ↗sogar · volle (vor Zahl)
Synonymgruppe
restlich · verbleibend · ↗überzählig · ↗übrig  ●  noch da  ugs.
Synonymgruppe
übergeblieben · ↗überschüssig · ↗übrig geblieben · ↗übriggeblieben
Zitationshilfe
„über“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/über#1>, abgerufen am 20.11.2017.

Weitere Informationen …

über
GrammatikAdverb
Aussprache
Wortbildung mit ›über‹ als Erstglied: ↗überdies  ·  mit ›über‹ als Letztglied: ↗hintenüber · ↗vornüber
 ·  Ableitung von ›über‹: ↗über-
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
in Verbindung mit Kardinalzahlen
weist auf eine Grenze hin, die überschritten wird   mehr als
Beispiele:
die Mauer ist über fünf Meter hoch
bis Halle sind es noch über zehn Kilometer
ein Betrieb mit über hundert Arbeitern
die Stadt hat über 100 000 Einwohner
eine Summe von über 1 000 Euro
seit über einem Jahr
2.
a)
umgangssprachlich
Beispiel:
jmdm. (in etw.) über sein (= jmdm. (in etw.) überlegen sein)
b)
umgangssprachlich
Beispiel:
etw. ist, wird mir über (= ich habe es satt)
c)
Militär
Beispiel:
(das) Gewehr über! (= über die Schulter nehmen!) (= Kommando)
3.
über und übervöllig, ganz und gar
Beispiele:
über und über rot werden
der Baum blüht über und über
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

über · überall · überein · überhaupt · übrig · übrigens · erübrigen · Überbein · überraschen · Überraschung
über Präp. zur Angabe einer räumlichen Lage ‘oberhalb’ (das Bild hängt über dem Schrank), ‘unmittelbar darauf’ (eine Schürze über dem Kleid tragen), einer nach oben gerichteten Bewegung (über etw. springen) oder Erstreckung (der Baum ragt über das Dach hinaus), einer von oben nach unten gerichteten Bewegung (Wasser über das Beet gießen), einer in die Zukunft weisenden Zeitspanne (über ein Jahr kommen wir zurück), eines Zeitraumes (über Ostern); Adv. zur Bezeichnung des Überschreitens einer Quantität, Qualität, Intensität ‘mehr als’ (über drei Kilo, über zwei Wochen), als Wortpaar über und über ‘völlig, ganz und gar, von oben bis unten’. Ahd. ubar (8. Jh.), ubari Adv. (8. Jh.), mhd. über, (md.) uber, ober, asächs. oҍar, oҍer, ofer, mnd. mnl. ōver, nl. over, aengl. ofer, engl. over, anord. yfir, schwed. över, got. ufar Präp., ufaro Adv. führen mit den außergerm. Verwandten aind. upári ‘oben, über’, awest. upairī̌, griech. hýper, hypér (ὕπερ, ὑπέρ) ‘über, im Übermaß, über … hinaus, oberhalb’, lat. (mit s-Präfix) super ‘oben, auf, darüber’, air. for ‘über, über … hinaus’ auf ie. *upér(i) ‘über, oberhalb’, auch ‘über … hinaus’, eine Bildung mit komparativischem r-Suffix zu ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘von unten hinauf, über’ (s. ↗auf, ↗ob). Die mhd. nhd. Form über (mit Umlaut) geht auf das Adverb ahd. ubari zurück. überall Adv. ‘an allen Orten, bei jeder Gelegenheit’, ahd. ubaral (8. Jh.), mhd. überal, zusammengesetzt mit dem Akk. Neutr. von ↗all (s. d.); vgl. mnd. mnl. ōveral, nl. overal, aengl. ofereall, engl. overall (‘umfassend’). überein Adv. ‘gleichmäßig, zusammenstimmend’, übereins (15. Jh.), mhd. überein, Zusammenrückung von mhd. über ein(ez) ‘in einem Sinne, gleichmäßig, ganz und gar’. überhaupt Adv. ‘insgesamt (gesehen)’ (15. Jh.), verstärkend bei Verneinungen (vgl. überhaupt nicht ‘ganz und gar nicht’, 18. Jh.), als Partikel in Fragesätzen ‘eigentlich, denn’ (Ende 17. Jh.), in der Handelssprache im Sinne von ‘in Bausch und Bogen, im ganzen, en gros’, vgl. überhaupt kaufen (‘insgesamt, nicht einzeln nachgezählt oder gewogen kaufen’, 18. Jh.). Zusammenrückung der Präp. ↗über mit dem Akk. des Substantivs ↗Haupt (s. d.), vgl. mhd. über houbet ‘über das Haupt, die Häupter hin’, d. h. ‘ohne die Stücke (Vieh, dann auch Menschen) zu zählen’; eine wohl aus der Viehwirtschaft stammende Fügung. übrig Adj. ‘(als Rest) vorhanden, verbleibend, restlich’, mhd. überic, überec; auch ‘überflüssig, überschüssig, zuviel’, vgl. ein übriges tun ‘mehr tun, als verlangt wird, als nötig ist’ (16. Jh.), aus der theologischen Sprache der Reformationszeit, eigentl. ‘mehr tun, als Gott von einem verlangt’; dazu übrigens Adv. ‘nebenbei bemerkt, gesagt, außerdem’ (Ende 17. Jh.; wohl in Analogie zu erstens); dafür auch im übrigen ‘ansonsten, außerdem’ (17. Jh.); erübrigen Vb. ‘etw. übriglassen, ein-, ersparen’, refl. (unpersönlich) ‘unnötig, überflüssig sein’ (Mitte 16. Jh.), aus der Kanzleisprache, älter erübern ‘übrigbehalten’ (14. bis Ende 17. Jh.). Überbein n. ‘Auswuchs einer Sehnenscheide oder Gelenkkapsel’ (bes. am Hand- oder Fußrücken), mhd. überbein; zu ↗Bein ‘Knochen’ (s. d.), eigentl. ‘darüberliegender Knochen’, da fälschlich für Kochenauswuchs gehalten. überraschen Vb. ‘unerwartet (an)treffen, in Erstaunen setzen’ (16. Jh., häufiger seit 18. Jh.), zu ↗rasch (s. d.), eigentl. ‘plötzlich über jmdn. kommen, herfallen, (den Feind) überfallen’; Überraschung f. ‘Erstaunen, Verwunderung über Unerwartetes’ (18. Jh.), ‘unerwarteter feindlicher Überfall, Überrumpelung’ (17. Jh.)

Thesaurus

Synonymgruppe
anhand · ↗durch · ↗mit · ↗mit Hilfe (von) · ↗mithilfe · ↗mittels · ↗per · ↗qua · unter Einsatz von · unter Zuhilfenahme von · ↗vermittels · vermittelst · ↗via
Assoziationen
Synonymgruppe
darüber hinaus · ↗extra · ↗jenseits · weiterführend · ↗zusätzlich
Synonymgruppe
oben · ↗oberhalb · überhalb
Synonymgruppe
via
Synonymgruppe
droben · ↗hoch · ↗oben · ↗obig
Assoziationen
Synonymgruppe
mehr als  ●  ↗gut  ugs.
Assoziationen
  • ein wenig mehr (als) · etwas mehr (als) · ↗gut (vor Maßen u. Zahlen) · kaum mehr (als) · knapp über · leicht über  ●  ↗einige (+ Zahl)  geh., veraltend, literarisch · etwas über  ugs.
  • deutlich mehr als · deutlich über · ↗reichlich · reichlich über · viel mehr als · weit mehr als · weit über · weitaus mehr (als)
  • nicht weniger als · ↗sogar · volle (vor Zahl)
Synonymgruppe
restlich · verbleibend · ↗überzählig · ↗übrig  ●  noch da  ugs.
Synonymgruppe
übergeblieben · ↗überschüssig · ↗übrig geblieben · ↗übriggeblieben
Zitationshilfe
„über“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/über#2>, abgerufen am 20.11.2017.

Weitere Informationen …