übergreifen

GrammatikVerb · greift über, griff über, hat übergegriffen
Aussprache
Worttrennungüber-grei-fen
Wortzerlegungüber-greifen
Wortbildung mit ›übergreifen‹ als Grundform: ↗Übergriff · ↗übergreifend
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit der einen Hand über die andere greifen
Beispiel:
sie übte das Übergreifen der Hände beim Klavierspiel, Geräteturnen
2.
auf etw. übergreifensich rasch auf etw. anderes ausbreiten, auf etw. überspringen
Beispiele:
der Brand griff auf andere Gebäude über
es gelang, das Übergreifen des Feuers, der Seuche zu verhindern
Auch hier [im Ruhrgebiet] breitete sich die Streikbewegung schnell aus und griff Anfang Dezember auf die Zechen […] über [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung6,149]
3.
übergreifend (= alles bestimmend, beherrschend, übergeordnet)
Grammatik: im Part. Präs.
Beispiele:
in dem Roman ist der Inhalt das übergreifende, die Form bestimmende Moment
das übergreifende Moment im Prozeß der Erkenntnis sind die Erfahrungen, die die Millionen werktätigen Menschen […] an jedem Tag machen [Tageszeitung1957]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

greifen · greifbar · Greifer · angreifen · Angriff · Angreifer · ergreifen · übergreifen · Übergriff · vergreifen
greifen Vb. ‘nehmen, fassen’. Das gemeingerm. Verb ahd. grīfan (um 800), mhd. grīfen, asächs. grīpan, mnd. mnl. grīpen, nl. grijpen, afries. grīpa, aengl. grīpan, engl. to gripe, anord. grīpa, schwed. gripa, got. greipan (germ. *greipan) hat neben sich ein schwaches Iterativum ahd. greifōn (um 800), mhd. greifen, aengl. grāpian ‘tasten, mit der Hand berühren’. Im Dt. vermischen sich semantisch schon früh (bereits ahd.) das starke und das schwache Verb; im Nhd. fallen sie auch formal zusammen. Die germ. Bezeugungen sind nur vergleichbar mit den balt. Formen lit. griẽbti ‘anfassen, ergreifen’, lett. greibt ‘greifen, fassen’, griba ‘Wunsch, Wille’, gribēt ‘wollen’. Weitere Beziehungen sind unklar. greifbar Adj. ‘zum Greifen nahe, verfügbar’ (18. Jh.). Greifer m. ‘wer ergreift, faßt, fängt’ (17. Jh.), in der Technik ‘zum Greifen geeignete Vorrichtung an Maschinen, Kränen, Baggern’ (19. Jh.); voraus geht ein zum schwachen Verb gehörendes ahd. greifāri (um 1100), frühnhd. greifer ‘Schmeichler, Liebkosender’. angreifen Vb. ahd. anagrīfan (9. Jh.), mhd. an(e)grīfen ‘berühren, anfassen’, seit 16. Jh. auch ‘anfallen, feindlich entgegentreten’; Angriff m. ‘Offensive, Überfall’, ahd. anagrif ‘das Anfassen, Angreifen’ (11. Jh.), mhd. an(e)grif, auch ‘Handhabe’; vgl. langobard. anagrip ‘Antastung’ (7. Jh.); die heutige Bedeutung entwickelt sich über ‘feindliche Berührung, Tätlichkeit’ im 14./15. Jh.; Angreifer m. (15. Jh.). ergreifen Vb. ‘fassen, packen, im Innersten anrühren’, mhd. ergrīfen; vgl. ergreifend ‘rührend’, ergriffen ‘gerührt’, Ergriffenheit f. (19. Jh.). übergreifen Vb. ahd. ubargrīfan ‘überschreiten, übersteigen’ (10./11. Jh.), mhd. übergrīfen ‘über etw. hingreifen, es bedecken, beschädigen’; Übergriff m. ‘ungesetzliche Gewalttätigkeit’, ahd. ubargrif (11. Jh.), spätmhd. übergrif. vergreifen Vb. reflexiv ‘falsch, daneben greifen, einen Mißgriff tun, gegen jmdn. tätlich werden’, mhd. vergrīfen; vgl. vergriffen Part.adj. ‘ausverkauft, nicht mehr lieferbar’ (18. Jh.). S. auch ↗Griff, ↗Grippe.

Typische Verbindungen zu ›übergreifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›übergreifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›übergreifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Bilder greifen über in den Raum, sie feiern das sinnliche Erlebnis der Kunst.
Der Tagesspiegel, 15.11.2004
Doch in den letzten Monaten kam es wieder häufiger zu Übergriffen.
Süddeutsche Zeitung, 06.04.1994
Auf das rechtsrheinische Gebiet griff die Mission noch nicht über.
Baus, Karl: Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1973], S. 28870
Umgekehrt hat die Pflege des vorpietistischen Liedes auch auf die Gemeinschaften übergegriffen.
Jannasch, W.: Gottesdienst. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 16606
In sein eigenes Leben, ins Geistige wird die Veränderung nicht übergreifen.
Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 129
Zitationshilfe
„übergreifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%BCbergreifen>, abgerufen am 01.04.2020.

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