Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

überholen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung über-ho-len
Wortzerlegung über- holen
Wortbildung  mit ›überholen‹ als Erstglied: Überholmanöver · Überholspur · Überholstelle · Überholung · Überholverbot · Überholversuch · Überholvorgang
 ·  mit ›überholen‹ als Letztglied: grundüberholen  ·  mit ›überholen‹ als Grundform: überholt
eWDG

Bedeutungen

I.
Grammatik: Präsens ‘holt über’, Präteritum ‘holte über’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘übergeholt’DWDS
1.
jmdn., etw. ans andere Ufer befördern
Beispiele:
wir wurden (vom Fährmann) übergeholt
veraltet hol’ über! (= Ruf nach dem Fährmann)
2.
Seemannssprache
Beispiele:
das Schiff holt (nach Backbord) über (= legt sich auf die Seite)
Und backbords hebt sich der Kutter, holt schwer über, immer mehr, bis er sich ächzend wieder aufrichtet [ WeisenbornMädchen55]
II.
Grammatik: Präsens ‘überholt’, Präteritum ‘überholte’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘überholt’DWDS
1.
jmdn., etw. überholenan jmdm., etw. vorbeilaufen, vorbeifahren und ihn, es hinter sich lassen
Beispiele:
ein Auto, Fahrzeug, einen Radfahrer, Fußgänger überholen
im Straßenverkehr wird links überholt
er hat ihn beim Langstreckenlauf, Rennen in der letzten Runde, in der Kurve noch überholt
2.
jmdn. (in der Leistung) übertreffen
Beispiele:
der Schüler hatte bald alle in der Klasse überholt
in der industriellen Produktion hat dieses Land seine Nachbarn (weit) überholt
3.
Technik etw., besonders ein Fahrzeug, auf Fehler hin überprüfen und wiederherstellen, erneuern
Beispiele:
eine Maschine, ein Auto, Fahrzeug überholen
das Boot, der Motor ist (gründlich, vollständig) überholt worden
umgangssprachlich, scherzhaft, übertragen
Beispiel:
sich überholen lassen (= sich gesundheitlich erneuern, wiederherstellen lassen)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

holen · erholen · Erholung · nachholen · überholen · überholt
holen Vb. ‘hingehen und etw. herbringen, herbeischaffen, jmdn. veranlassen, bitten zu kommen’, reflexiv ‘sich etw. Schlimmes zuziehen’, ahd. halōn, (seltener) holōn (8. Jh.), holēn (9. Jh.), mhd. hol(e)n, (seltener) haln ‘herbeirufen, herbeibringen, erreichen, erwerben und mit sich fortführen’, asächs. halon ‘holen, ziehen, bringen’, mnd. mnl. hālen, nl. halen ‘holen, ziehen’, aengl. geholian ‘bekommen, erhalten’. Die Herkunft der (untereinander ablautenden) westgerm. Verbformen ist nicht sicher geklärt. Man verbindet sie gewöhnlich mit griech. kalé͞in (καλεῖν) ‘rufen, nennen, herbeirufen’, lat. calāre ‘aus-, zusammenrufen’ und stellt sie in Sinne von ‘(herbei)rufen’ bzw. ‘rufen beim gemeinschaftlichen Ziehen’ zu der unter hell (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. auch Hall). Oder man geht von einer Grundbedeutung ‘ziehen, mit Anstrengung herbeischaffen’ aus, vergleicht griech. kálōs (κάλως) ‘Seil, Tau, Kabel’ (das Frisk 1, 770 allerdings als technisches Fremdwort fernhalten will) und setzt eine Wurzel ie. *kal- ‘ziehen’ voraus; vgl. Mansion in: PBB 33 (1908) 547 ff. erholen Vb. reflexiv ‘sein Wohlbefinden wiedererlangen, wieder zu Kräften kommen, gesund werden, ausspannen’, ahd. irholōn (9. Jh.), irhalōn (10. Jh.) ‘herbeiholen, (Geld) einfordern’, mhd. erholn ‘einbringen, erwerben, Versäumtes nachholen, erfrischen’, reflexiv ‘sich erholen, ein Versäumnis gutmachen, sich anders besinnen’; Erholung f. (15. Jh.). nachholen Vb. ‘nachträglich holen, Versäumtes nachträglich erledigen, nacharbeiten’ (17. Jh.). überholen Vb. in unfester Zusammensetzung ‘herüberholen, übersetzen, ans andere Ufer befördern’, besonders im Ruf nach dem Fährmann hol’ über!, mhd. überholn (s. hallo); in fester Zusammensetzung ‘einholen und hinter sich lassen, an Geschwindigkeit übertreffen’ (16. Jh.), übertragen ‘in der Leistung übertreffen’, in der Technik ‘(Maschine, Fahrzeug) auf Fehler durchsehen, prüfen, Mängel beseitigen, ausbessern’, zuerst in der Seemannssprache (als Übersetzung von engl. to overhaul) ‘gründlich nachsehen und instand setzen’ (um 1870); vgl. Generalüberholung (20. Jh.); überholt Part.adj. ‘veraltet’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
den alten Zustand wiederherstellen · in den Originalzustand zurückführen · in den alten Zustand zurückversetzen · rekonstruieren · restaurieren · wieder aufbauen · wiederherstellen · überholen  ●  neu erstehen lassen  geh.
Synonymgruppe
in Stand setzen · instand setzen · renovieren · überholen  ●  in Schuss bringen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
einholen · überholen · übertreffen
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) den Rang ablaufen · (jemanden) (buchstäblich) stehen lassen · (jemanden) (weit) hinter sich lassen · (jemanden) abhängen · ausstechen · überflügeln · überholen · überrunden · übertreffen · übertrumpfen  ●  (jemanden) blass aussehen lassen  fig. · vorbeiziehen (an)  fig. · (es jemandem) zuvortun  geh. · (jemanden) alt aussehen lassen  ugs., fig. · (jemanden) die Rücklichter zeigen  ugs., fig. · schnupfen  ugs., österr., bayr.
Assoziationen
Synonymgruppe
abändern · auf den Prüfstand stellen · korrigieren · neu bestimmen · neu definieren · neu fassen · revidieren · ändern · überarbeiten · überholen  ●  einer Revision unterziehen  Papierdeutsch
Assoziationen
  • (die Dinge) anders sehen · eine neue Sichtweise entwickeln · in eine andere Richtung denken · neu ansetzen · neu durchdenken · umdenken · überdenken
  • (etwas) (jetzt) anders sehen · (etwas) mit anderen Augen sehen · (jetzt) anders denken über · (seine) Einstellung ändern · (seine) Meinung revidieren (müssen) · (seinen) Standpunkt wechseln · (sich) auf einen anderen Standpunkt stellen · in seiner Meinung umschwenken · sich anders besinnen · umschwenken · von seiner Meinung abgehen · zu einer anderen Auffassung gelangen  ●  (seine) Meinung ändern  Hauptform · (etwas) überdenken  geh., distanzsprachlich · (sich etwas) anders überlegen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›überholen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überholen‹.

Verwendungsbeispiele für ›überholen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das sollte nun ein Rennen sein und keiner überholte den andern! [Kempowski, Walter: Tadellöser & Wolff, München: Hanser 1971 [1971], S. 249]
Nach diesen Worten sprengte sie mit übermütigem Jauchzen voraus, den Zug überholend. [Spitteler, Carl: Imago, Jena: Diederichs 1910 [1910], S. 220]
Die Praxis überholte schließlich die Theorie, nicht zum erstenmal in der polnischen Geschichte. [Der Spiegel, 08.03.1982]
Das Ziel ist, jeden Deutschen einmal im Jahr ärztlich zu überholen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1938]]
Inzwischen sei das aber längst überholt, weil sich die Technik weiterentwickelt hat. [Die Zeit, 23.08.2013, Nr. 34]
Zitationshilfe
„überholen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%BCberholen>.

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