überleben

GrammatikVerb · überlebte, hat überlebt
Aussprache
Worttrennungüber-le-ben
Wortzerlegungüber-leben
Wortbildung mit ›überleben‹ als Erstglied: ↗Überlebenscamp · ↗Überlebenschance · ↗Überlebensgröße2 · ↗Überlebenshilfe · ↗Überlebenskampf · ↗Überlebenskünstler · ↗Überlebensrate · ↗Überlebensrente · ↗Überlebenssinn · ↗Überlebensstrategie · ↗Überlebenstraining · ↗Überlebenswahrscheinlichkeit · ↗Überlebenswille · ↗Überlebenswillen · ↗Überlebenszeit · ↗Überlebenszelle
 ·  mit ›überleben‹ als Grundform: ↗Überleben · ↗Überlebende · ↗Überlebtheit
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
jmd. überlebt etw.etw. (Schweres, Gefahrvolles) lebend überstehen
Beispiele:
Den Absturz einer Boeing im russischen Rostow überlebte keiner der 62 Insassen. [Spiegel, 19.12.2016 (online)]
Die Wahrscheinlichkeit, in der Stadt zu überleben, ist [für mache Zugvogelarten inzwischen] einfach viel größer, als den Flug ins Winterquartier rund ums Mittelmeer zu überstehen[…]. [Die Welt, 28.12.2016]
ironisch Gegen deinen Freund läuft ein Verfahren wegen Zechprellerei und Diebstahls. Die werden ihn ein paar Tage einknasten, dann auf freien Fuß setzen. Er wird es überleben. [Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 166]
übertragen Lebendig blieb die Illusion, dass Deutschlands besserer Teil, die Kultur, die mörderischen Aktionen des [nationalsozialistischen] Staates unbeschädigt überleben würde. [Lepenies, Wolf: Kultur und Politik, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 121]
Keiner weiß, wieso sie [die schwer an Krebs erkrankte Frau] noch lebt, das heißt, wie sie es geschafft hat, den Horror, den die Krankheit und die Therapie mit ihr anstellen, zu überleben. [Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 56]
Ohne die Rinder würden sie [die Bewohner einer entlegenen Insel im Südatlantik] noch dürftiger überleben; was sich diese in den kurzen Sommern anfressen, wird ihnen im Winter zu Fleisch und Milch und Käse. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 226]
Von den einst rund 600 000 Juden, die vor 1933 in Deutschland gelebt haben, waren rund 400 000 ausgewandert. Von den restlichen deutschen Juden haben lediglich 12 000 Menschen den Naziterror überlebt. [Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]]
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: etw. schwerverletzt, unverletzt, unbeschadet, knapp überleben
mit Akkusativobjekt: einen Unfall, ein Unglück, den Krieg, den Holocaust, einen Anschlag, eine Katastrophe überleben
hat Präpositionalgruppe/-objekt: etw. mit schweren Verletzungen, mit Knochenbrüchen, durch eine Notoperation überleben; [etw.] wie durch ein Wunder überleben
2.
jmd. überlebt jmdn.über jmds. Tod hinaus leben
Beispiele:
Fast 100 Jahre wurde [die Schauspielerin] Zsa Zsa Gabor alt – viele ihrer Freunde und alten Weggefährten überlebte sie. Dementsprechend klein fiel die Trauerfeier für die einst glamouröse Diva aus. [Spiegel, 31.12.2016 (online)]
übertragen [Der Schauspieler Thomas] Braus ist schon seit 15 Jahren in Wuppertal fest engagiert und hat einige, sehr unterschiedliche Intendanten überlebt. [Welt am Sonntag, 25.12.2016, Nr. 52]
Anneliese war sich sicher, ihren [kranken Ehemann] Hardy um Jahrzehnte zu überleben, und sparte nie mit entsprechenden Andeutungen. [Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 10]
Die »grande Dame« [die Französin Jeanne Calment, die am 21. 2. 1995 ihren 120. Geburtstag feierte] hat ihre Familie lange überlebt. Ihre einzige Tochter Yvonne starb im Alter von 36 Jahren, auch ihren Enkel hat sie früh verloren. [Berliner Zeitung, 18.02.1995]
Im Mittelalter hatte das durchschnittliche Paar neun Kinder, wenn es lange lebte. Meistens lebte es nur kurz und hatte vier Kinder, von denen zwei als Säuglinge starben. Zwei Kinder überlebten die Eltern – die Bevölkerung blieb gleich groß. [Die Zeit, 04.04.1980, Nr. 15]
3.
etw. überlebt sich
etw. hat sich überlebt
nicht mehr in die gegenwärtige Zeit passen; veraltet sein
Beispiele:
Der schlaue, aber nicht sehr kluge [Reichspräsident] Hindenburg verkörpert alle Tugenden und Untugenden des ostelbischen Junkertums und der Militärkaste Preußens. Aus Adenauers Sicht ist das eine Schicht, die sich historisch überlebt hat. [Schwarz, Hans-Peter: Anmerkungen zu Adenauer, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2005 [2004], S. 38]
Durch die Digitalisierung ist es heute möglich, dass sich die Künstler selbst vermarkten. Hat sich das Geschäftsmodell der großen Musikfirmen bald überlebt? [Süddeutsche Zeitung, 24.12.2016]
Der Kalte Krieg ist vorbei, und mit ihm hat sich auch die Nato überlebt. [Welt am Sonntag, 18.12.2016, Nr. 51]
Die [russische, vorrevolutionäre] Gesellschaft war [zu Beginn des 20. Jahrhunderts] zum Leben erwacht, und die alten Formen gesellschaftlichen und politischen Kampfs schienen endgültig überlebt. [Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 149]
Digitale Technik überlebt sich schnell – noch vor wenigen Jahren gebräuchliche Datenträger sind technisch längst überholt[…]. [Cʼt, 2000, Nr. 24]
Frau und Mann haben in unserer Gesellschaft die gleichen Rechte, aber auch die gleichen Pflichten. Eine Familie aufzubauen, abhängig vom Geld und Ansehen des Mannes, diese Ansicht ist überlebt. [Berliner Zeitung, 09.12.1960]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leben · Leben · Lebenslauf · Lebensmittel · lebendig · lebhaft · Lebemann · Lebewesen · Lebewohl · ableben · erleben · Erlebnis · überleben · verleben · verlebt
leben Vb. ‘lebendig, nicht tot sein, existieren, sich von etw. ernähren, wohnen’, ahd. lebēn ‘leben, wohnen, überleben’ (8. Jh.), mhd. leben, asächs. libbian, mnd. mnl. lēven, nl. leven, aengl. libban, engl. to live, anord. lifa ‘leben’, schwed. leva und got. liban sind verwandt mit ↗bleiben (s. d.) und im Sinne von ‘beharren, dauern’ (wie auch ↗Leib, s. d.) an die dort genannte Wurzel anzuschließen. Leben n. ‘das Existieren, lebhaftes Treiben, Betrieb’, ahd. lebēn ‘Leben, Umgang’ (um 1000), mhd. leben, auch ‘Lebensweise, Stand, Orden’, substantivierter Infinitiv, der für das in alter Zeit gleichbed., unter ↗Leib (s. d.) behandelte Substantiv eintritt. Lebenslauf m. (17. Jh.), Übersetzung von lat. curriculum vītae. Lebensmittel Plur. ‘Nahrungsmittel’ (17. Jh.). lebendig Adj. ‘lebend, lebhaft’, ahd. lebēntīg (9. Jh.), mhd. lebendec, lebendic. lebhaft Adj. ‘frisch, munter’, mhd. lebehaft ‘Leben habend, lebendig’. Lebemann m. ‘seinen Vergnügungen lebender Mann’, Ende 18. Jh. für ↗Bonvivant (s. d.). Lebewesen n. ‘lebender Organismus’ (16. Jh.). Lebewohl n. Substantivierung des imperativischen Abschiedsgrußes lebe wohl! (17. Jh.). ableben Vb. ‘sterben, verscheiden’ (17. Jh.), zuvor ‘erleben, durchleben’ (16. Jh.), vgl. mnd. aflēven ‘erleben’ (14. Jh.). erleben Vb. ‘bis zu einer bestimmten Zeit leben, etw. erfahren, von etw. betroffen werden’ (15. Jh.). Erlebnis n. ‘miterlebtes Geschehnis, Ereignis von nachhaltiger Wirkung’ (1. Hälfte 19. Jh.). überleben Vb. ‘länger leben als, überstehen’, ahd. ubarlebēn (9. Jh.), mhd. überleben. verleben Vb. ‘(eine Zeit) verbringen, (Geld, Geldeswert) für den Lebensunterhalt aufbrauchen’, mhd. verleben ‘(eine Zeit) verbringen, überleben, ableben, verwelken’. verlebt Part.adj. ‘alt geworden, durch ungesunde Lebensführung verbraucht’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
durchstehen · überleben · ↗überstehen  ●  über den Berg kommen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(sich) behaupten · (sich) gewachsen zeigen · ↗(sich) halten · ↗bleiben · ↗durchhalten · erhalten bleiben · ↗fortbestehen · ↗fortdauern · ↗fortleben · gewachsen sein · seinen Mann stehen · ↗standhalten · weiter bestehen · ↗weiterbestehen · ↗überdauern · überleben  ●  dicke Bretter bohren  ugs., fig.
Assoziationen
  • (sich) halten (an) · bleiben bei · festhalten an · nicht abgehen von · nicht aufgeben  ●  (sich) leiten lassen von  geh.
  • (eine) schwere Aufgabe  ●  hartes Brot  fig.
  • (etwas) unbeirrt fortsetzen · (jemanden) nicht anfechten · (sich) nicht abbringen lassen (von) · (sich) nicht beirren lassen · (unbeirrt) weitermachen wie bisher · ↗aufrechterhalten · bleiben bei · dabei bleiben · fest im Blick behalten · festhalten an · nicht abgehen von · nicht ablassen von · nicht aus den Augen verlieren · standhaft bleiben  ●  (sich) nicht aus dem Konzept bringen lassen  fig. · Kurs halten  fig.
  • (sich) behaupten · (sich) nicht unterkriegen lassen · nicht klein beigeben  ●  (sich) nicht die Butter vom Brot nehmen lassen  fig. · (sich) nicht unterbuttern lassen  fig. · (sich) nicht alles gefallen lassen  ugs.
  • (etwas) unbeirrt fortsetzen  ●  Kurs halten  fig.
Synonymgruppe
(sein) Auskommen haben · (sich) den Lebensunterhalt verdienen  ●  überleben  fig. · (sich seine) Brötchen verdienen (mit)  ugs., fig. · (sich) über Wasser halten  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(es) schaffen · ↗(etwas) überstehen · am Leben bleiben · ↗durchkommen · überleben
Assoziationen
Antonyme
  • überleben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absturz Anschlag Attentat Dauer Holocaust Insasse Katastrophe Konzentrationslager Krieg Massaker Menschheit Passagier Sturz Tier Unfall Unglück Untergang Verletzung Versteck Winter Wunder kaum knapp lange langfristig nur schwer schwerverletzt unverletzt überhaupt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überleben‹.

Zitationshilfe
„überleben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/überleben>, abgerufen am 24.08.2019.

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