übermütig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungüber-mü-tig
WortzerlegungÜbermut-ig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
entsprechend der Bedeutung von Übermut (1)
Beispiele:
ein übermütiger Streich, Spaß
ein übermütiger Bursche
die Gesellschaft war in übermütiger Stimmung
die Kinder tollten übermütig durch den Garten
Lotte blickte ihr erstaunt in die übermütig blitzenden Augen [KästnerLottchen24]
2.
veraltend, abwertend überheblich, anmaßend
Beispiel:
Jenatsch ... schritt, das Haupt übermütig zurückwerfend, dem Eingange zu [C. F. MeyerJenatsch1,200]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mut · Unmut · mutig · muten · vermuten · vermutlich · Vermutung · zumuten · Zumutung · mutmaßen · mutmaßlich · Mutwille · mutwillig · Übermut · übermütig
Mut m. ‘Kühnheit, Unerschrockenheit’, ahd. muot ‘Kraft des Denkens, Seele, Herz, Gemütszustand, Gesinnung, Gefühl, Absicht, Neigung’ (8. Jh.), mhd. muot, asächs. mōd, mnd. mōt, můt, mnl. moet, nl. moed, afries. aengl. mōd, engl. mood ‘Stimmung, Laune’, anord. mōðr ‘Zorn, aufgeregter Sinn’, schwed. mod ‘Mut, Beherztheit’, got. mōþs ‘Zorn’ (germ. *mōþa-). Vielleicht sind vergleichbar griech. mṓsthai (μῶσθαι) ‘streben, trachten, verlangen’, lat. mōs ‘zur Regel gewordener Wille, Sitte, Brauch’ (s. ↗Moral), so daß auf eine Wurzel ie. *mē-, *mō-, *mə- ‘heftigen und kräftigen Willens sein, heftig streben’ zurückgegangen werden kann. Mut bezeichnet ursprünglich die inneren Triebkräfte, Gemütszustände, Erregungen und Empfindungen des Gefühls im Gegensatz zum Verstand. Vom 16. Jh. an setzt sich die verengte Bedeutung ‘kühne und unerschrockene Haltung gegenüber Wagnis und Gefahr’ durch. Dazu mit negierendem ↗un- (s. d.) Unmut m. ‘Ärger, Mißstimmung’, ahd. unmuot n. ‘Betrübnis’ (um 1000), mhd. unmuot m. ‘Mißstimmung, Zorn’, mnd. unmōt n. m., aengl. unmōd n. mutig Adj. ‘tapfer, kühn’, mhd. muotec, muotic ‘beherzt, kühn’, asächs. mōdag ‘zornig, aufgeregt’, aengl. mōdig ‘aufgeregt, mutig’, got. mōdags ‘zornig’. muten Vb. ‘etw. begehren, verlangen, seinen Sinn auf etw. richten’, ahd. muoten (9. Jh.), muotōn (um 1000), mhd. muoten; seit etwa 1800 als Simplex ungebräuchlich. vermuten Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’ (16. Jh.), mnd. vormōden; vermutlich Adj. ‘wahrscheinlich’ (16. Jh.); Vermutung f. ‘Annahme’ (16. Jh.). zumuten Vb. ‘unbilligerweise etw. von jmdm. verlangen’, mhd. zuomuoten; Zumutung f. (15. Jh.). mutmaßen Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’, spätmhd. muotmāʒen ‘abschätzen’, zu spätmhd. muotmāʒe ‘Teilung nach Angemessenheit, Abschätzung’; mutmaßlich Adj. ‘der Annahme gemäß’ (18. Jh.). Mutwille m. ‘Absicht’, ahd. muotwillo ‘eigener freier Entschluß’ (8. Jh.), mhd. muotwille; mutwillig Adj. ‘absichtlich, leichtfertig’, mhd. muotwillec ‘dem eigenen (guten oder bösen) Willen folgend’. Übermut m. ‘Ausgelassenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. ubarmuot (um 1000), mhd. übermuot ‘stolzer, hochfahrender Sinn’; übermütig Adj. ‘ausgelassen, leichtsinnig, fröhlich’, ahd. ubarmuotīg (8. Jh.), mhd. übermüetec ‘stolz, hochfahrend gesinnt, heldenmütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
herausfordernd · ↗lasziv · ↗sinnlich · ↗verführerisch · ↗zügellos · übermütig  ●  ↗geil  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(es gibt) kein Halten mehr · ↗ausgelassen · bacchisch · ↗hemmungslos · mit Überschwang · ↗orgiastisch · ↗stürmisch · ↗ungestüm · ↗ungezähmt · ↗ungezügelt · ↗wild · ↗zügellos · übermütig · ↗überschwänglich  ●  überschäumend  fig. · als ob es kein Morgen gäb(e)  ugs., Redensart · außer Rand und Band  ugs. · total aus dem Häuschen  ugs. · vom Teufel geritten  ugs. · völlig aus dem Häuschen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
allzu selbstsicher · ↗leichtsinnig · übermütig
Assoziationen
  • (sich) jetzt für Gott weiß wen halten · (sich) jetzt für den Größten halten  ●  (jemandem) zu Kopf(e) gestiegen sein (Erfolg, Lob, Auszeichnung)  Hauptform, fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Einfall Fröhlichkeit Installationsprogramm Knabe Komödie Lachen Laune Lebenslust Scherz Streich Treiben Zuversicht ausgelassen beinahe blitzen bloß fast frech fröhlich gebärden geradezu heiter hüpfen lachen munter mutig springen verspielt witzig übermächtig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›übermütig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bloß nicht übermütig werden, damit tun wir uns keinen Gefallen.
Bild, 29.09.2005
Sie werden übermütig und betreten Pfade, die ihnen verboten sein sollten.
Die Welt, 09.08.2003
Weil sie nie nach früher gefragt hat, bin ich übermütig geworden.
Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 361
Er tat sehr bekannt und übermütig mit den Mädchen, und ich war gespannt, was daraus werden würde.
Nossack, Hans Erich: Nekyia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1961 [1947], S. 73
Nach diesen Worten sprengte sie mit übermütigem Jauchzen voraus, den Zug überholend.
Spitteler, Carl: Imago, Jena: Diederichs 1910 [1910], S. 220
Zitationshilfe
„übermütig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/übermütig>, abgerufen am 18.11.2019.

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