überragen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungüber-ra-gen
Wortzerlegungüber-ragen
Wortbildung mit ›überragen‹ als Grundform: ↗überragend
eWDG, 1976

Bedeutungen

I.
in horizontaler Richtung über die Senkrechte hinausragen
Grammatik: Präsens ‘ragt über’, Präteritum ‘ragte über’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘übergeragt’
Beispiele:
der Balken, das Brett ragt (ein wenig) über
Der überragende Fachwerkgiebel ist durch hölzerne Träger gestützt [G. Hauptm.Roter HahnII]
II.
Grammatik: Präsens ‘überragt’, Präteritum ‘überragte’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘überragt’
1.
in vertikaler Richtung über etw., jmdn. hinausragen
Beispiele:
der Turm überragt die Stadt
der Berg überragt die Ebene
jmdn. um einen Kopf überragen
gehobenjmdn. um Haupteslänge überragen
links und rechts war junger, ihn armhoch überragender Fichtenwald [FühmannFronten81]
2.
jmdn., etw. weit übertreffen
Beispiele:
jmdn. an Tatkraft, Mut, Geist, in einer (sportlichen) Leistung (weit) überragen
er überragte uns an Intelligenz, Bildung
Grammatik: oft im Part. Präs.
Beispiele:
eine überragende Persönlichkeit
er ist ein überragender (= hochintelligenter) Mensch, Kopf
überragende Erfolge erringen
das ist ein Problem, eine Frage überragender (= außerordentlicher) Bedeutung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ragen · aufragen · überragen
ragen Vb. ‘über Niedrigeres hervorstehen, sich deutlich an Höhe oder Länge abheben’, mhd. mnl. ragen; vgl. auch ahd. bi(h)raget ‘steil’ (8. Jh.) und aengl. oferhrǣgan ‘sich emportürmen’. Herkunft ungewiß. Vielleicht besteht Verwandtschaft mit mhd. rac ‘straff, gespannt, steif’ und ræhe ‘starr, steif’, außergerm. mit griech. króssai Plur. (κρόσσαι, aus *κροκι̯αι) ‘Kragbalken, hervorstehende Zinnen’, prókrossos (πρόκροσσοϛ) ‘stufenweise, staffelförmig aufgestellt’, air. crīch (aus *krēku̯ā) ‘Ende, Grenze, Furche’, lit. krãkė ‘Stock, Stab’, russ. (älter) krókva (кроква) ‘Stange, Knebel, Dachsparren’, tschech. krokev, poln. krokiew ‘Dachsparren’, so daß Anschluß an ie. *krē̌k-, *krok- ‘vorspringender Balken, Pflock’ möglich ist. ragen wird heute meist mit Richtungsbezeichnungen verbunden (in die Höhe ragen, empor-, hervorragen). Älter sind die präfigierten Bildungen aufragen Vb. ‘steil in die Höhe ragen’, mhd. ūfragen, und überragen Vb. ‘über etw., jmdn. herausstehen, größer sein’ (17. Jh.), übertragen ‘übertreffen, besser, stärker sein’, oft im Part. Präs. überragend ‘bedeutend, ausgezeichnet, außerordentlich’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
hinausragen (über) · überragen · ↗übertreffen
Assoziationen
Synonymgruppe
beherrschen · bestimmen was gemacht wird · ↗dominieren · ↗vorherrschen · überragen · ↗überwiegen  ●  die erste Geige spielen  ugs., fig.
Assoziationen
  • (einen) Vorteil haben · (sich) durchsetzen (gegenüber) · bestimmen (können), was gespielt wird · im Vorteil sein · mehr Einfluss haben · mehr Einfluss nehmen (können) · mehr zu sagen haben  ●  (die) Oberhand haben  Hauptform · (jemandem etwas) diktieren können  fig. · am längeren Hebel sitzen  fig. · am Drücker sein  ugs.
Synonymgruppe
(jemandem etwas) voraus haben · besser sein als · durchsetzungskräftiger sein · stärker sein · von höherer Güte sein als · überlegen sein · überragen · ↗übertreffen

Typische Verbindungen zu ›überragen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überragen‹.

Verwendungsbeispiele für ›überragen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber das Schwarz schimmert auch durch das Rot, überragt es noch etwas am Rand.
Bild, 14.04.2004
Und er überragt auch im übertragenen Sinne - um dies sehr nüchtern zu konstatieren, genügt es, einmal fünf Minuten mit ihm zu tun zu haben.
Der Tagesspiegel, 17.09.1997
Er erhielt eine traditionelle Erziehung, überragte seine Lehrer aber schon bald.
Heine, Peter: Avicenna. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 175
Er war aus dem Wagen geklettert und stand daneben, das Auto weit überragend.
Zwerenz, Gerhard: Die Ehe der Maria Braun, München: Goldmann 1979, S. 128
Es versteht sich von selbst, daß der so fundierte Text die früheren Ausgaben bedeutend überragt, und man liest ihn mit Vergnügen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1928, S. 203
Zitationshilfe
„überragen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%BCberragen>, abgerufen am 01.04.2020.

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