Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

überraschen

Grammatik Verb · überrascht, überraschte, hat überrascht
Aussprache 
Worttrennung über-ra-schen
Wortbildung  mit ›überraschen‹ als Erstglied: überraschend

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨etw. überrascht jmdn.⟩ etw. setzt jmdn. durch etw. Unerwartetes in Erstaunen
    1. ⟨überraschend⟩ unerwartet
    2. ⟨jmdn. (mit etw.) überraschen⟩ jmdm. mit etw. eine unerwartete Freude bereiten
    3. [umgangssprachlich, spöttisch] ...
  2. 2. jmdn. bei heimlichem Tun, etw. Verbotenem ertappen
  3. 3. ⟨etw. überrascht jmdn.⟩ etw. trifft jmdn. völlig unvorbereitet
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. überrascht jmdn.etw. setzt jmdn. durch etw. Unerwartetes in Erstaunen
Beispiele:
die Nachricht, das Ereignis hat alle überrascht
ihre Absage, Entscheidung hat mich nicht (weiter) überrascht
es überrascht (= ist erstaunlich), dass …
das überrascht mich!
hat dich das (etwa, sehr) überrascht?
wir waren über den herzlichen Empfang überrascht
von etw. (un)angenehm überrascht sein
sie machte ein überraschtes Gesicht
überraschendunerwartet
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
die Sache nahm eine überraschende Wendung
sie fanden eine überraschende Lösung
ein überraschender Erfolg
sie warteten mit überraschend hohen Leistungen auf
das Angebot kam völlig überraschend für uns
es ging, die Entscheidung fiel überraschend schnell
jmdn. (mit etw.) überraschenjmdm. mit etw. eine unerwartete Freude bereiten
Beispiel:
jmdn. mit einem Geschenk, mit seinem Besuch überraschen
umgangssprachlich, spöttisch
Beispiele:
ich lasse mich gern überraschen
(nun,) lassen wir uns überraschen (= warten wir’s ab)!
2.
jmdn. bei heimlichem Tun, etw. Verbotenem ertappen
Beispiele:
die Diebe wurden (von der Polizei) beim Einbruch überrascht
die Mutter hatte ihn beim Naschen überrascht
3.
etw. überrascht jmdn.etw. trifft jmdn. völlig unvorbereitet
Beispiele:
die Dunkelheit, das Gewitter überraschte uns
die Menschen wurden vom Erdbeben im Schlaf überrascht
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

über · überall · überein · überhaupt · übrig · übrigens · erübrigen · Überbein · überraschen · Überraschung
über Präp. zur Angabe einer räumlichen Lage ‘oberhalb’ (das Bild hängt über dem Schrank), ‘unmittelbar darauf’ (eine Schürze über dem Kleid tragen), einer nach oben gerichteten Bewegung (über etw. springen) oder Erstreckung (der Baum ragt über das Dach hinaus), einer von oben nach unten gerichteten Bewegung (Wasser über das Beet gießen), einer in die Zukunft weisenden Zeitspanne (über ein Jahr kommen wir zurück), eines Zeitraumes (über Ostern); Adv. zur Bezeichnung des Überschreitens einer Quantität, Qualität, Intensität ‘mehr als’ (über drei Kilo, über zwei Wochen), als Wortpaar über und über ‘völlig, ganz und gar, von oben bis unten’. Ahd. ubar (8. Jh.), ubari Adv. (8. Jh.), mhd. über, (md.) uber, ober, asächs. oƀar, oƀer, ofer, mnd. mnl. ōver, nl. over, aengl. ofer, engl. over, anord. yfir, schwed. över, got. ufar Präp., ufaro Adv. führen mit den außergerm. Verwandten aind. upári ‘oben, über’, awest. upairī̌, griech. hýper, hypér (ὕπερ, ὑπέρ) ‘über, im Übermaß, über … hinaus, oberhalb’, lat. (mit s-Präfix) super ‘oben, auf, darüber’, air. for ‘über, über … hinaus’ auf ie. *upér(i) ‘über, oberhalb’, auch ‘über … hinaus’, eine Bildung mit komparativischem r-Suffix zu ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘von unten hinauf, über’ (s. auf, ob1). Die mhd. nhd. Form über (mit Umlaut) geht auf das Adverb ahd. ubari zurück. überall Adv. ‘an allen Orten, bei jeder Gelegenheit’, ahd. ubaral (8. Jh.), mhd. überal, zusammengesetzt mit dem Akkusativ Neutr. von all (s. d.); vgl. mnd. mnl. ōveral, nl. overal, aengl. ofereall, engl. overall (‘umfassend’). überein Adv. ‘gleichmäßig, zusammenstimmend’, übereins (15. Jh.), mhd. überein, Zusammenrückung von mhd. über ein(ez) ‘in einem Sinne, gleichmäßig, ganz und gar’. überhaupt Adv. ‘insgesamt (gesehen)’ (15. Jh.), verstärkend bei Verneinungen (vgl. überhaupt nicht ‘ganz und gar nicht’, 18. Jh.), als Partikel in Fragesätzen ‘eigentlich, denn’ (Ende 17. Jh.), in der Handelssprache im Sinne von ‘in Bausch und Bogen, im ganzen, en gros’, vgl. überhaupt kaufen (‘insgesamt, nicht einzeln nachgezählt oder gewogen kaufen’, 18. Jh.). Zusammenrückung der Präp. über mit dem Akkusativ des Substantivs Haupt (s. d.), vgl. mhd. über houbet ‘über das Haupt, die Häupter hin’, d. h. ‘ohne die Stücke (Vieh, dann auch Menschen) zu zählen’; eine wohl aus der Viehwirtschaft stammende Fügung. übrig Adj. ‘(als Rest) vorhanden, verbleibend, restlich’, mhd. überic, überec; auch ‘überflüssig, überschüssig, zuviel’, vgl. ein übriges tun ‘mehr tun, als verlangt wird, als nötig ist’ (16. Jh.), aus der theologischen Sprache der Reformationszeit, eigentlich ‘mehr tun, als Gott von einem verlangt’; dazu übrigens Adv. ‘nebenbei bemerkt, gesagt, außerdem’ (Ende 17. Jh.; wohl in Analogie zu erstens); dafür auch im übrigen ‘ansonsten, außerdem’ (17. Jh.); erübrigen Vb. ‘etw. übriglassen, ein-, ersparen’, reflexiv (unpersönlich) ‘unnötig, überflüssig sein’ (Mitte 16. Jh.), aus der Kanzleisprache, älter erübern ‘übrigbehalten’ (14. bis Ende 17. Jh.). Überbein n. ‘Auswuchs einer Sehnenscheide oder Gelenkkapsel’ (besonders am Hand- oder Fußrücken), mhd. überbein; zu Bein ‘Knochen’ (s. d.), eigentlich ‘darüberliegender Knochen’, da fälschlich für Kochenauswuchs gehalten. überraschen Vb. ‘unerwartet (an)treffen, in Erstaunen setzen’ (16. Jh., häufiger seit 18. Jh.), zu rasch (s. d.), eigentlich ‘plötzlich über jmdn. kommen, herfallen, (den Feind) überfallen’; Überraschung f. ‘Erstaunen, Verwunderung über Unerwartetes’ (18. Jh.), ‘unerwarteter feindlicher Überfall, Überrumpelung’ (17. Jh.)

Thesaurus

Synonymgruppe
erstaunen · frappieren · für Überraschung sorgen (journal.) · in Erstaunen setzen · verblüffen · verdutzen · verwundern · überraschen  ●  (jemanden) wundern  ugs.
Synonymgruppe
überraschen · überrumpeln  ●  auf dem falschen Fuß erwischen  fig. · überfahren  fig.
Assoziationen
  • (auf jemanden) einwirken · (jemandem) gut zureden · (jemanden) traktieren · einreden (auf jemanden)  ●  zu überreden versuchen  Hauptform · (jemandem) in den Ohren liegen (mit)  ugs. · (jemanden) bereden  geh., veraltet · (jemanden) beschwatzen  ugs. · (jemanden) beschwätzen  ugs., süddt. · (so lange) belatschern (bis)  ugs. · beackern  ugs. · bearbeiten  ugs. · beknien  ugs., fig. · bequatschen  ugs. · besabbeln  ugs. · breitschlagen (wollen)  ugs., fig. · herumkriegen wollen  ugs. · immer wieder anfangen von  ugs. · immer wieder ankommen mit  ugs. · rumkriegen (wollen)  ugs. · so lange wiederholen, bis es einem zu den Ohren wieder herauskommt  ugs., fig., übertreibend · überreden (wollen)  ugs.
  • (jemandem) Ungelegenheiten machen · (jemandem) ungelegen kommen · zur Unzeit kommen  ●  (gerade) (etwas) ungünstig sein  ugs. · (gerade) schlecht sein  ugs. · (gerade) stören  ugs. · (jemandem) nicht in den Kram passen  ugs. · (jemanden) auf dem falschen Fuß erwischen  ugs., fig. · nicht (gerade) im günstigsten Moment kommen  ugs., Understatement · nicht passen  ugs.
  • (jemanden) kalt erwischen · nicht gefasst sein auf · nicht gerechnet haben mit · nicht rechnen können mit · nicht vorbereitet sein auf · unvorbereitet treffen  ●  auf dem falschen Fuß erwischen  fig.
  • (einfach) auf einmal da sein · einfallen · hereinplatzen · hineinplatzen · plötzlich auftauchen · unangemeldet auftauchen · unangemeldet erscheinen · unversehens auftauchen · überraschend auf der Bildfläche erscheinen · überraschend erscheinen · überrumpeln  ●  (jemanden) überfallen  ugs., fig. · auf einmal auf der Matte stehen  ugs. · auf einmal vor der Tür stehen  ugs. · hereingeschneit kommen  ugs. · hereinschneien  ugs. · hineinschneien  ugs. · ins Haus geschneit kommen  ugs. · reinschneien  ugs.

Typische Verbindungen zu ›überraschen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überraschen‹.

Verwendungsbeispiele für ›überraschen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht gelingt es ihm dann, selbst Kenner mit einer besonderen Sorte zu überraschen. [Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 195]
Erst warst du überrascht, dann hast du versucht ihn zu trösten. [Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 23]
Ich bin überrascht, daß er jetzt nicht einmal mit mir sprechen will. [Der Spiegel, 08.05.1995]
Dennoch darf es niemanden überraschen, dass die inneren Folgen der vierzigjährigen Teilung noch bei weitem nicht überwunden sind. [Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 95]
Die Bürger, völlig überrascht, begannen untereinander zu hadern; nicht wenige betrachteten jetzt den Kampf bereits als aussichtslos. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. V. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 11893]
Zitationshilfe
„überraschen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%BCberraschen>.

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