überraschen

GrammatikVerb · überraschte, hat überrascht
Aussprache
Worttrennungüber-ra-schen
Wortbildung mit ›überraschen‹ als Grundform: ↗überraschend
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. überrascht jmdn.etw. setzt jmdn. durch etw. Unerwartetes in Erstaunen
Beispiele:
die Nachricht, das Ereignis hat alle überrascht
ihre Absage, Entscheidung hat mich nicht (weiter) überrascht
es überrascht (= ist erstaunlich), dass ...
das überrascht mich!
hat dich das (etwa, sehr) überrascht?
wir waren über den herzlichen Empfang überrascht
von etw. (un)angenehm überrascht sein
sie machte ein überraschtes Gesicht
oft im Part. Präs.
überraschendunerwartet
Beispiele:
die Sache nahm eine überraschende Wendung
sie fanden eine überraschende Lösung
ein überraschender Erfolg
sie warteten mit überraschend hohen Leistungen auf
das Angebot kam völlig überraschend für uns
es ging, die Entscheidung fiel überraschend schnell
jmdn. (mit etw.) überraschenjmdm. mit etw. eine unerwartete Freude bereiten
Beispiel:
jmdn. mit einem Geschenk, mit seinem Besuch überraschen
umgangssprachlich, spöttisch
Beispiele:
ich lasse mich gern überraschen
(nun,) lassen wir uns überraschen (= warten wirʼs ab)!
2.
jmdn. bei heimlichem Tun, etw. Verbotenem ertappen
Beispiele:
die Diebe wurden (von der Polizei) beim Einbruch überrascht
die Mutter hatte ihn beim Naschen überrascht
3.
etw. überrascht jmdn.etw. trifft jmdn. völlig unvorbereitet
Beispiele:
die Dunkelheit, das Gewitter überraschte uns
die Menschen wurden vom Erdbeben im Schlaf überrascht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

über · überall · überein · überhaupt · übrig · übrigens · erübrigen · Überbein · überraschen · Überraschung
über Präp. zur Angabe einer räumlichen Lage ‘oberhalb’ (das Bild hängt über dem Schrank), ‘unmittelbar darauf’ (eine Schürze über dem Kleid tragen), einer nach oben gerichteten Bewegung (über etw. springen) oder Erstreckung (der Baum ragt über das Dach hinaus), einer von oben nach unten gerichteten Bewegung (Wasser über das Beet gießen), einer in die Zukunft weisenden Zeitspanne (über ein Jahr kommen wir zurück), eines Zeitraumes (über Ostern); Adv. zur Bezeichnung des Überschreitens einer Quantität, Qualität, Intensität ‘mehr als’ (über drei Kilo, über zwei Wochen), als Wortpaar über und über ‘völlig, ganz und gar, von oben bis unten’. Ahd. ubar (8. Jh.), ubari Adv. (8. Jh.), mhd. über, (md.) uber, ober, asächs. oƀar, oƀer, ofer, mnd. mnl. ōver, nl. over, aengl. ofer, engl. over, anord. yfir, schwed. över, got. ufar Präp., ufaro Adv. führen mit den außergerm. Verwandten aind. upári ‘oben, über’, awest. upairī̌, griech. hýper, hypér (ὕπερ, ὑπέρ) ‘über, im Übermaß, über … hinaus, oberhalb’, lat. (mit s-Präfix) super ‘oben, auf, darüber’, air. for ‘über, über … hinaus’ auf ie. *upér(i) ‘über, oberhalb’, auch ‘über … hinaus’, eine Bildung mit komparativischem r-Suffix zu ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘von unten hinauf, über’ (s. ↗auf, ↗ob). Die mhd. nhd. Form über (mit Umlaut) geht auf das Adverb ahd. ubari zurück. überall Adv. ‘an allen Orten, bei jeder Gelegenheit’, ahd. ubaral (8. Jh.), mhd. überal, zusammengesetzt mit dem Akkusativ Neutr. von ↗all (s. d.); vgl. mnd. mnl. ōveral, nl. overal, aengl. ofereall, engl. overall (‘umfassend’). überein Adv. ‘gleichmäßig, zusammenstimmend’, übereins (15. Jh.), mhd. überein, Zusammenrückung von mhd. über ein(ez) ‘in einem Sinne, gleichmäßig, ganz und gar’. überhaupt Adv. ‘insgesamt (gesehen)’ (15. Jh.), verstärkend bei Verneinungen (vgl. überhaupt nicht ‘ganz und gar nicht’, 18. Jh.), als Partikel in Fragesätzen ‘eigentlich, denn’ (Ende 17. Jh.), in der Handelssprache im Sinne von ‘in Bausch und Bogen, im ganzen, en gros’, vgl. überhaupt kaufen (‘insgesamt, nicht einzeln nachgezählt oder gewogen kaufen’, 18. Jh.). Zusammenrückung der Präp. ↗über mit dem Akkusativ des Substantivs ↗Haupt (s. d.), vgl. mhd. über houbet ‘über das Haupt, die Häupter hin’, d. h. ‘ohne die Stücke (Vieh, dann auch Menschen) zu zählen’; eine wohl aus der Viehwirtschaft stammende Fügung. übrig Adj. ‘(als Rest) vorhanden, verbleibend, restlich’, mhd. überic, überec; auch ‘überflüssig, überschüssig, zuviel’, vgl. ein übriges tun ‘mehr tun, als verlangt wird, als nötig ist’ (16. Jh.), aus der theologischen Sprache der Reformationszeit, eigentlich ‘mehr tun, als Gott von einem verlangt’; dazu übrigens Adv. ‘nebenbei bemerkt, gesagt, außerdem’ (Ende 17. Jh.; wohl in Analogie zu erstens); dafür auch im übrigen ‘ansonsten, außerdem’ (17. Jh.); erübrigen Vb. ‘etw. übriglassen, ein-, ersparen’, reflexiv (unpersönlich) ‘unnötig, überflüssig sein’ (Mitte 16. Jh.), aus der Kanzleisprache, älter erübern ‘übrigbehalten’ (14. bis Ende 17. Jh.). Überbein n. ‘Auswuchs einer Sehnenscheide oder Gelenkkapsel’ (besonders am Hand- oder Fußrücken), mhd. überbein; zu ↗Bein ‘Knochen’ (s. d.), eigentlich ‘darüberliegender Knochen’, da fälschlich für Kochenauswuchs gehalten. überraschen Vb. ‘unerwartet (an)treffen, in Erstaunen setzen’ (16. Jh., häufiger seit 18. Jh.), zu ↗rasch (s. d.), eigentlich ‘plötzlich über jmdn. kommen, herfallen, (den Feind) überfallen’; Überraschung f. ‘Erstaunen, Verwunderung über Unerwartetes’ (18. Jh.), ‘unerwarteter feindlicher Überfall, Überrumpelung’ (17. Jh.)

Thesaurus

Synonymgruppe
erstaunen · ↗frappieren · für Überraschung sorgen (journal.) · in Erstaunen setzen · ↗verblüffen · ↗verdutzen · ↗verwundern · überraschen  ●  ↗(jemanden) wundern  ugs.
Assoziationen
  • außer Fassung · ↗entgeistert · ↗fassungslos · geschockt · ↗ratlos · schockiert · ↗verständnislos · wie vom Schlag getroffen  ●  ↗(ganz) durcheinander  ugs., fig. · (ganz) von den Socken  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemanden) trifft der Schlag  ugs., fig. · dazu fällt jemandem nichts mehr ein  ugs. · die Welt nicht mehr verstehen  ugs. · erstaunten Auges (humor. altertümelnd)  geh. · ↗konsterniert  geh. · ↗verdattert  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen  ugs.
  • Erstaunen · ↗Verblüffung
Synonymgruppe
überraschen · ↗überrumpeln  ●  auf dem falschen Fuß erwischen  fig. · ↗überfahren  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Analyst Ankündigung Ausmaß Beobachter Einbrecher Ergebnis Experte Finanzmarkt Heftigkeit Leser Meldung Mitteilung Nachricht Reaktion Resonanz Schlaf Vorstoß angenehm daher deshalb enttäuschen ich insofern kaum nicht positiv selbst wenig wir Öffentlichkeit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überraschen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir sind negativ überrascht, weil wir es kaum glauben können, dass wir uns selber Plätze zum Training suchen mussten.
Die Zeit, 14.06.2013 (online)
Vielleicht gelingt es ihm dann, selbst Kenner mit einer besonderen Sorte zu überraschen.
Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 195
Es überrascht mich, daß Sie die Frage nicht verstehen können.
o. A.: Einhundertfünfundneunzigster Tag. Montag, 5. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 26898
Der Beschluß, den Sie soeben verkündet haben, hat die Verteidigung überrascht, da sie vorher in dieser Frage nicht gehört worden ist.
o. A.: Einhundertvierundfünfzigster Tag. Donnerstag, 13. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 23944
Nichts kann uns mehr überraschen, dafür bürgt der totale Einsatz aller Deutschen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1943]
Zitationshilfe
„überraschen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/überraschen>, abgerufen am 21.10.2019.

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