überspinnen

GrammatikVerb · überspinnt, überspann, hat übersponnen
Worttrennungüber-spin-nen
Wortzerlegungüber-spinnen
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
etw. [eine Spinne] überspinnt etw.mit Spinnweben überziehen
Beispiel:
Beiläufig und deshalb ergreifend wird [die Trauer der Witwe] […] gezeigt – wenn sie allein auf ihrer Terrasse am Bodensee sitzt und ihr Blick die Gummistiefel ihres Mannes streift, die, von Spinnweben übersponnen, noch immer an ihrem Platz stehen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2003]
allgemeiner, übertragen etw. überspinnt etw.etw. mit etw. netzartig überziehen, versehen; sich netzartig ausbreitenQuelle: DWDS, 2018
Beispiele:
Aber es ist eine kühle Luft, und die Wolken haben den Himmel ganz übersponnen. [Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2016]
Götter und Priesterkönige [der Maya] empfangen im überdachten Innenhof des Palazzo die Besucher. Ein Altarblock ist zu sehen, restlos übersponnen von Ornamenten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.1998]
Geheimnisvoll wirkten die Glaskugeln [Christbaumkugeln], die mit hauchfeinen, sogenannten leonidischen Drähten umwunden wurden, ein Verfahren, das man »überspinnen« nannte [im 19. Jahrhundert]. [Süddeutsche Zeitung, 21.10.1993]
Zahlreiche qualitätvolle Götterbilder zieren [die] […] Außenwände und Dachgeschosse [des indischen Tempels], und eine reizvolle vegetabile Ornamentik scheint den Bau mit Gehängen von Ranken und Blattwerk zu überspinnen. [o. A.: Lexikon der Kunst – K. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 14951]
Zierlicher, geradezu ein rührendes Wunder an Anspruchslosigkeit, ist [die Kriechende Kugelblume] […], die mit feinem Zweiggeflecht den Fels überspinnt. [Schacht, Wilhelm: Der Steingarten und seine Welt, Ludwigsburg: Ulmer 1953, S. 105]
2.
Musikinstrumentenbau etw. [eine Saite] mit etw. überspinnendie Saiten eines Instruments mit Silber-, Kupfer, Bronze- oder Aluminiumdraht umwickeln, um die tieferen Töne erzeugen zu könnenQuelle: DWDS, 2018
Beispiele:
Um die Masse zu verringern, wurden tiefere Saiten mit Metalldraht übersponnen. [Senn, Walter: Streichinstrumentenbau. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 71967]
Eine umwälzende Erfindung war die übersponnene Chromstahlsaite (Franz Thomastik, Wien vor 1930), deren weitere Entwicklung zur flexiblen »Seilkernstahlsaite« führte. Darm wird aber auch weiterhin als Kern für besponnene Saiten verwendet. Daneben wurden Bezüge mit Nylon (seit 1946), auch Überspinnung mit diesem Stoff, ferner mit Perlon hergestellt. [Senn, Walter: Streichinstrumentenbau. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 71968]
Wichtig war Piccininis Vervollkommnung des Chitarrone (= einer Art Laute): er ließ die 5. und 6. Saite sowie die Kontrabaßsaiten mit Silberdraht überspinnen und jede Baßsaite je nach Bedarf mit kurzem oder langem Aufzug versehen. [Tagliavini, Luigi Ferdinando: Piccinini. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 59507]
Auch mußte Mama ihre Harfensaiten, die eine kleine Summe verschlangen, selbst stellen [als Orchestermitglied]. Große, übersponnene Baßsaiten kosteten je zwei Gulden. Zum Glück sprangen diese nicht gar so oft, kam es aber vor, so gab es uns jedesmal einen Riß in Herz und Geldbeutel. [Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 42398]

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bahnsteig Bogen Brücke Fluß Gleis Straße Tal

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überspinnen‹.

Zitationshilfe
„überspinnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/überspinnen>, abgerufen am 18.07.2019.

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