Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

übertölpeln

Grammatik Verb · übertölpelt, übertölpelte, hat übertölpelt
Aussprache 
Worttrennung über-töl-peln
Wortzerlegung über- tölpeln
Wortbildung  mit ›übertölpeln‹ als Erstglied: Übertölpelung
eWDG

Bedeutung

jmdn. in plumper Weise übervorteilen, betrügen, überlisten
Beispiele:
er hat sich übertölpeln lassen
Natürlich mogeln sie alle nach Strich und Faden, übertölpeln einander, stechen sich gegenseitig aus [ HagelstangeSpielball166]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

übertölpeln Vb. ‘in plumper Weise übervorteilen, überlisten, betrügen’. Das seit dem 16. Jh. bezeugte Verb steht wohl in Zusammenhang mit der vom 16. bis ins 18. Jh. häufig verwendeten synonymen Redensart über den Tölpel werfen (daran anschließend auch über den Tölpel stolpern, 18./19. Jh.), die, wie schweiz. überhölzeln ‘übervorteilen’ und entsprechendes schwäb. übers Hölzel werfen vermuten lassen, eigentlich ‘über ein Stück Holz werfen’ bedeutet. Vielleicht stammen übertölpeln und überhölzeln aus der Sprache der Zimmerleute oder Holzfäller; dann könnten sie auf einen alten Handwerksbrauch zurückgehen. Unklar bleibt jedoch, ob das in der Fügung vorkommende nhd. Tölpel auf Umbildung von mhd. (westmd.) dorpel ‘Türschwelle’ (nhd. Dorpel, Dürpfel, 15. bis 17. Jh., mnd. dörpel, mnl. dorpel, duerpel, nl. dorpel) oder von nhd. (älter) Dolb(e) ‘Knüppel, Keule’ (beide unbekannten Ursprungs) beruht. Heute wird übertölpeln als zu Tölpel (s. d.) gehörig empfunden und ist an die Stelle von zu diesem gebildeten tölpeln in der transitiven Verwendung ‘einen Ungeschickten anführen’ (16. Jh.) getreten.

Thesaurus

Synonymgruppe
übertölpeln  ●  anschmieren  ugs. · behum(p)sen  ugs., regional · beschummeln  ugs. · beschupsen  ugs. · betuppen  ugs., ruhrdt.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
überrumpeln · übertölpeln · übervorteilen  ●  neppen  ugs. · über den Tisch ziehen  ugs., fig.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›übertölpeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das hätte elf Minuten vor Schluss zum Sieg reichen müssen, aber die deutsche Abwehr ließ sich kurz vor Schluss noch einmal übertölpeln. [Die Zeit, 25.06.2008 (online)]
Nach drei Minuten schon hatten die Löwen sich selbst übertölpelt. [Süddeutsche Zeitung, 03.05.1999]
Die Kritiker dieser angeblichen Reform lassen sich nun nicht mehr übertölpeln. [Der Tagesspiegel, 01.11.2004]
Aber wer sich so übertölpeln läßt, darf sich nicht wundern. [Bild, 05.11.2004]
Was sonst mitwirkte, reagierte hilflos gegen ihn, ließ sich von ihm überzeugen, überraschen, übertölpeln, mitreißen oder blieb am Wege zurück. [Mann, Golo: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17252]
Zitationshilfe
„übertölpeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%BCbert%C3%B6lpeln>.

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