überwältigen

GrammatikVerb · überwältigt, überwältigte, hat überwältigt
Aussprache
Worttrennungüber-wäl-ti-gen
Wortbildung mit ›überwältigen‹ als Erstglied: ↗Überwältigung  ·  mit ›überwältigen‹ als Grundform: ↗überwältigend
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
jmdn. (durch körperliche Gewalt) besiegen, wehrlos machen
Beispiele:
den Gegner, einen Einbrecher überwältigen
der Verbrecher wurde nach kurzem Handgemenge von der Polizei überwältigt
der Ringer wurde von seinem Partner in kurzer Zeit überwältigt (= bezwungen)
2.
etw. überwältigt jmdn.etw. erfasst, ergreift jmdn. mit unwiderstehlicher Gewalt
Beispiele:
Angst, Wehmut, Rührung, die Erinnerung überwältigte sie
von Schmerz überwältigt, schrie er laut
der Schlaf, die Müdigkeit hatte ihn überwältigt (= er war eingeschlafen)
sie waren überwältigt (= tief beeindruckt) von den Eindrücken, Ereignissen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewalt · gewaltig · bewältigen · unbewältigt · überwältigen · vergewaltigen · gewaltsam · Gewaltakt · Gewalthaber · Gewaltherrschaft · gewalttätig
Gewalt f. ‘rohe Kraft, Wucht, Macht, Zwang’, ahd. giwalt (8. Jh.), mhd. gewalt, asächs. giwald, mnd. gewelde, gewalt, mnl. ghewelt, nl. geweld, aengl. geweald wie auch anord. vald, schwed. våld (germ. *(ga-)wald-) gehören als Abstraktbildungen (mit unterschiedlichem Genus) zu dem unter ↗walten (s. d.) behandelten Verb. Diesem folgend gilt in alter Zeit vorwiegend die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft, Vollmacht’. gewaltig Adj. ‘mächtig, groß, eindrucksvoll’, ahd. giwaltīg (um 800), mhd. gewaltec, gewaltic, geweltic ‘mächtig’. bewältigen Vb. ‘in seine Gewalt bekommen, mit etw. fertig werden, meistern’ (14. Jh.), heute vielfach ‘geistig verarbeiten, verstehend überwinden’. Zuvor mhd. gewaltigen, geweltigen ‘Gewalt antun, überwältigen, etw. seiner Macht unterwerfen’; zu spätmhd. waltec, weltec ‘mächtig, gewaltig’. In der Negation unbewältigt Part.adj. ‘nicht reflektiert, unverarbeitet; verdrängt’ (unbewältigte Vergangenheit, 1955). überwältigen Vb. ‘besiegen, wehrlos machen, beeindrucken’ (15. Jh.). vergewaltigen Vb. ‘mit einer Frau gegen ihren Willen schlafen, gewaltsam zu etw. zwingen’, spätmhd. vergewaltigen, vergeweltigen. gewaltsam Adj. ‘durch Macht, (rohe) Kraft erzwungen’ (15. Jh.). Gewaltakt m. ‘rohe, brutale Handlung, Aktion mit viel Kraftaufwand’ (19. Jh.). Gewalthaber m. (15. Jh.) ‘wer Macht hat, Herrscher’, in älterer Rechtssprache auch ‘wer Vollmacht hat, Stellvertreter’. Gewaltherrschaft f. Verdeutschung (18. Jh.) von Despotie. gewalttätig Adj. ‘rohe Kraft anwendend, brutal’ (Ende 16. Jh., von Gewalttat, 1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bezwingen · ↗übermannen · überwältigen
Synonymgruppe
(Widerstand) brechen · ↗überwinden · überwältigen
Synonymgruppe
niederkämpfen · ↗niederringen · überwältigen  ●  ↗niedermachen  ugs.
Synonymgruppe
(beinahe) umhauen · überwältigen
Assoziationen
  • (ein) Statussymbol (sein) · (eine) (beeindruckende) Persönlichkeit sein · (eine) Ausnahmeerscheinung (sein) · ↗(etwas) hermachen · (jemand) von Format · (jemandem) Ehrfurcht einflößen · (jemanden) mit Ehrfurcht erfüllen · (sich) zur Geltung bringen · Eindruck machen · Wirkung haben · ↗beeindrucken · beeindruckend sein · ↗bestechen · etwas darstellen (Person) · etwas vorstellen (Person) · ↗imponieren · ↗imponierend (sein)  ●  (eine) imponierende Erscheinung  floskelhaft, variabel · Eindruck schinden  abwertend

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amokläufer Angreifer Attentäter Bankräuber Einsatzkommando Entführer Gangster Geiselnehmer Kidnapper Luftpirat MEK Passant Pfefferspray Polizist Räuber SEK SEK-Beamter Schütze Sicherheitnsleute Sicherheitsbeamter Sondereinsatzkommando Spezialeinsatzkommando Spezialkraft Täter Wachleute Wachmann Wärter entwaffnen fesseln festnehmen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überwältigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Diagnose war deprimierend, die ins Auge gefasste Therapie kühn, das Ergebnis überwältigend.
Die Welt, 01.10.1999
Nur ungern läßt man sich von dieser monumentalen Musik überwältigen.
Der Tagesspiegel, 17.01.1998
Was benannt, begriffen, gemessen ist, ist überwältigt, starr, "tabu" geworden.
Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 152
Aber immer hat er es verstanden, mit seiner Musik den Hörer zu erregen und zu überwältigen.
Jacobi, Erwin R. u. a.: Rameau. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 33370
Aber sie waren um einen Tag zu spät gekommen: die Demokraten hatten bereits losgeschlagen und waren überwältigt worden.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 23658
Zitationshilfe
„überwältigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/überwältigen>, abgerufen am 14.12.2019.

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