überwerfen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungüber-wer-fen (computergeneriert)
Wortzerlegungüber-werfen
Wortbildung mit ›überwerfen‹ als Grundform: ↗Überwurf
eWDG, 1976

Bedeutungen

I.
wirft über (Präsens), warf über, ›hat‹, übergeworfen
sich, jmdm. schnell etw. lose überlegen, umhängen
Beispiele:
sie hat sich [Dativ] ein Tuch, einen Schal übergeworfen
sie hatte rasch ein leichtes Kleid übergeworfen (= übergestreift) und war ins Freie getreten [MusilMann1211]
II.
, überwirft sich (Präsens), überwarf sich, ›hat‹, überworfen
sich mit jmdm. überwerfenmit jmdm. in Streit geraten, sich zanken, entzweien, verfeinden
Beispiele:
sie hat sich mit ihrem Mann wegen der Kinder überworfen
die Verwandten haben sich wegen der Erbschaft überworfen
er überwarf sich mit seinem besten Freund
die beiden haben sich wegen einer Nichtigkeit völlig überworfen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

werfen · abwerfen · anwerfen · Anwurf · aufwerfen · auswerfen · einwerfen · überwerfen · unterwerfen · verwerfen · vorwerfen
werfen Vb. ‘mit schwingendem Arm wegschleudern’. Das gemeingerm. stark flektierende Verb ahd. werfan ‘(hinaus)werfen, austreiben, hinwerfen, schütten, schieben, (zer)streuen, reißen, stürzen’ (8. Jh.), mhd. werfen ‘in schnelle Bewegung setzen, schleudern, stoßen, streuen, rasch wenden, zur Welt bringen’, asächs. werpan, mnd. werpen, warpen, mnl. nl. werpen, afries. hwerva, aengl. weorpan, engl. to warp ‘(sich) verziehen, krümmen’ (vom Holz), anord. verpa, auch ‘Eier legen’, schwed. värpa ‘Eier legen’, got. waírpan ‘werfen’ (germ. *hwerpan) läßt sich mit griech. rhábdos (ράβδος) ‘Rute, Gerte, Stab, Streifen’, lat. verbera (Plur.) ‘Ruten zur Züchtigung, Peitsche’, lit. vir̃bas ‘Reis, Reisig, Gerte’, aslaw. vrьba, russ. vérba (верба) ‘Weide’ auf eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’ zurückführen. Als Grundbedeutung ist ‘mit drehend geschwungenem Arm schleudern’ anzusetzen. Die Wurzelbedeutung ‘biegen’ ist noch erhalten in anord. oldri orpinn ‘vom Alter gebeugt’, engl. to warp, nhd. sich werfen ‘krumm werden, sich biegen’ (vom Holz). S. ablautendes ↗Wurf. abwerfen Vb. ‘hinunter-, herunterwerfen, sich einer Sache entledigen’, mhd. abewerfen, reflexiv ‘vom Pferd steigen’; dann auch ‘das Nötige zur Kostendeckung bzw. einen Gewinn einbringen’ (15. Jh.). anwerfen Vb. ‘etw. an etw. hinanwerfen, in Gang bringen’, ahd. anawerfan ‘hineinwerfen, -stoßen, bewerfen’ (8. Jh.), mhd. anewerfen ‘an einen etw. werfen, mit etw. werfen, mit etw. überziehen’; heute besonders ‘einen Motor anlassen’ (ehemals mit einer Drehbewegung durch eine Handkurbel). Anwurf m. ‘Verputz an Mauerwerk’ (16. Jh.), ‘erster, das Spiel eröffnender Ballwurf’ (Anfang 17. Jh.), übertragen ‘Vorstoß’ (vgl. einen Anwurf tun ‘einen Vorstoß, Versuch machen’, 16. Jh.), ‘Vorwurf, Beschuldigung’ (19. Jh.). aufwerfen Vb. ‘in die Höhe werfen, aufschütten’, mhd. ūfwerfen ‘in die Höhe werfen, strecken, erheben, umwenden, öffnen’, reflexiv ‘gebräuchlich werden, sich ausgeben für, machen zu, zu werfen (würfeln) beginnen’; übertragen eine Frage aufwerfen (17. Jh.). auswerfen Vb. ‘hinaus-, herausschleudern, ausspucken, ausschachten, verteilen’, ahd. ūʒwerfan ‘(her)aus-, wegwerfen, (hin)treiben, hervorbringen, hinausschicken’ (um 800), mhd. ūʒwerfen ‘hinauswerfen, austreiben, kastrieren, abtreiben, sich redend gegen jmdn. erheben.’ einwerfen Vb. ‘durch einen Wurf zerschlagen, hineinwerfen, zu einem Gespräch etw. anmerken’, ahd. inwerfan ‘hineinwerfen, -schicken’ (8. Jh.), mhd. īnwerfen ‘hineinwerfen, einschließen’. überwerfen Vb. ‘werfend bedecken’, reflexiv ‘sich mit jmdm. zerstreiten’ (16. Jh.), ahd. ubarwerfan ‘hinüberwerfen’ (um 800), mhd. überwerfen ‘das Pferd im Schwung umwenden, verschränken, kreuzen, im Werfen übertreffen’, reflexiv ‘sich schwingend um und um drehen’. unterwerfen Vb. ‘besiegen, abhängig machen’ (16. Jh.), ahd. untarwerfan ‘etw. unter etw. legen, stellen, setzen, unterordnen’ (9. Jh.), mhd. underwerfen ‘darunter werfen, unterjochen’. verwerfen Vb. ‘ablehnen, mißbilligen, eine Fehlgeburt haben, sich biegen, sich verziehen’ (vom Holz), ahd. firwerfan ‘wegwerfen, zurückweisen, preisgeben’ (8. Jh.), mhd. verwerfen ‘ab-, hin-, weg-, niederwerfen, überwinden, verschleudern, zurückweisen, verschmähen, verstoßen, sich entzweien’. vorwerfen Vb. ‘nach vorn werfen, jmdm. (Speise) vor die Füße werfen’ (16. Jh.), ‘tadeln, Vorhaltungen machen’ (15. Jh.), ahd. furiwerfan ‘verschließen, bedecken’ (9. Jh.), mhd. vürwerfen ‘mit Heftigkeit vorschieben, verschließen’. S. ↗Vorwurf.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auftraggeber Bahnchef Betriebsrat Coach Decke Diktator Förderer Geschäftspartner Gewand Großaktionär Intendant Jacke Kleid Klubführung Mantel Mentor Parteifreund Partner Produzent Schleier Sponsor Stellvertreter Trainer Vater Vorstandschef auscheiden ausscheiden bald werfen zurücktreten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›überwerfen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hatten die beiden sich nicht fürchterlich überworfen wegen Tod eines Kritikers?
Die Zeit, 01.02.2010, Nr. 05
Mit den orthodoxen mexikanischen Kommunisten hatte er sich schon bald überworfen.
Süddeutsche Zeitung, 21.04.1998
Diese Verbindung mit dem Theater dauerte jedoch nicht lange; er überwarf sich mit Immermann.
Werner, Eric: Mendelssohn-Bartholdy. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1961], S. 30045
Soll ich ihm zumuten, sich meinetwegen mit der ganzen Familie zu überwerfen?
Morris, Gerda: Brigitte wehrt sich, Düsseldorf: Iltis 1952, S. 198
Denn sie wollte mich gern überreden, mich mit dem König zu überwerfen.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 1001
Zitationshilfe
„überwerfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/überwerfen>, abgerufen am 20.10.2019.

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