übrig

GrammatikAdjektiv · attributiv (in Verbindung mit »sein«)
Aussprache
Worttrennungüb-rig
Wortbildung mit ›übrig‹ als Erstglied: ↗übrigbleiben · ↗übriglassen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
(als Rest) noch vorhanden, verbleibend, restlich
Beispiele:
die übrigen Teile, Sachen aufbewahren
ist für mich noch etwas Torte, etwas von der Torte übrig?
von dem Kleid sind noch Stoffreste übrig
von der Mahlzeit noch etw. übrig haben
von den 30 Euro hat sie nichts, ist nichts mehr übrig
er hat noch ein paar Tage von seinem Urlaub übrig
dafür, für diese Anschaffung habe ich kein Geld übrig (= dafür will ich kein Geld ausgeben)
die Übrigendie anderen
Beispiele:
die, alle Übrigen haben davon nichts gewusst, waren damit einverstanden
die übrigen Gäste reisten am nächsten Tag ab
so viel für heute, alles Übrige (= Weitere) dann mündlich (= Briefschluss)
ein Übriges tunmehr tun, als nötig ist
Beispiele:
ich tat ein Übriges und überzeugte mich selbst davon
im Übrigen (= ansonsten) ist er mit seiner Arbeit zufrieden
2.
umgangssprachlich, übertragen etw. für jmdn. übrig habenjmdn. sympathisch finden, gern haben
Beispiele:
er hatte schon immer etw. für ihn übrig
wie könnte, sollte ich jetzt noch etw. für sie übrig haben?
etw. für etw. übrig habenfür etw. eine Vorliebe, Schwäche haben
Beispiele:
er hat viel für Gemälde, Bücher übrig
für diese Musik habe ich nicht viel, nicht das geringste übrig
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

über · überall · überein · überhaupt · übrig · übrigens · erübrigen · Überbein · überraschen · Überraschung
über Präp. zur Angabe einer räumlichen Lage ‘oberhalb’ (das Bild hängt über dem Schrank), ‘unmittelbar darauf’ (eine Schürze über dem Kleid tragen), einer nach oben gerichteten Bewegung (über etw. springen) oder Erstreckung (der Baum ragt über das Dach hinaus), einer von oben nach unten gerichteten Bewegung (Wasser über das Beet gießen), einer in die Zukunft weisenden Zeitspanne (über ein Jahr kommen wir zurück), eines Zeitraumes (über Ostern); Adv. zur Bezeichnung des Überschreitens einer Quantität, Qualität, Intensität ‘mehr als’ (über drei Kilo, über zwei Wochen), als Wortpaar über und über ‘völlig, ganz und gar, von oben bis unten’. Ahd. ubar (8. Jh.), ubari Adv. (8. Jh.), mhd. über, (md.) uber, ober, asächs. oƀar, oƀer, ofer, mnd. mnl. ōver, nl. over, aengl. ofer, engl. over, anord. yfir, schwed. över, got. ufar Präp., ufaro Adv. führen mit den außergerm. Verwandten aind. upári ‘oben, über’, awest. upairī̌, griech. hýper, hypér (ὕπερ, ὑπέρ) ‘über, im Übermaß, über … hinaus, oberhalb’, lat. (mit s-Präfix) super ‘oben, auf, darüber’, air. for ‘über, über … hinaus’ auf ie. *upér(i) ‘über, oberhalb’, auch ‘über … hinaus’, eine Bildung mit komparativischem r-Suffix zu ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘von unten hinauf, über’ (s. ↗auf, ↗ob1). Die mhd. nhd. Form über (mit Umlaut) geht auf das Adverb ahd. ubari zurück. überall Adv. ‘an allen Orten, bei jeder Gelegenheit’, ahd. ubaral (8. Jh.), mhd. überal, zusammengesetzt mit dem Akkusativ Neutr. von ↗all (s. d.); vgl. mnd. mnl. ōveral, nl. overal, aengl. ofereall, engl. overall (‘umfassend’). überein Adv. ‘gleichmäßig, zusammenstimmend’, übereins (15. Jh.), mhd. überein, Zusammenrückung von mhd. über ein(ez) ‘in einem Sinne, gleichmäßig, ganz und gar’. überhaupt Adv. ‘insgesamt (gesehen)’ (15. Jh.), verstärkend bei Verneinungen (vgl. überhaupt nicht ‘ganz und gar nicht’, 18. Jh.), als Partikel in Fragesätzen ‘eigentlich, denn’ (Ende 17. Jh.), in der Handelssprache im Sinne von ‘in Bausch und Bogen, im ganzen, en gros’, vgl. überhaupt kaufen (‘insgesamt, nicht einzeln nachgezählt oder gewogen kaufen’, 18. Jh.). Zusammenrückung der Präp. ↗über mit dem Akkusativ des Substantivs ↗Haupt (s. d.), vgl. mhd. über houbet ‘über das Haupt, die Häupter hin’, d. h. ‘ohne die Stücke (Vieh, dann auch Menschen) zu zählen’; eine wohl aus der Viehwirtschaft stammende Fügung. übrig Adj. ‘(als Rest) vorhanden, verbleibend, restlich’, mhd. überic, überec; auch ‘überflüssig, überschüssig, zuviel’, vgl. ein übriges tun ‘mehr tun, als verlangt wird, als nötig ist’ (16. Jh.), aus der theologischen Sprache der Reformationszeit, eigentlich ‘mehr tun, als Gott von einem verlangt’; dazu übrigens Adv. ‘nebenbei bemerkt, gesagt, außerdem’ (Ende 17. Jh.; wohl in Analogie zu erstens); dafür auch im übrigen ‘ansonsten, außerdem’ (17. Jh.); erübrigen Vb. ‘etw. übriglassen, ein-, ersparen’, reflexiv (unpersönlich) ‘unnötig, überflüssig sein’ (Mitte 16. Jh.), aus der Kanzleisprache, älter erübern ‘übrigbehalten’ (14. bis Ende 17. Jh.). Überbein n. ‘Auswuchs einer Sehnenscheide oder Gelenkkapsel’ (besonders am Hand- oder Fußrücken), mhd. überbein; zu ↗Bein ‘Knochen’ (s. d.), eigentlich ‘darüberliegender Knochen’, da fälschlich für Kochenauswuchs gehalten. überraschen Vb. ‘unerwartet (an)treffen, in Erstaunen setzen’ (16. Jh., häufiger seit 18. Jh.), zu ↗rasch (s. d.), eigentlich ‘plötzlich über jmdn. kommen, herfallen, (den Feind) überfallen’; Überraschung f. ‘Erstaunen, Verwunderung über Unerwartetes’ (18. Jh.), ‘unerwarteter feindlicher Überfall, Überrumpelung’ (17. Jh.)

Thesaurus

Synonymgruppe
restlich · verbleibend · ↗überzählig · übrig  ●  noch da  ugs. · ↗über  ugs.

Typische Verbindungen zu ›übrig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aktionär Angeklagte Anteilseigner Beteiligter Bevölkerung Bundesgebiet Bundesland EU-Land EU-Staat Europäer Kandidat Land Landesteil Länder Mitglied Mitgliedsstaat Mitgliedstaat Ostfront Teilnehmer Vorstandsmitglied Welt Wohnungseigentum alle bleiben davon geblieben lassen mehr viel wenig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›übrig‹.

Verwendungsbeispiele für ›übrig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im übrigen Land wird es zunehmend sonnig und es bleibt trocken.
Die Zeit, 14.04.2013 (online)
Die übrige Schar zeigt dagegen meistens eine nur wenig ausgeprägte Gliederung.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 227
Es sind auch die übrigen Zweige der deutschen Wirtschaft entsprechend berücksichtigt worden.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1960]
Von 1880 an begann er dann auch die übrigen philosophischen Disziplinen zu bearbeiten.
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 2366
Da also trennt sich unser Weg von dem der übrigen Theoretiker.
Schumpeter, Joseph: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Berlin: Duncker u. Humblot 1997 [1912], S. 262
Zitationshilfe
„übrig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/%C3%BCbrig>, abgerufen am 18.01.2020.

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