-zig

GrammatikAffix
Nebenform -ßig · Affix (nur in dreißig)
Wortbildung mit ›-zig‹/›-ßig‹ als Letztglied: ↗achtzig · ↗dreißig · ↗fünfzig · ↗neunzig · ↗sechzig · ↗siebenzig · ↗siebzig · ↗vierzig · ↗zwanzig
 ·  mit ›-zig‹/›-ßig‹ als Grundform: ↗zig
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutung

bildet die indeklinablen Zehnerzahlen zu den Kardinalzahlen »zwei« bis »neun«
Beispiele:
vierzig, fünfzig, sechzig (= vier, fünf, sechs Mal zehn)
Herrn Seigewasser scheint entgangen zu sein, daß ich seit 1969 vor -zig, sagen wir zwanzig- bis dreißigtausend Menschen in diesen Kreisen gelesen habe, ohne daß in mich der Heilige Geist gefahren gewesen wäre. [Corino, Karl: Interview mit Reiner Kunze. In: Corino, Karl (Hg.) Die wunderbaren Jahre, Gütersloh: Bertelsmann 1978, S. 356. Zitiert nach: Der Spiegel, 1977, Nr. 18.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

-zig Bildungssilbe der Zehnzahlen von 20 bis 90, ahd. -zug (vorwiegend alem. frk., auch bair.), -zog (frk., auch alem.), -zeg (vielfach bei Notker), -zig (allgemein ab 11. Jh.), mhd. -zic, -zec, asächs. -tig, -tich, mnd. mnl. -tich, nl. aengl. -tig, engl. -ty, anord. -tigr, selten -tugr. Zugrunde liegt ein in got. -tigjus Plur. ‘Zehner(einheiten), Dekaden’ zur Bildung der Zehnzahlen (vgl. got. fidwōr-tigjus ‘vierzig’) belegtes Substantiv (Sing. *tigus ‘Anzahl von zehn, Zehnheit, Dekade’, ein u-Stamm nach germ. *teguz). Verwandtschaft besteht wohl mit lat. decuria ‘Anzahl, Abteilung von zehn, Zehntschaft’, umbr. dequrier, tekuries ‘Fest der Dekurien’, so daß ie. *dek̑u- (in Weiterbildungen von ie. *dek̑ṃ, s. ↗zehn) vorausgesetzt werden kann. Got. -tigjus steht in grammatischem Wechsel gegenüber got. taíhun ‘zehn’. Ein Reflex des alten Substantivs zeigt sich darin, daß im Ahd. die der Zehnzahl folgenden, also die gezählten Dinge im Genitiv Plur. angeschlossen werden, vgl. ahd. fiorzug wehhōno ‘vierzig Wochen’. Der abweichende Vokal u in ahd. -zug beruht entweder auf einer schwundstufigen Form oder auf Assimilation des i (bzw. germ. e in *teguz) an das stammhafte u der Endung, hervorgerufen durch seine Unbetontheit. Ahd. thrīʒug, nhd. dreißig zeigt Verschiebung von germ. t inlautend zwischen Vokalen zur Spirans. Mit ahd. -zug und seinen Varianten werden ursprünglich nur die Zehner von 20 bis 60 gebildet, die von 70 bis 100 dagegen mit -zo, vgl. ahd. sibunzo, ahtozo, *niunzo, zehanzo. Erklärbar als Abschwächung von -zug? Man sieht darin auch alte Ordinalia (mit germ. t), indem in Hinblick auf asächs. antsiƀunta ‘siebzig’ von *hundsibunto ‘siebenter Zehner’ ausgegangen wird, wobei *hund- aus ie. *(d)k̑ṃt- ‘hundert’ bzw. älter ‘Zehnheit (von Zehnern)’ zu erklären ist (s. ↗hundert). Vgl. H.-F. Rosenfeld Die germ. Zahlwörter 70–90, in: Wiss. Zs. d. E.-M.-Arndt-Univ. Greifswald, gesellschafts- und sprachwiss. Reihe Nr. 3, Jg. VI (1956/57) 171 ff.
Zitationshilfe
„-zig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/-zig>, abgerufen am 08.04.2020.

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