Aas, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Aases · Nominativ Plural: Aase/Äser
Wortbildung mit ›Aas‹ als Erstglied: ↗Aasbande · ↗Aasblume · ↗Aasfliege · ↗Aasfresser · ↗Aasgeier · ↗Aasgestank · ↗Aasjäger · ↗Aasjägerei · ↗Aaskäfer · ↗Aasvogel · ↗aasfressend
 ·  mit ›Aas‹ als Letztglied: ↗Pferdeaas · ↗Rabenaas
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
(verwesende) Tierleiche
Grammatik: Plural ‘Aase’
Beispiele:
Aas wittern, fressen, vergraben
stinkendes Aas
sprichwörtlichwo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier (= wo mühelos etwas zu erraffen ist, sammeln sich Habgierige)
2.
salopp, übertragen
Grammatik: Plural ‘Äser’
a)
Schimpfwort
Beispiele:
so ein Aas!
Das magere böse Aas liest in der Küche das Kuvert [DöblinAlexanderpl.215]
b)
derb Hauptkerl, gewitzter Bursche
Beispiele:
ein schlaues, feines Aas
ein Aas auf der Bassgeige (= ein Teufelskerl)
c)
derb kein Aasniemand
Beispiele:
kein Aas kommt, lässt sich sehen
kein Aas kennen
Auf einmal ... hat sich kein Aas mehr um den Zillich gekümmert [SeghersAusflug173]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Aas · aasen
Aas n. ‘Fleisch eines toten Körpers, Köder’. Mhd. (11. Jh.), mnd. ās, mnl. aes, nl. aas, aengl. ǣs (ie. *ēdsom oder *ēdtom) ist wie lat. ēsca ‘Speise, Futter, Köder’ (ie. *ēdskā) Weiterbildung eines dehnstufigen es-Stammes der im Verb ↗essen (s. d.) enthaltenen Wurzel ie. *ed- ‘essen’. Dazu gehört als weiteres Verbalnomen ahd. (8. Jh.), mhd. āʒ, asächs. mnd. āt, mnl. aet, aengl. ǣt, anord. āt ‘Speise, Nahrung, Viehfutter’ (s. ↗äsen), das die gleiche Stammbildung (ie. *ēdo-) aufweist wie das Grundwort in aslaw. obědъ ‘Mahlzeit, Frühstück’, russ. obéd (обед) ‘Mittagessen’. In frühnhd. as ‘Tiernahrung, Kadaver’ fallen beide Bildungen in eine zusammen. Als Schimpfwort begegnet Aas bereits im 12. Jh. aasen Vb. ‘Felle abschaben’ zum Gerben (18. Jh.), ‘in der Nahrung sudeln’ (von Aasfressern), bildlich ‘leichtfertig vergeuden’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aas · ↗Kadaver · ↗Tierkörper · ↗Tierleiche
Assoziationen
  • Fallmeister · Feldmeister · Kafiller · Kaviller · Kleeken · Kleemeister · Luderführer · Mausgewitz · ↗Racker · ↗Schinder  ●  ↗Abdecker  Hauptform · Tierkörperbeseitiger  Amtsdeutsch, Hauptform · ↗Wasenmeister  oberdeutsch
  • Leiche · ↗Leichnam · Toter · sterbliche Hülle · sterbliche Überreste · toter Körper
  • Köder · ↗Lockspeise · ↗Lockvogel  ●  ↗Luder  fachspr., Jägersprache, Jargon
Synonymgruppe
(das) Mensch  derb, schwäbisch, abwertend · Aas  ugs. · ↗Biest  ugs. · ↗Bissgurn  ugs., bair. · Bitch  derb, engl. · ↗Hexe  ugs. · Lombadier  ugs., stark abwertend, schwäbisch · ↗Luder  ugs. · Mistkuh  derb · ↗Miststück (Frau)  derb, Hauptform · ↗Weibsstück  derb
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abfall Geier Suche Tier Zylinder ernähren faul fressen kümmern lächelnd riechen stinken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aas‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sogar die Raben und Krähen verhielten sich still, getäuscht von dem flüchtigen Frieden dieses Tages und also ohne Hoffnung auf das erwartete Aas.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 399
Schreib sachlich und schreib dir die Finger krumm: kein Aas kümmert sich darum.
Tucholsky, Kurt: Das Persönliche. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1931]
Nun ist er schon drei Jahre ohne Arbeit, und das Aas, die Frau, läßt ihn doch nicht los.
Tucholsky, Kurt: Larissa Reissner. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 8693
Dieses Aas soll nicht einmal unter meinem ausgedachten Namen seine aussätzige Hand hinlegen dürfen.
Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 120
Sie werden bis zu drei Meter lang und ernähren sich von Aas.
Die Zeit, 08.06.2008 (online)
Zitationshilfe
„Aas“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aas>, abgerufen am 21.11.2019.

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