Aas, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Aases · Nominativ Plural: Aase/Äser
Wortbildung  mit ›Aas‹ als Erstglied: Aas fressend · Aasbande · Aasblume · Aasfliege · Aasfresser · Aasgeier · Aasgeruch · Aasgestank · Aasinsekt · Aasjäger · Aasjägerei · Aaskrähe · Aaskäfer · Aasseite · Aasvogel · aasfressend
 ·  mit ›Aas‹ als Letztglied: Pferdeaas · Rabenaas
Mehrwortausdrücke  kein Aas

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. (verwesende) Tierleiche
  2. 2. [salopp, übertragen] ...
    1. a) [Schimpfwort] ...
    2. b) [derb] Hauptkerl, gewitzter Bursche
    3. c) [salopp, verstärkend] ⟨kein Aas⟩
eWDG

Bedeutungen

1.
(verwesende) Tierleiche
Grammatik: Plural ‘Aase’
Beispiele:
Aas wittern, fressen, vergraben
stinkendes Aas
sprichwörtlichwo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier (= wo mühelos etwas zu erraffen ist, sammeln sich Habgierige)
2.
salopp, übertragen
Grammatik: Plural ‘Äser’
a)
Schimpfwort
Beispiele:
so ein Aas!
Das magere böse Aas liest in der Küche das Kuvert [ DöblinAlexanderpl.215]
b)
derb Hauptkerl, gewitzter Bursche
Beispiele:
ein schlaues, feines Aas
ein Aas auf der Bassgeige (= ein Teufelskerl)
c)
salopp, verstärkend kein Aas (= niemand)
Beispiele:
kein Aas kommt, lässt sich sehen
kein Aas kennen
Auf einmal […] hat sich kein Aas mehr um den Zillich gekümmert[.] [ SeghersAusflug173]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Aas · aasen
Aas n. ‘Fleisch eines toten Körpers, Köder’. Mhd. (11. Jh.), mnd. ās, mnl. aes, nl. aas, aengl. ǣs (ie. *ēdsom oder *ēdtom) ist wie lat. ēsca ‘Speise, Futter, Köder’ (ie. *ēdskā) Weiterbildung eines dehnstufigen es-Stammes der im Verb essen (s. d.) enthaltenen Wurzel ie. *ed- ‘essen’. Dazu gehört als weiteres Verbalnomen ahd. (8. Jh.), mhd. āʒ, asächs. mnd. āt, mnl. aet, aengl. ǣt, anord. āt ‘Speise, Nahrung, Viehfutter’ (s. äsen), das die gleiche Stammbildung (ie. *ēdo-) aufweist wie das Grundwort in aslaw. obědъ ‘Mahlzeit, Frühstück’, russ. obéd (обед) ‘Mittagessen’. In frühnhd. as ‘Tiernahrung, Kadaver’ fallen beide Bildungen in eine zusammen. Als Schimpfwort begegnet Aas bereits im 12. Jh. aasen Vb. ‘Felle abschaben’ zum Gerben (18. Jh.), ‘in der Nahrung sudeln’ (von Aasfressern), bildlich ‘leichtfertig vergeuden’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
(das) Mensch  derb, schwäbisch, abwertend · Aas  ugs. · Biest  ugs. · Bissgurn  ugs., bayr. · Bitch  derb, engl. · Hexe  ugs. · Lombadier  ugs., stark abwertend, schwäbisch · Luder  ugs. · Mistkuh  derb · Miststück (Frau)  derb, Hauptform · Weibsstück  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (blödes) Weibsstück  ugs., abwertend · (dumme) Ziege  ugs., abwertend, variabel · Krähe (Schimpfwort)  ugs. · Schnepfe (Schimpfwort)  ugs. · Trulla (leicht abwertend)  ugs., veraltend · Trutsche (Schimpfwort)  ugs. · Trutschn  ugs., süddt. · Tuse  ugs., abwertend · blöde Kuh (Schimpfwort)  ugs., variabel · dumme Gans  ugs. · dumme Pute (Schimpfwort)  ugs. · dummes Huhn (Schimpfwort)  ugs.
  • (ein) aufgetakeltes Etwas  ugs., variabel · Püppchen  ugs. · Püppi  ugs. · Schnitte  derb · Tuse  ugs., abwertend · Tusse  ugs. · Tussi  ugs., Hauptform, salopp
  • Betthupferl  ugs., fig. · Betthäschen  ugs. · Sexpüppchen  ugs. · eine fürs Bett  ugs. · was fürs Bett  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Aas‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aas‹.

Verwendungsbeispiele für ›Aas‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sogar die Raben und Krähen verhielten sich still, getäuscht von dem flüchtigen Frieden dieses Tages und also ohne Hoffnung auf das erwartete Aas. [Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 399]
Dieses Aas soll nicht einmal unter meinem ausgedachten Namen seine aussätzige Hand hinlegen dürfen. [Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 120]
Schreib sachlich und schreib dir die Finger krumm: kein Aas kümmert sich darum. [Tucholsky, Kurt: Das Persönliche. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1931]]
Nun ist er schon drei Jahre ohne Arbeit, und das Aas, die Frau, läßt ihn doch nicht los. [Tucholsky, Kurt: Larissa Reissner. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 8693]
Aas bleibt Aas, auch wenn es auf 130 Grad erhitzt wurde! [Süddeutsche Zeitung, 11.05.1996]
Zitationshilfe
„Aas“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aas>.

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