Abbild, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Abbild(e)s · Nominativ Plural: Abbilder
Aussprache
WorttrennungAb-bild (computergeneriert)
Grundformabbilden
eWDG, 1967

Bedeutung

genaue Wiedergabe eines Bildes, Urbildes, Bild
Beispiele:
ein (wahrheits)getreues Abbild der Natur, der Wirklichkeit
ein Abbild der damaligen Verhältnisse geben
ein verzerrtes Abbild der herrschenden Zustände
ein schwaches Abbild früheren Glanzes
ein erschütterndes Abbild seines Ringens
er hatte ihr in dem jüngsten Kinde ein treues Abbild (= Ebenbild) seiner äußeren Art hinterlassen [G. KellerAmrain6,151]
die mehr oder weniger abstrakten Abbilder (= Widerspiegelungen) der wirklichen Dinge und Vorgänge [EngelsAnti-Dühring27]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bild · Ebenbild · Abbild · Vorbild · Urbild · Mannsbild · Weibsbild · Lichtbild · Gebilde · Bildnis · bildlich · bildschön · bildhübsch · Bildhauer · Bildfläche
Bild n. ‘flächige Darstellung von Personen und Dingen’ (früher auch ‘Skulptur’) sowie überhaupt ‘dem Auge sich darbietender Anblick’ oder ‘nur in der Vorstellung wahrgenommene Erscheinung’, ahd. bilidi (8. Jh.; obd. Nebenformen bilodi, biladi), mhd. bilde ‘Abbild, Vorbild, Gestalt’. Das nur im Kontinentalwestgerm. bezeugte Substantiv (vgl. asächs. biliði ‘Zeichen, Gleichnis, Abbild’, mnd. bilde, bē̌lde ‘Abbild, Gestalt, Sinnbild, Beispiel’, mnl. beelde ‘Abbild, Gestalt, Vorbild’, afries. bild ‘Bild’; dagegen anord. bīlæti wohl aus dem Asächs. entlehnt) ist mit dem Kollektivsuffix germ. -iþja- von einem Stamm bil- abgeleitet, für den bisher eine sichere Erklärung fehlt. Die ältesten westgerm. Zeugnisse machen eine Ausgangsbedeutung ‘Zeichen, Sinnbild, Vorzeichen’ wahrscheinlich, vgl. Foerste in: Festschr. Trier (1964) 112 ff., der einen möglichen Zusammenhang mit bil- ‘angemessen, gerecht’ (s. ↗billig, ↗Unbill und ↗Weichbild) über eine semantische Vorstufe ‘trennen, unterscheiden, beurteilen, deuten’ erwägt. Weitere Deutungsversuche führen zu einer Grundvorstellung ‘geistiges Wesen, übernatürliche Kraft’, vgl. Karg-Gasterstädt in: PBB 66 (1942) 291 ff., oder rechnen den Stamm bil- einer Wortgruppe ‘spalten, hauen’ zu und sehen in Bild ‘das Zurechtgehauene, Gestaltete’; so bereits J. Grimm in: ¹DWB 2, 8 f.; vgl. auch Pokorny 1, 117 f. Im Dt. weist Bild, das vor allem bei Notker, den Mystikern und Chr. Wolff in philosophische Erörterungen Eingang findet, schon in der ältesten Sprachstufe eine reiche Bedeutungsdifferenzierung auf. Bestimmte semantische Verwendungen zeigen sich deutlicher in Zusammensetzungen oder Präfigierungen wie Ebenbild n. ‘dem Muster gleichende Nachbildung’, ahd. ebanbilidi (Hs. 12. Jh.), mhd. ebenbilde ‘Vorbild, Beispiel’; Abbild n. ‘flächige oder plastische Wiedergabe, Nachbildung’, spätmhd. frühnhd. abbild(e), anfangs häufig in der Fügung Abbild nehmen ‘ein Muster nachahmen’, allgemeiner verbreitet seit Ende des 18. Jhs.; Vorbild n. ‘Muster, Beispiel’, ahd. forabilidi (11. Jh.), mhd. vorbilde ‘Sinnbild, Vorbild’; Urbild n. ‘Vorlage einer Nachbildung, Inbegriff, Ideal’, zunächst Verdeutschung von Archetypus (17. Jh.), seit dem 18. Jh. auch für Original, Ideal, Idee gebraucht. Mit der Bedeutung ‘Äußeres, Gestalt’ begegnet Bild in den seit dem 19. Jh. nur noch abschätzig, früher aber wertneutral verwendeten Komposita Mannsbild n. Weibsbild n. frühnhd. (15. Jh.) zusammengewachsen aus mhd. mannes bilde und wībes bilde. Verhältnismäßig jung ist Lichtbild n. ‘Photographie’ (Mitte 19. Jh.), dem eine gleichlautende Gelegenheitsbildung mit der Bedeutung ‘durch Lichtstrahlen erzeugtes Bild’ (18. Jh.) vorausgeht. Gebilde n. ‘Geformtes, künstlich Geschaffenes von nicht näher zu bezeichnendem Aussehen’, aostnfrk. gibilithi ‘Schattenbild, Schemen’ (9. Jh.?), mhd. gebilde ‘Gestalt, gestalteter Gegenstand, Sternbild’, frühnhd. gebild(e) ‘Heiligenbild’ kommt im 16. Jh. außer Gebrauch, wird aber in der 2. Hälfte des 18. Jhs. erneut aufgegriffen, anfangs als klangvollere Nebenform von Bild, doch zunehmend als an ↗bilden (s. d.) angeschlossenes Verbalsubstantiv. Bildnis n. ‘bildliche Darstellung eines Menschen, Porträt’, ahd. bilidinussi n. (oder bilidinussī f.?; Hs. 13. Jh.) ‘Abbild, Bild’, mhd. bildnüsse, bildnisse n. ‘Bild, Gleichnis’, frühnhd. bildnis, bildnus n. und f.; gegen Ende des 17. Jhs. setzen sich die Form Bildnis und neutrales Genus durch, das Femininum findet sich noch in obd. Mundarten. bildlich Adj. ‘durch ein Bild oder durch metaphorische Ausdrucksweise veranschaulicht’, ahd. bilodlīh ‘vorbildhaft’ (8. Jh.), bilidlīh ‘vorbildhaft, nachbildend, wohlgestaltet’ (11. Jh.), mhd. bildelich ‘bildlich, sinnlich wahrnehmbar’ (neben gleichbed. mhd. bildec). bildschön Adj. ‘sehr schön’, seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. (zunächst obd.) zur Charakterisierung des Äußeren von Personen, eigentlich wohl ‘schön wie ein (Heiligen)bild’, vgl. älteres engelschön; dann auch auf unbelebte Gegenstände (19. Jh.) bezogen. In Analogie dazu bildhübsch Adj. ‘sehr hübsch’ (Anfang 19. Jh.). Bildhauer m. ‘Schöpfer plastischer Kunstwerke’, frühnhd. bildhower, bildhauer (2. Hälfte 15. Jh.) und mnd. bilde(n)-, belde(n)houwer; zu Bild in der Bedeutung ‘Skulptur’, vgl. die mhd. Fügung ein bilde houwen (aber mhd. bildemacher ‘Bildhauer’). Bildfläche f. ‘Fläche eines Bildes’ (Anfang 19. Jh.), seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. vor allem geläufig in den (wohl von der Photographie übertragenen) Wendungen auf der Bildfläche erscheinen ‘unerwartet auftauchen, zum Vorschein kommen’ und von der Bildfläche verschwinden ‘abtreten, aus dem Gesichtsfeld schwinden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abbild · ↗Abbildung · ↗Darstellung · ↗Illustration · ↗Spiegelbild · ↗Visualisierung · ↗Wiedergabe
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Abbild · ↗Ebenbild · ↗Klon
Synonymgruppe
Abbild · ↗Doppelgänger · ↗Ebenbild  ●  ↗(jemandes) Abziehbild  ugs. · ↗Klon  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abbild Kosmos Original Realität Sinnbild Urbild Wirklichkeit bloß bronzen digital dreidimensional exakt filmisch fotografisch fotorealistisch getreu lebensgroß medial naturalistisch naturgetreu originalgetreu projizieren realistisch steinern vergrößert verkleinert verzerrt virtuell zweidimensional überlebensgroß

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abbild‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihr geschöntes Abbild hat sich endgültig über die Wirklichkeit gelegt.
Der Tagesspiegel, 09.03.2000
Die Musik wird ihm zum Abbild der erst jenseitigen Erfüllung.
Lohmann, Gustav: Jean Paul. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 21909
In irgendeinem schwer zu erfassenden Sinne ist es doch auch fast so etwas wie ein Abbild.
Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 393
An die Stelle eines Abbilds tritt vielmehr das abstrakte mathematische Symbol.
Die Zeit, 26.01.1948, Nr. 04
Man zeichne sein Abbild noch so schön, er selbst war tausendmal schöner!
May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 195
Zitationshilfe
„Abbild“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abbild>, abgerufen am 07.12.2019.

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