Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Abdankung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Abdankung · Nominativ Plural: Abdankungen
Aussprache  [ˈapdaŋkʊŋ]
Worttrennung Ab-dan-kung
Wortzerlegung abdanken -ung
Wortbildung  mit ›Abdankung‹ als Erstglied: Abdankungsurkunde
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
durch Rücktritt vollzogener Verzicht auf ein meist hochrangiges Amt
Synonym zu Amtsniederlegung
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: erzwungene, freiwillige Abdankung
als Akkusativobjekt: die Abdankung fordern, verlangen, erzwingen, ankündigen, erklären; metonymisch die Abdankung (= Abdankungsurkunde) unterschreiben
in Präpositionalgruppe/-objekt: zur Abdankung bewegt, aufgefordert, gezwungen werden
mit Genitivattribut: Abdankung des Präsidenten, der Regierung, des Monarchen, des Fürsten, der Königin, des Königs, des Zaren, des Kaisers
Beispiele:
die Abdankung des Ministers wurde erzwungenWDG
Seit dessen [des Vorsitzenden eines Kreisverbands der SPD] überraschender Abdankung (= Rücktritt) Anfang Mai wackelt die Machtarchitektur im Kreis. [Hamburger Abendblatt, 27.06.2020]
Aus Sicherheitsgründen verlegte der Hochmeister [des Deutschen Ordens Friedrich von Sachsen] 1507 seine Residenz von Königsberg nach Rochlitz, was laut Donath aber weder Flucht noch Abdankung bedeutet habe. [Dresdner Neueste Nachrichten, 25.06.2020]
Unter anderem bewohnten Kronprinz Maximilian, der spätere König Maximilian II., und König Otto von Griechenland nach seiner erzwungenen Abdankung 1862 die ehemals fürstbischöfliche Residenz [in Bamberg]. [Fränkischer Tag, 27.08.2019]
Der Abdankung des Präsidenten waren tagelange Unruhen und Massenproteste vorausgegangen. [Der Bund, 01.11.2014]
Seit 1995 sind bereits drei Bürgermeister über ihre unvorsichtige Zustimmung zum Bau der Anlage gestolpert, von ihren erbosten Gemeinderäten zur Abdankung gezwungen. [Saarbrücker Zeitung, 15.04.1999]
metonymisch Auch Napoleon Bonaparte, der 1814 seine Abdankung unterschrieb, wählte die Insel Elba für sein Exil selbst aus, ging ehrenhaft in die Verbannung mit einer Ehrenkolonie, baute dort Häuser und unterhielt einen kleinen Königshof. [Versailles, 24.01.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
übertragen Politische Beobachter sehen in der Abtretung immer weiterer Kompetenzen an die Armee auch eine schleichende Abdankung der Demokratie [in Pakistan]. [Süddeutsche Zeitung, 30.01.1999]
2.
Synonym zu Entlassung (2)WDG
Beispiele:
seine Abdankung stand bevorWDG
die Abdankung WallensteinsWDG
Am Dienstag setzte [Syriens Präsident] Assad urplötzlich seinen Verteidigungsminister Ali Habib Mahmud ab. […] Mahmud habe sich […] gegen den Einsatz des Militärs in […] aufständischen syrischen Städten ausgesprochen. Der Wechsel an der Spitze der Armee und Gerüchte, der General sei am Tag nach seiner Abdankung tot aufgefunden worden, beflügelte die Opposition vergangene Woche. Zumindest kurzfristig keimte die Hoffnung auf, Assads Truppen könnten sich gegen ihn wenden. [Der Spiegel, 14.08.2011 (online)]
Ein Vierteljahrhundert lang war Yuri Grigorowitsch als Chef des Moskauer Bolschoi‑Balletts der mächtigste Mann nicht nur des Sowjetballetts. Zeitweise durfte er sich, als Präsident des Tanzkomitees des Internationalen Theaterinstituts (ITI), sogar als der einflussreichste Funktionär der gesamten Tanzwelt fühlen. […] Im Jahre 1995 erzwang eine Palastrevolution der Bolschoi‑Tänzer seine Abdankung, die Präsidentschaft des ITI‑Tanzkomitees hatte er schon vorher verloren. [Die Welt, 02.01.2007]
Sollte die Armee jetzt, da sie einen tschetschenischen Ort nach dem anderen einnehme, gestoppt werden, werde das zur Abdankung von Offizieren »einschließlich der Generäle« führen, warnte [der Kommandeur der in Tschetschenien kämpfenden Westgruppe des Kaukasusheeres, Generalmajor Wladimir] Schamanow im einem Gespräch mit der »Unabhängigen Zeitung«. [Die Welt, 05.11.1999]
3.
CH (evangelisch-reformierte oder nichtkirchliche) Trauerfeier, Begräbnisfeier
Beispiele:
Im Laufe dieser Woche hat die Stadt beschlossen, dass nur noch Beisetzungen und keine Abdankungen mehr stattfinden können. [St. Galler Tagblatt, 21.03.2020]
Öffentliche Gottesdienste sind zurzeit tabu – abgesehen von Abdankungen im engsten Familienkreis. [St. Galler Tagblatt, 09.04.2020]
Abdankungsgottesdienste, die nach Bedarf stattfinden, werden in der nahen Abdankungshalle abgehalten. […] »Bei grösseren Abdankungen kann für den Gottesdienst auf die Stadtkirche ausgewichen werden.« [Thurgauer Zeitung, 27.07.2018]
Nach der offiziellen Abdankung wurde der Verstorbene wegen des grossen Andrangs noch sieben weitere Tage fürs Volk aufgebahrt. [Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2017]
An Abdankungen haben die Pfarrer zwar immer noch oft das Sagen – 78 Prozent der Verstorbenen werden in der Schweiz kirchlich bestattet –, doch auch hier ist die Tendenz sinkend. [Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2015]
Einer Hochzeit wegen […] oder einer Abdankung wegen […] [ FrischStiller482]WDG

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dank · dank · danken · dankbar · abdanken · Abdankung
Dank m. ‘Gefühl der Verpflichtung, Erkenntlichkeit’, ahd. thanc (8. Jh.), mhd. danc, asächs. thank, mnd. dank, mnl. danc, nl. dank, afries. thonc, thanc, aengl. þanc, engl. thanks (Plur.), anord. þǫkk, got. þagks (germ. *þanka-). Die Substantive sind Verbalnomina zu dem unter denken (s. d.) behandelten Verb. Das ahd. Substantiv ist sowohl in den Bedeutungen ‘Gedanke’ und ‘Wille, Absicht’ wie auch in der im Nhd. überwiegenden Anwendung ‘dankbare Gesinnung, Erkenntlichkeit’ bezeugt. Ausgangspunkt für diese in der Gegenwart allein herrschende Bedeutung ist das Denken an eine empfangene Wohltat. dank Präp. ‘infolge, wegen’ (Ende 19. Jh.); voraus gehen Verbindungen des Substantivs mit Dativobjekten, Dank (sei) jmdm., einer Sache, die seit dem 18. Jh. ihren parenthetischen Charakter verlieren und zunehmend kausal verwendet werden. danken Vb. ‘Dank aussprechen’, ahd. thankōn (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. danken, asächs. thankon, afries. thonkia, aengl. þancian, engl. to thank, anord. þakka, abgeleitet vom Substantiv. Seit dem Ahd. geläufig in der Verbindung jmdm. (mit Worten) danken, wobei das, wofür gedankt wird, ursprünglich im Genitiv steht. In der Konstruktion jmdm. (einer Sache, einem Umstand) etw. danken (seit etwa 1200) nimmt danken die Bedeutung ‘verdanken’ an. dankbar Adj. ‘von Dank erfüllt, erkenntlich’, auch ‘angenehm, lohnend, zufriedenstellend’, mhd. dancbære ‘Geneigtheit hervorbringend, angenehm, von Dank erfüllt’; vgl. ahd. thancbāri ‘begünstigt’ (10. Jh.), dagegen unthancbāri ‘undankbar’ (9. Jh.). abdanken Vb. ‘von einem Amt zurücktreten’ (16. Jh.); ebenso alt ist der heute verblassende transitive Gebrauch ‘den Abschied geben, entlassen’. Abdankung f. ‘Entlassung’ (16. Jh.), ‘Rücktritt’ (17. Jh.); ‘Trauerfeier’ (17. Jh.; noch schweiz.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abdankung · Abdikation · Abgang · Amtsabtretung · Amtsaufgabe · Amtsniederlegung · Ausscheiden · Demission · Renunziation · Rücktritt · Rückzug
Synonymgruppe
Trauerfeier  ●  Abdankung  schweiz.
Assoziationen
  • Beerdigungskaffee · Flannerts · Leichenmahl · Leidessen · Leidmahl · Raue · Trauerbrot · Traueressen · Trauermahl · Tränenbrot · Tröster  ●  Grebt  schweiz. · Gräbt  schweiz. · Kremess  altbairisch · Leichenschmaus  Hauptform · Leichentrunk  süddt. · Reuessen  rheinisch · Rüezech  sauerländisch · Totenmahl  österr. · Zehrung  österr.

Typische Verbindungen zu ›Abdankung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abdankung‹.

Zitationshilfe
„Abdankung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abdankung>.

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