Abendröte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Abendröte · Nominativ Plural: Abendröten · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [ˈaːbəntˌʀøːtə]
Worttrennung Abend-rö-te
Wortzerlegung AbendRöte
eWDG und ZDL

Bedeutung

rötliche Färbung des Himmels zum Sonnenuntergang
Synonym zu Abendrot, siehe auch Abendglut, Abendgold, Morgenröte
Beispiele:
Bei dem Glanze der Abendröte [ GoetheBekehrte1,23]WDG
Wie oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich einen Hügel erklomm, um die glühende Abendröte, die ihn säumte, in voller Pracht zu geniessen. [Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2015]
Die Abendröte taucht Wasser, Wald und Uferstreifen in ein goldenes Licht, ein leichter Wind kräuselt die glatte Oberfläche des Sees. [Norddeutsche Neueste Nachrichten, 28.06.2014]
Weite Horizonte mit fast linearen Lichtdurchbrüchen, Wolkenreihen und glimmenden Morgen‑und Abendröten erinnern an die Vorgaben der beobachteten Natur, wollen aber keine reinen Naturbilder sein. [Dresdner Neueste Nachrichten, 22.11.2013] ungewöhnl. Pl.
übertragen erwartetes, melancholisch stimmendes Ende eines Zeitabschnitts, einer Epoche
Synonym zu Abendrot, siehe auch Abendsonnenschein
Beispiele:
Abendröte über dem »Metropol«: Die Tage des Hotels sind gezählt. Schon bald soll hier ein neuer Hotelleriebetrieb mit 50 Zimmern, Gartenwirtschaft und Saal entstehen. [St. Galler Tagblatt, 17.03.2017]
Dennoch fürchte ich, Sie lassen sich zu sehr vom nostalgischen Abschiedston verführen, vom Schwelgen in Abendröte, von der Melancholie des Späten. [Zintzen, 16.04.2010, aufgerufen am 04.06.2015]
Diese poetische Morgenröte ist nicht zuletzt dem zeitgeschichtlichen Bewusstsein zu verdanken, einer Abendröte des menschheitlichen Fortschritts beizuwohnen. [Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2000]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abend · abendlich · abends · Abendland · Abendmahl · Abendrot · Abendröte · Vorabend
Abend m. ‘Tageszeit um den Sonnenuntergang, Tagesende’, ahd. āband (9. Jh.), mhd. ābent, asächs. āƀand, mnd. āvent, mnl. avont, avent, nl. avond, aengl. æfen (und abgeleitetes æfnung), engl. eve ‘Vorabend’, evening, (dichterisch und mundartlich) even ‘Abend’ lassen sich auf eine westgerm. Form *āfanþija, *āfanðija zurückführen, die sich durch Länge des vokalischen Anlauts und Fehlen eines Dentals von den nordgerm. Entsprechungen anord. aptann, schwed. afton, dän. aften (doch auch aengl. æftentīd ‘Abendzeit’) unterscheidet. Für das Got. ist keine vergleichbare Form belegt, der Begriff wird durch got. andanahti (eigentlich ‘Vornacht’) bzw. durch Umschreibung mit got. seiþus ‘spät’ wiedergegeben. Als gemeinsame Vorstufe der westgerm. und nordgerm. Bezeichnungen ist entweder ie. *ēponto- (in diesem Falle vielleicht Einwirkung von anord. aptan ‘danach’ auf die nord. Formen?) oder ie. *āptanto- (mit dissimilatorischem Schwund des ersten Dentals im Westgerm. und möglicherweise erst nachfolgender Dehnung eines ursprünglich kurzen Anlautvokals?) anzunehmen. Dieses ist wohl eine Bildung mit nt-Suffix für Zeitbezeichnungen. Als wahrscheinlich gilt die Verwandtschaft mit griech. epí (ἐπί) ‘auf’, opsé (ὀψέ) ‘spät’, denen ie. *epi, *opi ‘nahe hinzu, darauf, hinter’ zugrunde liegt. Abend im Sinne von ‘Westen, Okzident’ (nach dem Stand der Sonne zu dieser Tageszeit), vereinzelt schon Ende des 14. Jhs. im Md. (unter Einfluß von lat. vesper ‘Abend, Abendgegend, Westen’), wird seit Anfang des 16. Jhs. besonders durch Luther geläufig. abendlich Adj. ‘zum Abend gehörig, am Abend geschehend’, ahd. ābandlīh (9. Jh.), mhd. ābentlich; die wie mnl. avontlike, aengl. ǣfenlīc als Übersetzung für lat. vespertīnus gebildete Ableitung ist in älterer Zeit nur schwach bezeugt und erst seit Ende des 18. Jhs. allgemein verbreitet; vom 17. bis ins 19. Jh. kommt auch die Bedeutung ‘westlich’ vor. abends Adv. ‘am Abend’, mhd. ābendes, ābents, mnd. āvendes, zunächst Genitivform des Substantivs, verselbständigt sich bereits um 1200 in adverbiellem Gebrauch. Abendland n. ‘im Westen gelegenes Land’, im Anschluß an die Bedeutung ‘Westen, Okzident’ von Abend seit dem 16. Jh. üblich, bis ins 18. Jh. vorwiegend im Plur. die Abendländer, -lande; vom Ende des 18. Jhs. an wird der Sing. als zusammenfassender Begriff für die historisch und kulturgeschichtlich enger verbundenen europäischen Länder dem älteren Morgenland gegenübergestellt und in neuerer Zeit vielfach auch als politisches Schlagwort benutzt. Abendmahl n. ‘Altarssakrament der evangelischen Kirche’; spätmhd. ābentmāl, mnd. āventmāl ‘Abendmahlzeit’ (s. ↗Mahl) tritt (vielleicht nach mnl. avontmael ‘Abendzeit, Abendmahlzeit’) neben älteres mhd. ābenteʒʒen, das nicht nur die abendliche Mahlzeit allgemein, sondern vom 13./14. Jh. an auch Christi Abschiedsmahl und das von diesem ausgehende kirchliche Sakrament bezeichnet. Seit Beginn des 16. Jhs., namentlich unter Luthers Einfluß, setzt sich im kirchlichen Sprachgebrauch Abendmahl für die letzte Mahlzeit Christi mit seinen Jüngern durch, bleibt aber als Bezeichnung für das Altarssakrament auf die evangelische Kirche beschränkt. Abendrot n. Abendröte f. ‘rötliche Färbung des Himmels bei Sonnenuntergang’; ahd. ābandrōto m. (Hs. 13. Jh.), mhd. ābentrōt m. und n. (12. Jh.) und daneben mhd. ābentrœte f., mnd. āventrȫde schließen sich entsprechend vorausgehendem ahd. morganrōto ‘Morgenröte’ (s. ↗Morgenrot) als Zusammensetzungen an das Adjektiv ahd. mhd. rōt ‘rot’ und das davon abgeleitete Substantiv ahd. rōtī, mhd. rœte ‘Röte’ (s. ↗rot) an. Vorabend m. ‘Abend vor einem Ereignis, besonders vor einem Fest’. Das verdeutlichende Kompositum kommt um 1700 in Gebrauch (mnd. vȫrāvent schon im 15. Jh.), während vorher seit dem Ahd. das Grundwort allein diese Bedeutung haben kann, die auf der jüdisch-christlichen, aber auch germanischen Vorstellung beruht, daß der neue Tag mit dem Abend beginne. Wie mlat. vigilia, frz. veille bezieht Vorabend und Abend in älterer Zeit oft den ganzen Tag vor einem kirchlichen Fest mit ein (vgl. noch jetzt Heiliger Abend und Sonnabend). Heute ist vor allem die metaphorische Verwendung ‘Zeitabschnitt, in dem sich ein bedeutendes historisches Ereignis vorbereitet’ üblich.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abenddämmerung · ↗Abendrot · Abendröte · ↗Sonnenuntergang · ↗blaue Stunde
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (bei) Einbruch der Dunkelheit · (bei) Nachteinbruch  ●  (bei) Anbruch der Nacht  geh.

Typische Verbindungen zu ›Abendröte‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abendröte‹.

Zitationshilfe
„Abendröte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abendr%C3%B6te>, abgerufen am 04.05.2021.

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