Abendrot, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Abendrot(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungAbend-rot
WortzerlegungAbendRot
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2016

Bedeutung

rote Färbung des westlichen Himmels durch den Sonnenuntergang
Beispiele:
In der Ferne war die Heilig-Kreuz-Kirche in ein atemberaubendes Abendrot getaucht, das es nur zu dieser Jahreszeit […] gibt […]. [zurueckinberlin.de, 09.06.2015]
übertragen Zweimal war er spanischer Torschützenkönig. Im Abendrot seiner Karriere verschlug es den Weltenbummler auch nach Österreich. [Der Standard, 27.09.2014]
Fast zwanzig Kubikkilometer Magma und Erde wurden in die Atmosphäre geschleudert, in Europa und Nordamerika wunderten sich die Städter über die flammenden Farben des Abendrotes in diesem Jahr. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.1994]
Für Himmelsblau und Abendrot ist die »Rayleigh-Streuung« durch die Gasmoleküle der Erdatmosphäre verantwortlich: Sie lenken das Licht je nach Wellenlänge verschieden ab, blaues Licht viel stärker als rotes. [Cʼt, 1997, Nr. 1]
Der Himmel war bereits dunkelviolett, aber irgendwo hinter den Dächern oder Bäumen mußte noch ein Rest Abendrot sein und färbte die Flügel und Bäuche der heimfliegenden Tauben mit etwas Feuerfarbe. [Rothmann, Ralf: Stier, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1991, S. 197]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das flammende, glühende Abendrot
in Koordination: Morgen- und Abendrot
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. leuchtet im Abendrot
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abend · abendlich · abends · Abendland · Abendmahl · Abendrot · Abendröte · Vorabend
Abend m. ‘Tageszeit um den Sonnenuntergang, Tagesende’, ahd. āband (9. Jh.), mhd. ābent, asächs. āƀand, mnd. āvent, mnl. avont, avent, nl. avond, aengl. æfen (und abgeleitetes æfnung), engl. eve ‘Vorabend’, evening, (dichterisch und mundartlich) even ‘Abend’ lassen sich auf eine westgerm. Form *āfanþija, *āfanðija zurückführen, die sich durch Länge des vokalischen Anlauts und Fehlen eines Dentals von den nordgerm. Entsprechungen anord. aptann, schwed. afton, dän. aften (doch auch aengl. æftentīd ‘Abendzeit’) unterscheidet. Für das Got. ist keine vergleichbare Form belegt, der Begriff wird durch got. andanahti (eigentlich ‘Vornacht’) bzw. durch Umschreibung mit got. seiþus ‘spät’ wiedergegeben. Als gemeinsame Vorstufe der westgerm. und nordgerm. Bezeichnungen ist entweder ie. *ēponto- (in diesem Falle vielleicht Einwirkung von anord. aptan ‘danach’ auf die nord. Formen?) oder ie. *āptanto- (mit dissimilatorischem Schwund des ersten Dentals im Westgerm. und möglicherweise erst nachfolgender Dehnung eines ursprünglich kurzen Anlautvokals?) anzunehmen. Dieses ist wohl eine Bildung mit nt-Suffix für Zeitbezeichnungen. Als wahrscheinlich gilt die Verwandtschaft mit griech. epí (ἐπί) ‘auf’, opsé (ὀψέ) ‘spät’, denen ie. *epi, *opi ‘nahe hinzu, darauf, hinter’ zugrunde liegt. Abend im Sinne von ‘Westen, Okzident’ (nach dem Stand der Sonne zu dieser Tageszeit), vereinzelt schon Ende des 14. Jhs. im Md. (unter Einfluß von lat. vesper ‘Abend, Abendgegend, Westen’), wird seit Anfang des 16. Jhs. besonders durch Luther geläufig. abendlich Adj. ‘zum Abend gehörig, am Abend geschehend’, ahd. ābandlīh (9. Jh.), mhd. ābentlich; die wie mnl. avontlike, aengl. ǣfenlīc als Übersetzung für lat. vespertīnus gebildete Ableitung ist in älterer Zeit nur schwach bezeugt und erst seit Ende des 18. Jhs. allgemein verbreitet; vom 17. bis ins 19. Jh. kommt auch die Bedeutung ‘westlich’ vor. abends Adv. ‘am Abend’, mhd. ābendes, ābents, mnd. āvendes, zunächst Genitivform des Substantivs, verselbständigt sich bereits um 1200 in adverbiellem Gebrauch. Abendland n. ‘im Westen gelegenes Land’, im Anschluß an die Bedeutung ‘Westen, Okzident’ von Abend seit dem 16. Jh. üblich, bis ins 18. Jh. vorwiegend im Plur. die Abendländer, -lande; vom Ende des 18. Jhs. an wird der Sing. als zusammenfassender Begriff für die historisch und kulturgeschichtlich enger verbundenen europäischen Länder dem älteren Morgenland gegenübergestellt und in neuerer Zeit vielfach auch als politisches Schlagwort benutzt. Abendmahl n. ‘Altarssakrament der evangelischen Kirche’; spätmhd. ābentmāl, mnd. āventmāl ‘Abendmahlzeit’ (s. ↗Mahl) tritt (vielleicht nach mnl. avontmael ‘Abendzeit, Abendmahlzeit’) neben älteres mhd. ābenteʒʒen, das nicht nur die abendliche Mahlzeit allgemein, sondern vom 13./14. Jh. an auch Christi Abschiedsmahl und das von diesem ausgehende kirchliche Sakrament bezeichnet. Seit Beginn des 16. Jhs., namentlich unter Luthers Einfluß, setzt sich im kirchlichen Sprachgebrauch Abendmahl für die letzte Mahlzeit Christi mit seinen Jüngern durch, bleibt aber als Bezeichnung für das Altarssakrament auf die evangelische Kirche beschränkt. Abendrot n. Abendröte f. ‘rötliche Färbung des Himmels bei Sonnenuntergang’; ahd. ābandrōto m. (Hs. 13. Jh.), mhd. ābentrōt m. und n. (12. Jh.) und daneben mhd. ābentrœte f., mnd. āventrȫde schließen sich entsprechend vorausgehendem ahd. morganrōto ‘Morgenröte’ (s. ↗Morgenrot) als Zusammensetzungen an das Adjektiv ahd. mhd. rōt ‘rot’ und das davon abgeleitete Substantiv ahd. rōtī, mhd. rœte ‘Röte’ (s. ↗rot) an. Vorabend m. ‘Abend vor einem Ereignis, besonders vor einem Fest’. Das verdeutlichende Kompositum kommt um 1700 in Gebrauch (mnd. vȫrāvent schon im 15. Jh.), während vorher seit dem Ahd. das Grundwort allein diese Bedeutung haben kann, die auf der jüdisch-christlichen, aber auch germanischen Vorstellung beruht, daß der neue Tag mit dem Abend beginne. Wie mlat. vigilia, frz. veille bezieht Vorabend und Abend in älterer Zeit oft den ganzen Tag vor einem kirchlichen Fest mit ein (vgl. noch jetzt Heiliger Abend und Sonnabend). Heute ist vor allem die metaphorische Verwendung ‘Zeitabschnitt, in dem sich ein bedeutendes historisches Ereignis vorbereitet’ üblich.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abenddämmerung · Abendrot · ↗Abendröte · ↗Sonnenuntergang
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (bei) Einbruch der Dunkelheit · (bei) Nachteinbruch  ●  (bei) Anbruch der Nacht  geh.
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Sonne Wolke flammend glühend leuchten leuchtend schimmern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abendrot‹.

Zitationshilfe
„Abendrot“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abendrot>, abgerufen am 19.01.2019.

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