Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Aberglaube, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum)
Nebenform Aberglauben
Worttrennung Aber-glau-be ● Aber-glau-ben
Wortzerlegung aber- Glaube
Wortbildung  mit ›Aberglaube‹ als Erstglied: abergläubig · abergläubisch  ·  mit ›Aberglaube‹ als Letztglied: Volksaberglaube · Volksaberglauben
eWDG

Bedeutung

Glaube an die Wahrnehmung und Wirkung übernatürlicher Kräfte, Irrglaube
Beispiele:
ein alberner, dummer, finsterer, böser, wilder Aberglaube
noch ganz im Aberglauben stecken, befangen sein
jmdn. vom Aberglauben abbringen
der Hang zum Aberglauben
Den frommen Aberglauben der Massen […] zerstören zu wollen [ Feuchtw.Füchse502]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

aber · Aber · Aberglaube · abergläubisch · abermals · Aberwitz
aber Adv. Konj. drückt als stets betontes Adv. mehrfache Wiederholung aus ‘wieder(um), abermals, noch einmal’, seit dem 16. Jh. allmählich durch wieder (s. d.) verdrängt, heute nur noch in bestimmten Verbindungen wie aber und aber(mals) (‘immer wieder’), tausend und abertausend (‘viele tausend’), Hunderte und aber Hunderte, bezeichnet als Konj. den Gegensatz ‘(je)doch, dagegen’, schränkt eine Behauptung ein ‘allerdings, freilich, immerhin’, verstärkt eine Behauptung, Aufforderung ‘wirklich’, drückt Verwunderung, einen Vorwurf aus aber, aber! (‘nicht doch!, was soll das?’). Ahd. (Adv. und Konj.) avur (auch afa, afar, 8. Jh.), mhd. aber, aver, mnd. āver, ōver, ēver ‘abermals, wiederum, von neuem; aber, dagegen’ sind wie verwandtes got. afar Präp. ‘nach’, Adv. in afaruh þan ‘nachher, später’, anord. norw. (mundartlich) aur- ‘unter, hinter’ (nur in Zusammensetzungen), z. B. anord. aurborð ‘Schiffsplanke vom Kiel’, norw. (mundartlich) aurbenk ‘hinterste Bank in der Stube’, und wohl auch anord. afar- ‘besonders, sehr’ alte Komparativbildungen zu den unter ab und von (s. d.) angeführten Ansätzen ie. *apo, *apu ‘ab, weg’, ebenso aind. aparám ‘später, künftig’, eine adverbial gebrauchte Flexionsform von aind. áparaḥ ‘hinterer, späterer’, awest. apara- Adj. (örtlich) ‘hinterer’, (der Reihenfolge nach) ‘folgender, zweiter’, (zeitlich) ‘späterer, künftiger’ und die (der Deklination der n-Stämme folgenden) germ. Formen asächs. aƀaro, aengl. eafora ‘Nachkomme’. aber bedeutet danach ursprünglich ‘weiter entfernt, später’, woraus sich im Dt. die Bedeutung ‘wieder, noch einmal’ entwickelt. Aus dieser Verwendung im Sinne einer Wiederholung konnte die einen Gegensatz bezeichnende Funktion entstehen. Beides ist bereits im Ahd. ausgebildet, der Gebrauch als Konjunktion endgültig allerdings erst im Spätahd. Aber n. ‘Einwand, Bedenken, Schwierigkeit’ (16. Jh.), Substantivierung der adversativen Konjunktion aber. Aberglaube m. (selten) Aberglauben ‘in falschen Vorstellungen wurzelnder Glaube, Irrglaube, trügerische Vorstellung, Einbildung, Vorurteil’, spätmhd. abergloube, doch geläufig erst seit Ende des 15. Jhs. In Zusammensetzungen dieses Typs (s. auch unten Aberwitz) bezeichnet aber-, ausgehend von der wiederholenden Funktion, das Gegenteil oder unechte Gegenstück des im Grundwort genannten Begriffs. abergläubisch Adj. ‘im Aberglauben befangen, dem Aberglauben entspringend’ (Anfang 16. Jh.), älter (heute ungebräuchlich) abergläubig (Ende 15. Jh.); vgl. mnd. āver(ge)lȫvich, (häufiger) āver(ge)lȫvisch. abermals Adv. ‘noch einmal, von neuem, wiederum’; zusammengezogen aus gleichbed. aber ein(e)s mal(e)s (2. Hälfte 15. Jh.). Aberwitz m. ‘völliger Unsinn, Unsinnigkeit, Irrsinn’, zunächst (14. bis 17. Jh.) Fem., dann (17. Jh.) Mask., gebildet mit aber- (s. oben Aberglaube) zu Witz im Sinne von ‘Vernunft, Verstand, Klugheit’ (s. d.); voraus geht mhd. abewitze f. ‘Unverstand, Wahnsinn’, vgl. mnd. āwit(te).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aberglaube · Geisterglaube · Gespensterglaube  ●  Superstition  engl.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Aberglaube‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›Aberglaube‹ und ›Aberglauben‹.

Verwendungsbeispiele für ›Aberglaube‹, ›Aberglauben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Aberglaube hat dort eine weit stärkere Tradition als die Religion. [Müller, Heiner: Stirb schneller, Europa. In: “Zur Lage der Nation“, Berlin: Rotbuch-Verl. 1990 [1989], S. 25]
Wie tief sind wir alle noch im Aberglauben der Aufklärung befangen. [Kreuder, Ernst: Die Gesellschaft vom Dachboden, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1978 [1946], S. 25]
Für sie ist der religiöse Glaube nur mehr ein Aberglaube, der aufrecht erhalten wird, um den einfachen Mann irrezuführen. [Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur, Stuttgart: Kohlhammer 1957, S. 212]
Was ehedem Glaube war, ist heute in vieler Augen "Aberglaube". [Gundert, Wilhelm: Schintoismus. In: Kern, Maximilian (Hg.) Das Licht des Ostens, Stuttgart: Union Deutsche Verlagsges. 1922, S. 910]
Das "verunreinigte Blut" sei die wahre Ursache des süddeutschen Aberglaubens. [Die Zeit, 29.04.1999, Nr. 18]
Zitationshilfe
„Aberglaube“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aberglaube>.

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