Aberwitz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungAber-witz (computergeneriert)
Wortzerlegungaber-Witz
Wortbildung mit ›Aberwitz‹ als Erstglied: ↗aberwitzig
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben Unsinn, Unsinnigkeit, Irrsinn
Beispiel:
so viel Aberwitz und Bosheit in ihrem [der Majestät] Reiche [BrodTycho Brahe270]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

aber · Aber · Aberglaube · abergläubisch · abermals · Aberwitz
aber Adv. Konj. drückt als stets betontes Adv. mehrfache Wiederholung aus ‘wieder(um), abermals, noch einmal’, seit dem 16. Jh. allmählich durch ↗wieder (s. d.) verdrängt, heute nur noch in bestimmten Verbindungen wie aber und aber(mals) (‘immer wieder’), tausend und abertausend (‘viele tausend’), Hunderte und aber Hunderte, bezeichnet als Konj. den Gegensatz ‘(je)doch, dagegen’, schränkt eine Behauptung ein ‘allerdings, freilich, immerhin’, verstärkt eine Behauptung, Aufforderung ‘wirklich’, drückt Verwunderung, einen Vorwurf aus aber, aber! (‘nicht doch!, was soll das?’). Ahd. (Adv. und Konj.) avur (auch afa, afar, 8. Jh.), mhd. aber, aver, mnd. āver, ōver, ēver ‘abermals, wiederum, von neuem; aber, dagegen’ sind wie verwandtes got. afar Präp. ‘nach’, Adv. in afaruh þan ‘nachher, später’, anord. norw. (mundartlich) aur- ‘unter, hinter’ (nur in Zusammensetzungen), z. B. anord. aurborð ‘Schiffsplanke vom Kiel’, norw. (mundartlich) aurbenk ‘hinterste Bank in der Stube’, und wohl auch anord. afar- ‘besonders, sehr’ alte Komparativbildungen zu den unter ↗ab und ↗von (s. d.) angeführten Ansätzen ie. *apo, *apu ‘ab, weg’, ebenso aind. aparám ‘später, künftig’, eine adverbial gebrauchte Flexionsform von aind. áparaḥ ‘hinterer, späterer’, awest. apara- Adj. (örtlich) ‘hinterer’, (der Reihenfolge nach) ‘folgender, zweiter’, (zeitlich) ‘späterer, künftiger’ und die (der Deklination der n-Stämme folgenden) germ. Formen asächs. aƀaro, aengl. eafora ‘Nachkomme’. aber bedeutet danach ursprünglich ‘weiter entfernt, später’, woraus sich im Dt. die Bedeutung ‘wieder, noch einmal’ entwickelt. Aus dieser Verwendung im Sinne einer Wiederholung konnte die einen Gegensatz bezeichnende Funktion entstehen. Beides ist bereits im Ahd. ausgebildet, der Gebrauch als Konjunktion endgültig allerdings erst im Spätahd. Aber n. ‘Einwand, Bedenken, Schwierigkeit’ (16. Jh.), Substantivierung der adversativen Konjunktion aber. Aberglaube m. (selten) Aberglauben ‘in falschen Vorstellungen wurzelnder Glaube, Irrglaube, trügerische Vorstellung, Einbildung, Vorurteil’, spätmhd. abergloube, doch geläufig erst seit Ende des 15. Jhs. In Zusammensetzungen dieses Typs (s. auch unten ↗Aberwitz) bezeichnet aber-, ausgehend von der wiederholenden Funktion, das Gegenteil oder unechte Gegenstück des im Grundwort genannten Begriffs. abergläubisch Adj. ‘im Aberglauben befangen, dem Aberglauben entspringend’ (Anfang 16. Jh.), älter (heute ungebräuchlich) abergläubig (Ende 15. Jh.); vgl. mnd. āver(ge)lȫvich, (häufiger) āver(ge)lȫvisch. abermals Adv. ‘noch einmal, von neuem, wiederum’; zusammengezogen aus gleichbed. aber ein(e)s mal(e)s (2. Hälfte 15. Jh.). Aberwitz m. ‘völliger Unsinn, Unsinnigkeit, Irrsinn’, zunächst (14. bis 17. Jh.) Fem., dann (17. Jh.) Mask., gebildet mit aber- (s. oben Aberglaube) zu ↗Witz im Sinne von ‘Vernunft, Verstand, Klugheit’ (s. d.); voraus geht mhd. abewitze f. ‘Unverstand, Wahnsinn’, vgl. mnd. āwit(te).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aberwitz · ↗Absurdität · ↗Irrwitz · ↗Unding · ↗Unsinnigkeit · ↗Wahnwitz · ↗Widersinnigkeit
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alltag Alltägliche Logik Theorie Wahnsinn Witz bar grenzen pur rein

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aberwitz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Aberwitz dieses Romans liegt darin, dass er mit literarischen Mitteln davon träumt, Film zu sein.
Die Zeit, 19.11.2012, Nr. 41
Niemand weiß heute, ob auch nur ein Politiker wirklich bereit gewesen wäre, solchen Aberwitz in die Tat umzusetzen.
Süddeutsche Zeitung, 01.07.1997
Meine erste Erkenntnis aber war: klein und groß, das ist Aberwitz.
Ball, Hugo: Tenderenda der Phantast. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 5132
Denn er war imstande, den blutigen Aberwitz der Nazi-Gesinnung, so paradox das klingt, rein stimmlich vor Augen zu führen.
Die Welt, 17.10.2003
Die Textmassen des taoistischen Kanons galten als abstrus, voll alchemistischen und magischen Aberwitzes.
Franke, Herbert: Sinologie, Bern: A. Francke 1953, S. 91
Zitationshilfe
„Aberwitz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aberwitz>, abgerufen am 19.01.2019.

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