Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Aberwitz, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum)
Aussprache  [ˈaːbɐˌvɪʦ]
Worttrennung Aber-witz
Wortzerlegung aber- Witz
Wortbildung  mit ›Aberwitz‹ als Erstglied: aberwitzig
eWDG

Bedeutung

gehoben Unsinn, Unsinnigkeit, Irrsinn
Beispiel:
so viel Aberwitz und Bosheit in ihrem [der Majestät] Reiche [ BrodTycho Brahe270]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

aber · Aber · Aberglaube · abergläubisch · abermals · Aberwitz
aber Adv. Konj. drückt als stets betontes Adv. mehrfache Wiederholung aus ‘wieder(um), abermals, noch einmal’, seit dem 16. Jh. allmählich durch wieder (s. d.) verdrängt, heute nur noch in bestimmten Verbindungen wie aber und aber(mals) (‘immer wieder’), tausend und abertausend (‘viele tausend’), Hunderte und aber Hunderte, bezeichnet als Konj. den Gegensatz ‘(je)doch, dagegen’, schränkt eine Behauptung ein ‘allerdings, freilich, immerhin’, verstärkt eine Behauptung, Aufforderung ‘wirklich’, drückt Verwunderung, einen Vorwurf aus aber, aber! (‘nicht doch!, was soll das?’). Ahd. (Adv. und Konj.) avur (auch afa, afar, 8. Jh.), mhd. aber, aver, mnd. āver, ōver, ēver ‘abermals, wiederum, von neuem; aber, dagegen’ sind wie verwandtes got. afar Präp. ‘nach’, Adv. in afaruh þan ‘nachher, später’, anord. norw. (mundartlich) aur- ‘unter, hinter’ (nur in Zusammensetzungen), z. B. anord. aurborð ‘Schiffsplanke vom Kiel’, norw. (mundartlich) aurbenk ‘hinterste Bank in der Stube’, und wohl auch anord. afar- ‘besonders, sehr’ alte Komparativbildungen zu den unter ab und von (s. d.) angeführten Ansätzen ie. *apo, *apu ‘ab, weg’, ebenso aind. aparám ‘später, künftig’, eine adverbial gebrauchte Flexionsform von aind. áparaḥ ‘hinterer, späterer’, awest. apara- Adj. (örtlich) ‘hinterer’, (der Reihenfolge nach) ‘folgender, zweiter’, (zeitlich) ‘späterer, künftiger’ und die (der Deklination der n-Stämme folgenden) germ. Formen asächs. aƀaro, aengl. eafora ‘Nachkomme’. aber bedeutet danach ursprünglich ‘weiter entfernt, später’, woraus sich im Dt. die Bedeutung ‘wieder, noch einmal’ entwickelt. Aus dieser Verwendung im Sinne einer Wiederholung konnte die einen Gegensatz bezeichnende Funktion entstehen. Beides ist bereits im Ahd. ausgebildet, der Gebrauch als Konjunktion endgültig allerdings erst im Spätahd. Aber n. ‘Einwand, Bedenken, Schwierigkeit’ (16. Jh.), Substantivierung der adversativen Konjunktion aber. Aberglaube m. (selten) Aberglauben ‘in falschen Vorstellungen wurzelnder Glaube, Irrglaube, trügerische Vorstellung, Einbildung, Vorurteil’, spätmhd. abergloube, doch geläufig erst seit Ende des 15. Jhs. In Zusammensetzungen dieses Typs (s. auch unten Aberwitz) bezeichnet aber-, ausgehend von der wiederholenden Funktion, das Gegenteil oder unechte Gegenstück des im Grundwort genannten Begriffs. abergläubisch Adj. ‘im Aberglauben befangen, dem Aberglauben entspringend’ (Anfang 16. Jh.), älter (heute ungebräuchlich) abergläubig (Ende 15. Jh.); vgl. mnd. āver(ge)lȫvich, (häufiger) āver(ge)lȫvisch. abermals Adv. ‘noch einmal, von neuem, wiederum’; zusammengezogen aus gleichbed. aber ein(e)s mal(e)s (2. Hälfte 15. Jh.). Aberwitz m. ‘völliger Unsinn, Unsinnigkeit, Irrsinn’, zunächst (14. bis 17. Jh.) Fem., dann (17. Jh.) Mask., gebildet mit aber- (s. oben Aberglaube) zu Witz im Sinne von ‘Vernunft, Verstand, Klugheit’ (s. d.); voraus geht mhd. abewitze f. ‘Unverstand, Wahnsinn’, vgl. mnd. āwit(te).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aberwitz · Absurdität · Hirnrissigkeit · Hirnverbranntheit · Irrwitz · Unding · Unsinnigkeit · Wahnwitz · Widersinnigkeit

Typische Verbindungen zu ›Aberwitz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Aberwitz‹.

Verwendungsbeispiele für ›Aberwitz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Aberwitz dieses Romans liegt darin, dass er mit literarischen Mitteln davon träumt, Film zu sein. [Die Zeit, 19.11.2012, Nr. 41]
Niemand weiß heute, ob auch nur ein Politiker wirklich bereit gewesen wäre, solchen Aberwitz in die Tat umzusetzen. [Süddeutsche Zeitung, 01.07.1997]
Meine erste Erkenntnis aber war: klein und groß, das ist Aberwitz. [Ball, Hugo: Tenderenda der Phantast. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 5132]
Aber damit war der bürokratische Aberwitz nicht aus der Welt zu schaffen. [Süddeutsche Zeitung, 12.03.1996]
Er brachte ihren Aberwitz zum Blühen, und sie gaben ihm die Gelegenheit, sich lebensvoll gegen sie abzuheben. [Die Zeit, 15.10.1998, Nr. 43]
Zitationshilfe
„Aberwitz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Aberwitz>.

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