Abgott, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Abgott(e)s · Nominativ Plural: Abgötter
Aussprache
WorttrennungAb-gott
Wortbildung mit ›Abgott‹ als Erstglied: ↗Abgöttin · ↗abgöttisch
eWDG, 1967

Bedeutung

Götze, falscher Gott
Beispiel:
eine irgendeinem Abgott geweihte heidnische Kultstätte [G. Hauptm.Ketzer4,131]
übertragen vergöttertes Wesen
Beispiele:
er ist ihr Abgott
der Abgott der Eltern, seines Volkes
Des Lagers Abgott und der Länder Geißel [SchillerWallenst.Prolog]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abgott · Abgötterei · abgöttisch
Abgott m. aus der Sicht monotheistischer Religionen ‘falscher (heidnischer) Gott, Götze’, dann auch ‘vergöttertes Wesen, Gegenstand blinder Verehrung’. Die auf das Kontinentalwestgerm. beschränkten Formen ahd. abgot m. n., dazu die Ableitung abguti n. Plur. (um 800), mhd. abgot, asächs. mnl. nl. afgod, mnd. afgot, afries. ofgod, afgod entstehen bei der Bekehrung der Germanen zum Christentum. Zur Funktion des Präfixes ab-, die Negation bzw. das Gegenteil des durch das Grundwort bezeichneten Begriffs ausdrückend oder etw. als schlecht, minderwertig bezeichnend, vgl. Wilmanns 2 (²1899) 574. Nicht hierher gehört das nach Wortbildung und Bedeutung verschiedene got. afguþs ‘gottlos’. Als Possessivkompositum übersetzt es griech. asebḗs (ἀσεβής) ‘gottlos, ruchlos, frevelhaft’ und bedeutet wörtlich ‘wessen Gott weg ist, keinen Gott habend’. Gleicher Art sind die Bildungen westfläm. afgod, norw. (mundartlich) avgud ‘gottloser Mensch’. Abgötterei f. ‘Götzendienst’ (Ende 14. Jh.), ‘übertriebener Kult mit angebeteten Personen, auch Dingen’ (2. Hälfte 17. Jh.). abgöttisch Adj. ‘götzendienerisch’ (2. Hälfte 14. Jh.), ‘wie einen Abgott, übertrieben’ (2. Hälfte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abgott · ↗Idol · falscher Gott  ●  ↗Götze  abwertend · ↗Götzenbild  abwertend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gott Jugend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abgott‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einem kleinen Zirkel puristischer Anhänger wurde er so schnell zum Abgott.
Die Zeit, 13.12.1985, Nr. 51
Eine Stadt, die auf einen Erlaß zurückgeht, unterliegt der Verführung, ihren Gründer zum Abgott zu machen.
Süddeutsche Zeitung, 09.01.1998
Ich habe immer geglaubt, daß ihr mehr seid, Ritter, Abgott, von einer Seele nicht weit, der allerköniglichsten Namen würdig.
Bachmann, Ingeborg: Das dreißigste Jahr, München: R. Piper & Co. Verlag 1961, S. 232
Und mußt du, liebes Publikum, dir ein Schauspiel daraus machen, selbst aus der Trauer deines Abgottes?
Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3068
Die Stolzen, die vom Thron gestürzt werden müssen, sind so für Müntzer vor den Fürsten die Schriftgelehrten, besser die »Schriftstehler« mit ihrem »mönchischen Abgott« Luther.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 6928
Zitationshilfe
„Abgott“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abgott>, abgerufen am 15.12.2018.

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