Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Abgott, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Abgott(e)s · Nominativ Plural: Abgötter
Aussprache 
Worttrennung Ab-gott
Wortbildung  mit ›Abgott‹ als Erstglied: Abgottschlange · Abgöttin · abgöttisch
eWDG

Bedeutung

Götze, falscher Gott
Beispiel:
eine irgendeinem Abgott geweihte heidnische Kultstätte [ G. Hauptm.Ketzer4,131]
übertragen vergöttertes Wesen
Beispiele:
er ist ihr Abgott
der Abgott der Eltern, seines Volkes
Des Lagers Abgott und der Länder Geißel [ SchillerWallenst.Prolog]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abgott · Abgötterei · abgöttisch
Abgott m. aus der Sicht monotheistischer Religionen ‘falscher (heidnischer) Gott, Götze’, dann auch ‘vergöttertes Wesen, Gegenstand blinder Verehrung’. Die auf das Kontinentalwestgerm. beschränkten Formen ahd. abgot m. n., dazu die Ableitung abguti n. Plur. (um 800), mhd. abgot, asächs. mnl. nl. afgod, mnd. afgot, afries. ofgod, afgod entstehen bei der Bekehrung der Germanen zum Christentum. Zur Funktion des Präfixes ab-, die Negation bzw. das Gegenteil des durch das Grundwort bezeichneten Begriffs ausdrückend oder etw. als schlecht, minderwertig bezeichnend, vgl. Wilmanns 2 (²1899) 574. Nicht hierher gehört das nach Wortbildung und Bedeutung verschiedene got. afguþs ‘gottlos’. Als Possessivkompositum übersetzt es griech. asebḗs (ἀσεβής) ‘gottlos, ruchlos, frevelhaft’ und bedeutet wörtlich ‘wessen Gott weg ist, keinen Gott habend’. Gleicher Art sind die Bildungen westfläm. afgod, norw. (mundartlich) avgud ‘gottloser Mensch’. Abgötterei f. ‘Götzendienst’ (Ende 14. Jh.), ‘übertriebener Kult mit angebeteten Personen, auch Dingen’ (2. Hälfte 17. Jh.). abgöttisch Adj. ‘götzendienerisch’ (2. Hälfte 14. Jh.), ‘wie einen Abgott, übertrieben’ (2. Hälfte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abgott · Idol · falscher Gott  ●  Götze  abwertend · Götzenbild  abwertend
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Abgott‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einem kleinen Zirkel puristischer Anhänger wurde er so schnell zum Abgott. [Die Zeit, 13.12.1985, Nr. 51]
Eine Stadt, die auf einen Erlaß zurückgeht, unterliegt der Verführung, ihren Gründer zum Abgott zu machen. [Süddeutsche Zeitung, 09.01.1998]
Prompt wettert Luther "wider den neuen Abgott und alten Teufel". [Bild, 02.12.2003]
Es sei unbedingt davor zu warnen, den Staat zum Abgott zu machen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1998]]
Ich habe immer geglaubt, daß ihr mehr seid, Ritter, Abgott, von einer Seele nicht weit, der allerköniglichsten Namen würdig. [Bachmann, Ingeborg: Das dreißigste Jahr, München: R. Piper & Co. Verlag 1961, S. 232]
Zitationshilfe
„Abgott“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abgott>.

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