Abgrund, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Abgrund(e)s · Nominativ Plural: Abgründe
Aussprache 
Worttrennung Ab-grund
Wortbildung  mit ›Abgrund‹ als Erstglied: abgrundhässlich · abgrundtief · abgründig
 ·  mit ›Abgrund‹ als Letztglied: Felsabgrund · Felsenabgrund · Höllenabgrund
eWDG

Bedeutung

unermessliche, gefährliche Tiefe
Beispiele:
ein gähnender, tiefer, bodenloser, jäher Abgrund tat sich vor uns auf, klaffte vor uns
jmdn. vom Abgrund zurückreißen, in den Abgrund hinabstoßen, mit sich reißen
(jmdn.) in einen Abgrund stürzen
im Abgrund versinken
der Abgrund (des Meeres) verschlingt ihn
sein Körper lag zerschellt im Abgrund
am Rande des Abgrunds
dicht am Abgrund
gehoben, übertragen
Beispiele:
der Abgrund der Seele, des menschlichen Geistes
am Abgrund des Lebens
Verderben
Beispiele:
jmdn. in den Abgrund treiben
jmdn. an den Rand des Abgrundes bringen, führen
an den Rand des Abgrundes geraten
unüberbrückbarer Gegensatz
Beispiele:
Abgründe trennen uns
ein Abgrund liegt zwischen uns
höchstes Ausmaß
Beispiel:
ein Abgrund von Elend, Verworfenheit, des Schreckens, der Verzweiflung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abgrund · abgründig
Abgrund m. ‘unermeßliche Tiefe, steil abfallende Gebirgsschlucht’, übertragen ‘unergründliche Tiefe, Untergang, Verderben, unüberbrückbare Kluft’, ahd. abgrunti n. (8. Jh.), abgrunt m. (um 800), mhd. abgrunde, abgründe, abgrunt n. (spätmhd. m.), asächs. afgrundi n., mnd. afgründ(e) n., afgrunt f., mnl. afgrond m., afgronde f., nl. afgrond m., aengl. æfgrynde n. Neben dem ursprünglichen neutralen ja-Stamm tritt das Maskulinum im Ahd. nur vereinzelt auf und setzt sich erst im 16. Jh. (in Anlehnung an Grund, s. d.) durch. Ihrer Bildungsweise nach würden die westgerm. Substantive ebenso wie gleichbed. got. afgrundiþa ein Adjektiv voraussetzen, wie es in ahd. abgrunti ‘abgründig, unermeßlich tief’ (um 800), eigentlich ‘wo der Grund weg ist, keinen Grund habend, bodenlos’, vorliegt. Möglicherweise aber war für die germ. Präfixbildungen entscheidend das Vorbild von griech. ábyssos (ἄβυσσος), kirchenlat. abyssus ‘große, unermeßliche Tiefe’, auch ‘Hölle’, als dessen Übersetzung die frühen (got. ahd. aengl.) Belege erscheinen. abgründig Adj. ‘tiefgründig, rätselhaft, unermeßlich’, mhd. abgründec, mnd. afgründich; vgl. ahd. abgrunti (s. oben).

Typische Verbindungen zu ›Abgrund‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abgrund‹.

Verwendungsbeispiele für ›Abgrund‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Meer schien ihm entfernt wie ein Stern, zugleich so weit unter ihm wie ein Abgrund. [Nadolny, Sten: Die Entdeckung der Langsamkeit, München: Piper 1983, S. 305]
An dem Abgrund, in den hinab ich mein vergangenes Selbst warf, stehe ich alsdann wie an einem offenen Grabe und triumphiere über meinen eigenen Untergang. [Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 90]
Der Abgrund, der beide scheidet, wird gerade hier am deutlichsten sichtbar. [Weber, Max: Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Politische Schriften, München: Drei Masken Verl. 1921 [1918], S. 188]
So oft man nahe genug hinsieht, öffnet sich dieser Abgrund. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 31582]
Zwölf Jahre später taumelt das besungene Land in den Abgrund. [Die Zeit, 27.04.2000, Nr. 18]
Zitationshilfe
„Abgrund“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abgrund>.

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