Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Abscheu, der oder die

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Abscheu(e)s · wird nur im Singular verwendet
Nebenform veraltet Abscheu · Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Abscheu
Aussprache 
Worttrennung Ab-scheu
Wortbildung  mit ›Abscheu‹ als Erstglied: Abscheu erregend · abscheuerregend · abscheulich
 ·  mit ›Abscheu‹ als Grundform: verabscheuen
eWDG

Bedeutung

heftiger Widerwille
a)
(physischer) Ekel
Beispiele:
Man weicht vor pestilenzialischen Gerüchen mit Abscheu zurück [ Tieck28,190]
Mein Abscheu vor Tabak und Sprit ist panisch [ BrechtArturo Ui13]
b)
(moralische) Abneigung, Unwille
Beispiele:
einen heftigen, maßlosen, ausgesprochenen Abscheu über eine Tat empfinden
von tiefstem Abscheu ergriffen sein
Abscheu (gegen jmdn.) äußern, zeigen
gehoben Abscheu (gegen jmdn.) hegen, bekunden
jmdm. Abscheu einflößen
(allgemein) Abscheu erregen
jmdn. mit Ekel und Abscheu, mit Hass und Abscheu erfüllen
sich mit Abscheu von jmdm. abwenden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abscheu · abscheulich
Abscheu m. f. ‘heftiger Widerwille, Abneigung, Unwille, Ekel’ (1. Hälfte 16. Jh.), gebildet zu Scheu f. (s. d.) oder zu dem seit dem 15. Jh. bezeugten, im 19. Jh. durch verabscheuen verdrängten abscheuen ‘zurückscheuen, sich entsetzen, verabscheuen’. Zu vergleichen ist ferner das vom 15. bis 17. Jh. in gleichen Verwendungen wie Abscheu gebräuchliche Abscheuen n. Das mask. Genus bei Abscheu überwiegt von Anfang an; daneben im 16./17. Jh. gebräuchliches fem. Genus fehlt vom 18. bis zum Ende des 19. Jhs., tritt aber in jüngerer Sprache unter dem Einfluß von Scheu f. wieder auf. abscheulich Adj. ‘ekelhaft, scheußlich, verwerflich’ (Anfang 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem ein) Gräuel · (körperliche) Ablehnung · (körperliche) Abneigung · Abscheu · Aversion · Ekelgefühl(e) · Sich-Abwenden · Widerwille  ●  Ekel  Hauptform · Degout  geh., franz.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Abscheu · Hass
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(einen) Horror (haben vor) · (moralische) Abscheu · (moralischer) Ekel · (starke) Antipathie · Abneigung · Aversion · Widerstreben · Widerwillen

Typische Verbindungen zu ›Abscheu‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abscheu‹.

Verwendungsbeispiele für ›Abscheu‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und sie spuckten dieses Wort aus mit einer Abscheu, die ihm vertraut war. [Die Zeit, 30.03.2000, Nr. 14]
Die "imaginative Struktur" dieses Werks ist wohl das Entsetzen, der moralisch motivierte Abscheu vor dem realen Bösen. [Die Zeit, 02.04.1998, Nr. 15]
Es gibt keinen ausreichenden Begriff für meinen Ekel, meine unendliche Abscheu. [Der Spiegel, 17.11.1986]
Wir, das jüdische Volk, haben einen tiefsitzenden Abscheu gegen Mord. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1983]]
Ich war auf einmal ein braver Sohn und hatte einen Abscheu gegen die Lüge. [Thoma, Ludwig: Lausbubengeschichten. In: ders., Lausbubengeschichten, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1961 [1905], S. 61]
Zitationshilfe
„Abscheu“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abscheu>.

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