Abschied, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Abschied(e)s · Nominativ Plural: Abschiede · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungAb-schied
Wortbildung mit ›Abschied‹ als Erstglied: ↗Abschiedsabend · ↗Abschiedsbesuch · ↗Abschiedsbrief · ↗Abschiedsessen · ↗Abschiedsfeier · ↗Abschiedsgeschenk · ↗Abschiedsgesuch · ↗Abschiedsgruß · ↗Abschiedskuss · ↗Abschiedsparty · ↗Abschiedsrede · ↗Abschiedsschmerz · ↗Abschiedsspiel · ↗Abschiedsstunde · ↗Abschiedsszene · ↗Abschiedstournee · ↗Abschiedstrunk · ↗Abschiedsträne · ↗Abschiedsvorstellung · ↗Abschiedswort
 ·  mit ›Abschied‹ als Letztglied: ↗Junggesellenabschied · ↗Junggesellinnenabschied · ↗Militärabschied
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
das Scheiden, die Trennung von jmdm., etw.
Beispiele:
ein ernster, feierlicher, förmlicher, schwerer, trauriger, kalter, kurzer, rührender, herzzerreißender, zärtlicher Abschied
der Abschied fällt mir (nicht) schwer
jmdm. den Abschied schwer machen
von jmdm., voneinander (für immer) Abschied nehmen (= sich verabschieden)
veraltetvom Leser Abschied nehmen (= den Leser auf das Ende der Erzählung hinweisen)
zum Abschied jmdn. umarmen, jmdm. (zu)winken
ohne Abschied weggehen
der Abschied vom Elternhaus, von der Heimat, Kindheit, Bühne
ein Abschied fürs Leben
Doch ach! schon mit der Morgensonne / Verengt der Abschied mir das Herz [GoetheWillkommen u. Abschied]
übertragen
Beispiel:
der Abschied vom Leben (= der Tod)
2.
gehoben Entbindung von dienstlichen Pflichten
Beispiele:
seinen Abschied (als Major) nehmen, einreichen, fordern
um seinen Abschied einkommen
seinen Abschied bekommen
jmdm. den Abschied geben (= jmdn. verabschieden, entlassen)
Da nahm sie das ersparte Geld, erkaufte ihm den Abschied vom Regimente [G. Keller7,138]
3.
veraltet Urkunde, Schriftstück der Verabschiedung
Beispiel:
Als ich Anno drei, meinen Abschied in der Hand, vor dem Obersten stand [Immerm.8,111]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abschied · abgeschieden · Abgeschiedenheit · verabschieden
Abschied m. ‘Aufbruch, Trennung, Entlassung aus einem Dienstverhältnis’, übertragen ‘Tod’, (bis zum 18. Jh.) ‘Beschluß, Vereinbarung, Entscheidung’ (vgl. Reichsabschied, ein Gesetz verabschieden). Das gegen Ende des 14. Jhs. aufkommende Substantiv ist (wahrscheinlich in Analogie zu Ableitungen von anderen starken Verben, vgl. Abstieg zu absteigen) die Konkurrenzform von dem aus dem reduplizierenden Verb abscheiden ‘(sich) trennen’ gebildeten, nur wenig jüngeren Abscheid m., das im 18. Jh. durch Abschied verdrängt wird. Von dem heute vorwiegend fachsprachlich verwendeten Verb abscheiden ‘(sich) absondern, abtrennen’, veraltet ‘weggehen, Abschied nehmen’, übertragen ‘verscheiden, sterben’ (mhd. abescheiden ‘lostrennen, entfernen, entlassen, verabschieden’, vgl. asächs. ofskīðan, mnd. afschēden, got. afskaidan ‘trennen’) ist vor allem das zugehörige abgeschieden Part.adj. ‘entlegen, einsam, zurückgezogen, verstorben, tot’ gebräuchlich, das die im Sprachgebrauch der Mystik (um 1300) entstandene ältere Form abgescheiden ‘losgelöst von irdischen Dingen, weltabgewandt’ im 17. Jh. ablöst. Zur Etymologie s. ↗scheiden. Dazu Abgeschiedenheit f. ‘Entlegenheit, Einsamkeit’ (18. Jh.), in religiösem Sprachgebrauch ‘Weltabgewandtheit’ (17. Jh.), nach älterem, in der Mystik geprägtem Abgescheidenheit (um 1300). verabschieden Vb. ‘(aus dem Dienst) entlassen, in den Ruhestand versetzen, ein Gesetz annehmen und für rechtsgültig erklären’, (reflexiv) ‘auf Wiedersehen sagen, sich empfehlen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abschied · Auseinandergehen · Ausscheiden (aus einer Beschäftigung) · ↗Lebewohl · ↗Trennung · ↗Weggang
Assoziationen
Synonymgruppe
Abschied · Abschiednehmen · Abschiedsakt · ↗Verabschiedung  ●  letzte Worte  auch figurativ
Synonymgruppe
Ableben · Abschied · ↗Exitus · Hinscheiden · ↗Lebensende · ↗Sterben · Versterben  ●  ↗(jemandes) Tod  Hauptform · ↗Abberufung  verhüllend, fig. · ↗Heimgang  religiös · ↗Hinschied  schweiz. · ↗Sterbefall  fachspr., Amtsdeutsch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Plötzlicher Herztod · ↗Sekundentod
  • Bolustod  ●  Bockwurstbudentod  ugs. · Minutentod  ugs. · Schlucktod  ugs.
  • (der) fröhliche, lachende Tod · Safranvergiftung
Assoziationen
  • (die) Augen für immer schließen · (jemandem) schlägt die Stunde · (jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen · ↗ableben · das Zeitliche segnen · den Tod erleiden · ↗erlöschen · in den letzten Zügen liegen · in die ewigen Jagdgründe eingehen · sein Leben aushauchen · sein Leben lassen · seinen Geist aushauchen · ↗verdämmern · ↗verscheiden · ↗versterben · ↗wegsterben  ●  (die) Reihen lichten sich  fig. · ↗abtreten  fig. · aus dem Leben scheiden  fig. · ↗dahinscheiden  verhüllend · ↗davongehen  fig. · ↗entschlafen  fig., verhüllend · ↗fallen  militärisch · ↗gehen  verhüllend · sanft entschlafen  verhüllend, fig. · seinen letzten Gang gehen  fig. · ↗sterben  Hauptform · uns verlassen  verhüllend · von der Bühne des Lebens abtreten  fig. · von uns gehen  fig. · über die Klinge springen (lassen)  salopp · (den) Arsch zukneifen  vulg., fig. · (den) Löffel abgeben  ugs., fig., salopp · (den) Weg allen Fleisches gehen  geh. · (seine) letzte Fahrt antreten  ugs., fig. · ↗dahingehen  geh., verhüllend · dahingerafft werden (von)  ugs. · den Geist aufgeben  ugs. · die Hufe hochreißen  derb, fig. · dran glauben (müssen)  ugs. · in die Grube fahren  ugs., fig. · ins Gras beißen  ugs., fig. · seinen Geist aufgeben  ugs. · vor seinen Richter treten  geh., fig. · vor seinen Schöpfer treten  geh., fig.
  • Gedenkrede · ↗Nachrede · ↗Nachruf · ↗Nekrolog  ●  posthume Ehrung  geh. · posthume Würdigung  geh.
  • Todeskandidat · Todgeweihter  ●  Sterbende  weibl. · Sterbender  männl. · Moribundus  geh.
  • Begräbnisplatz · ↗Grabfeld · ↗Gräberfeld · ↗Totenacker  ●  ↗Friedhof  Hauptform · ↗Gottesacker  veraltet · ↗Kirchhof  veraltet · Leichenhof  veraltet
  • Krippentod · plötzlicher Kindstod · plötzlicher Säuglingstod
  • Hospiz · ↗Sterbehaus · ↗Sterbeklinik
  • Märtyrer
  • nach dem Tode · ↗posthum · ↗postum
  • (seinen Verletzungen) erlegen · aus dem Leben geschieden · dahingegangen · dahingeschieden · gestorben · mit jemandem ist es aus · nicht mehr sein · nicht mehr unter den Lebenden · nicht mehr unter uns (weilen) · seligen Angedenkens (nachgestellt) · seligen Gedenkens (nachgestellt) · ↗tot · tot und begraben (Verstärkung) · ↗verschieden · ↗verstorben  ●  draußen geblieben  militärisch · ↗gefallen  militärisch · hat uns verlassen  verhüllend, fig. · ↗selig (nachgestellt)  veraltet · von uns gegangen  verhüllend, fig. · (jemand) hat es hinter sich  derb · draufgegangen (bei)  ugs. · gehimmelt  ugs. · ↗mausetot  ugs. · unterm Torf  ugs., salopp, fig. · verblichen  geh. · weg vom Fenster  ugs., fig.
  • Abgelebter · Dahingegangener · Dahingeschiedener · Ermordeter · Gefallener · ↗Leiche · Verblichener  ●  Entschlafener  verhüllend · Toter  Hauptform · Verstorbener  Hauptform · Getöteter  geh. · Verschiedener  geh.
  • Kreislaufstillstand · klinischer Tod
  • Ehrentafel · ↗Gedenktafel · ↗Grabinschrift  ●  ↗Epitaph  geh. · Epitaphium  geh.
  • nach dem Tod  ●  ↗post mortem  lat. · ↗postmortal  fachspr.
  • Ehrengrabmal · ↗Ehrenmal · ↗Scheingrab  ●  ↗Kenotaph  geh., griechisch · ↗Zenotaph  geh., griechisch
  • Endstadium · letztes Stadium
  • Todeskampf  ●  ↗Agonie  fachspr., veraltet · Terminalphase  fachspr.
  • bis zum Tod  ●  bis zum Ende ihrer Tage  weibl. · bis zum Ende seiner Tage  männl.
  • Sterbeurkunde · Todesurkunde
  • Hades · ↗Hölle · ↗Inferno · ↗Jenseits · ↗Orkus · Reich der Toten · ↗Schattenreich · ↗Totenreich · ↗Unterwelt
  • beerdigen · ↗begraben · ↗beisetzen · ↗bestatten · das letzte Geleit geben · zu Grabe tragen · zur letzten Ruhe betten  ●  das letzte Aufgebot bestellen  fig., selten · die letzte Ehre erweisen  geh. · ↗einbuddeln  derb · unter die Erde bringen  derb · ↗verscharren  derb
  • Fäulnis · ↗Moder · ↗Verfall · ↗Verwesung  ●  ↗Putrefaktion  lat. · ↗Putreszenz  lat.
Synonymgruppe
(wehmütiger) Abschied · ↗Abgesang · ↗Ausklang

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschied Bühne D-Mark Illusion Rate Saisonende Träne Wehmut Willkommen bedeuten bevorstehend bewegend bitter endgültig erzwungen feiern fällen küssen leise nehmen schenken traurig tränenreich unfreiwillig verkünden versüßen vollziehen vorzeitig winken würdig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abschied‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zum Abschied verlangt sie wieder 30 Euro für die Zeit, die sie mit ihm verbracht hat.
Die Zeit, 11.08.2012, Nr. 32
Aber als er abreitet, kichern sie ihm den Abschied nach.
Bodenreuth, Friedrich [d.i. Jaksch, Friedrich]: Alle Wasser Böhmens fließen nach Deutschland, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1938 [1937], S. 229
In ihren Zimmern sah es aus, als wäre ein Abschied fürs Leben genommen.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 06.03.1926
Zum Abschied aber mochte ich es vorher noch einmal anschauen.
Spitteler, Carl: Imago, Jena: Diederichs 1910 [1910], S. 33
An mich - denkt er - auch nicht mehr - nicht mal - Abschied - nahm er.
Scheerbart, Paul: Rübezahl. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1904], S. 9219
Zitationshilfe
„Abschied“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abschied>, abgerufen am 10.12.2019.

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