Abstammung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Abstammung · Nominativ Plural: Abstammungen · wird meist im Singular verwendet
WorttrennungAb-stam-mung (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Abstammung‹ als Erstglied: ↗Abstammungslehre · ↗Abstammungsnachweis
eWDG, 1967

Bedeutung

Herkunft, Abkunft
Beispiele:
die Abstammung in gerader Linie
er ist (von) bürgerlicher, vornehmer, unbekannter Abstammung
eine urkundlich nachgewiesene Abstammung
man hatte ihm seine Abstammung zum Vorwurf gemacht
Darwins These von der Abstammung des Menschen vom Affen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stamm · stammen · abstammen · Abstammung · angestammt · stämmig · Stammbaum · Stammbuch · Stammhalter · Stammvater
Stamm m. senkrecht gewachsener Teil eines Baumes, von dem die Äste abgehen, übertragen ‘Geschlecht, durch gesellschaftliche, sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten verbundene Menschengruppe, Sippenverband’, ahd. stam (um 800; vgl. auch liutstam ‘Volksstamm, Leute’, 8. Jh.), mhd. stam (Genitiv stammes) ‘(Baum)stamm, Geschlecht, Abstammung’, mnd. stam(me), mnl. nl. stam führen auf germ. *stamna- (vgl. dazu das unter ↗Steven, s. d., behandelte Substantiv), während aengl. stemn, stefn, engl. stem germ. *stemni- voraussetzt. Dies läßt sich wie griech. stámnos (στάμνος) ‘großer Krug’, eigentlich ‘stehendes Gefäß’, air. tamun ‘Baumstamm’, toch. A ṣtām ‘Baum’ mit m-Formans von der unter ↗stehen (s. d.) genannten Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ herleiten. Als Ausgangsbedeutung ist ‘Ständer’ anzunehmen. Die übertragene Bedeutung ‘Teil eines Volkes, Volksstamm, Geschlecht, Familie’ (vgl. oben ahd. liutstam) folgt dem Bild des sich nach allen Seiten ausbreitenden Baumes, dessen Äste aus einem gemeinsamen Stamm wachsen. Von einer ähnlichen Vorstellung ausgehend (in der Sprachwissenschaft) ‘einer Ableitung, einer Wortfamilie zugrundeliegendes Wort’ (17. Jh.), dann ‘bedeutungstragender Teil eines Wortes’ ohne wort- und formbildende Elemente, (in der Wirtschaft) ‘Grundstock, Kapital’ im Unterschied zu den Zinsen (18. Jh.), ‘fester Bestand an Personen, Mitarbeitern, Kunden, Mitgliedern’ (19. Jh.). stammen Vb. ‘seinen Ursprung haben’, mhd. stammen; dafür auch abstammen Vb. (17. Jh.); Abstammung f. ‘Herkunft, Ursprung’ (Ende 17. Jh.). angestammt Part.adj. ‘ererbt, überkommen, althergebracht’ (16. Jh., geläufig seit dem 18. Jh.). stämmig Adj. ‘(wie ein Baumstamm) kräftig, fest’ (17. Jh.). Stammbaum m. ‘(wie ein Baum mit Geäst dargestelltes) Geschlechtsregister mit dem ältesten Vorfahren als Stamm’ (17. Jh.), vgl. lat. arbor generātiōnis. Stammbuch n. ‘Register, Buch, in das die Mitglieder einer Familie, eines Geschlechts eingetragen werden’ (16. Jh.), dann ‘Buch, in das sich Freunde und Bekannte mit einem Denkspruch eintragen’ (17. Jh.). Stammhalter m. ‘männlicher Nachkomme, der das Geschlecht erhalten soll’ (17. Jh.). Stammvater m. ‘Begründer eines Geschlechts’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abstammung · ↗Elternhaus · ↗Geburt · ↗Herkommen · ↗Herkunft · ↗Provenienz · ↗Ursprung  ●  ↗Abkunft  geh. · Wurzeln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Abstammung · ↗Adel · ↗Geschlecht
Unterbegriffe
  • Hochadel · hoher Adel
  • Uradel  ●  alter Adel  österr.
  • Niederadel · niederer Adel
Assoziationen
  • Gefürsteter Graf · ↗Reichsgraf
  • Adelsherrscher · ↗Aristokrat · Blaublüter  ●  Aristo  ugs.
  • Fauth · ↗Vogt · Voigt
  • Trauung zur linken Hand · morganatische Ehe
  • Adelsarchiv · Gutsarchiv · Herrschaftsarchiv
  • Adelsbuch · ↗Adelsmatrikel
Synonymgruppe
Abstammung · ↗Pedigree · ↗Pferderasse  ●  Papiere  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amerikanerin Rasse Staatsbürger US-Bürger adlig afrikanisch albanisch algerisch arisch armenisch asiatisch chinesisch ethnisch hispanisch hugenottisch indianisch indisch irisch jüdisch koreanisch kurdisch lateinamerikanisch libanesisch marokkanisch nichtarisch nordafrikanisch pakistanisch tunesisch türkisch ungarisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abstammung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wahrscheinlich hängt mein besonderes Interesse daran auch mit meiner Abstammung zusammen.
Der Tagesspiegel, 09.03.2001
Noch rechtzeitig brachte sie den Schmuck bei der Gestapo vorbei, und niemand fragte sie dort nach ihrer Abstammung.
Süddeutsche Zeitung, 24.12.1998
Sie erwiesen sich als unfähig, Christen jüdischer Abstammung zu schützen.
Kwiet, Konrad: Rassenpolitik und Völkermord. In: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1997], S. 138
Germanische Namen lassen bekanntlich keinen sicheren Schluß auf germanische Abstammung zu.
Baus, Karl: Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1973], S. 26051
Seine Mutter war bestimmt deutscher Abstammung, aber mit der Zeit völlig italianisiert.
Haraszti, Emile: Bono. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1952], S. 2756
Zitationshilfe
„Abstammung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abstammung>, abgerufen am 24.04.2019.

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