Abstecher, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Abstechers · Nominativ Plural: Abstecher
Aussprache
WorttrennungAb-ste-cher (computergeneriert)
Wortzerlegungabstechen-er
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
kleiner Exkurs (auf einer Reise)
Beispiele:
einen Abstecher ins Gebirge machen
Hab' ich einen Abstecher gemacht nach Gent [SchillerWallenst. Lager5]
bildlich Abschweifung
Beispiel:
einen Abstecher vom (eigentlichen) Thema machen
2.
Theater Gastspiel in der Umgebung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stechen · ausstechen · Stecher · Stechapfel · Stechpalme · abstechen · Abstecher · anstechen · Anstich
stechen Vb. ‘mit einer Spitze verletzen bzw. in etw. eindringen’, ahd. stehhan (um 800), mhd. stechen (auch ‘turnieren’), asächs. stekan, mnd. mnl. stēken, nl. steken, afries. steka (westgerm. *stekan) führen mit den unter ↗stecken, ↗Stachel, ↗Stake (s. d.) genannten Formen sowie mit ahd. stehhōn ‘anstacheln, erstechen’ (8. Jh.), got. staks ‘Wundmal’ auf ie. *(s)teg-. Demgegenüber setzen die außergerm. Verben und Nomina aind. tḗjatē ‘ist, wird scharf, schärft’, tigmáḥ ‘scharf, spitzig, heiß, heftig’, griech. stízein (στίζειν) ‘stechen, punkten, tätowieren, brandmarken’, stígma (στίγμα) ‘Stich, Brandmal, Malzeichen, Kennzeichen’, lat. īnstīgāre ‘anstacheln, anspornen, aufreizen’ ie. *(s)teig-, *(s)tig- voraus. Mit Sicherheit liegt eine ie. Ausgangsform mit i-Vokal bzw. i-Diphthong auch in aengl. stician ‘stechen, durchstoßen’, engl. to stick ‘stechen, stoßen, stecken’, einem Teil der unter ↗Stecken (s. d.) genannten Formen sowie in ablautendem anord. steikja ‘braten’, eigentlich ‘an den Bratspieß stecken’, vor. Bei einer Reihe verwandter Wörter aber (s. ↗Stich, ↗Stichel, ↗sticken, ↗ersticken) bleibt offen, ob das i der Wurzelsilbe aus dem Ie. ererbt oder (außerhalb des Got.) durch ein ursprüngliches i bzw. j der Folgesilbe aus e entstanden ist. Ie. *(s)teig-, *(s)tig- und die Variante *(s)teg- ‘stechen, spitz, Stange, Pfahl, Stock’ sind Gutturalerweiterungen der Wurzel ie. *(s)tei- ‘spitzig’, die unerweitert in lat. stilus, stimulus (s. ↗Stil, ↗stimulieren) enthalten ist. ausstechen Vb. ‘durch Stechen herausnehmen oder entfernen’, asächs. ūtstekan, spätmhd. ūʒstechen; auch ‘beim Turnier aus dem Sattel stechen’, daher ‘jmdn. von seinem Platze verdrängen, seine Stellung einnehmen, ihn übertreffen’ (17. Jh.). Stecher m. ‘wer sticht’, mhd. stechære, stecher, auch ‘gedungener Mörder, Turnierkämpfer, stechende Waffe, Dolch’; vgl. Kupferstecher, s. auch ↗Feldstecher. Stechapfel m. giftiges Nachtschattengewächs mit stachligen Früchten (16. Jh.). Stechpalme f. Strauch mit glänzenden, stachligen Blättern, dessen immergrüne Zweige vielfach am Palmsonntag geweiht und in der Prozession mitgeführt werden (16. Jh.). abstechen Vb. ‘mit einem Stichwerkzeug abtrennen, durch einen Stich schlachten, ablaufen lassen, markieren, abgrenzen, sich von oder gegen etw. abheben’, mhd. abestechen ‘abtrennen, durchtrennen, schlachten, durch Stechen (im Turnier) besiegen, übertreffen’. Abstecher m. ‘kleiner, von der vorgegebenen Route abweichender Ausflug’ (18. Jh., zuvor nd. affsteker, um 1700), zu abstechen in der älteren Bedeutung ‘sich entfernen, davonmachen’ (16. Jh.). anstechen Vb. ‘in etw. hineinstechen, es damit öffnen’ (ein Faß), mhd. anestechen ‘anzapfen’, auch ‘antreiben (mit den Sporen), Feuer anlegen’, ahd. anastehhan ‘hineinstechen’ (9. Jh.). Anstich m. ‘das Anzapfen’ (eines Fasses, 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abschweifung · ↗Einschub · ↗Umschweif  ●  Abstecher  ugs. · ↗Exkurs  geh., bildungssprachlich · ↗Schlenker  ugs., fig.
Assoziationen
  • (sich) in Details verlieren · ↗(sich) verzetteln · (zu) sehr in die Einzelheiten gehen · ↗abschweifen · den Überblick verlieren · nicht auf den Punkt kommen · nicht bei der Sache bleiben · unüberlegt drauflosreden · vom (eigentlichen) Thema abkommen · vom Hundertsten ins Tausendste kommen · von Punkt zu Punkt springen  ●  den Faden verlieren  fig. · vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen  ugs.
Synonymgruppe
Umleitung · ↗Umlenkung · ↗Umweg  ●  Abstecher  ugs. · ↗Schlenker  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Besichtigung Dienstreise Essener Gefilde Harz Hinterland Landesinnere Lohnenswert Nachbarland Nord Portraitgalerie Sehenswürdigkeit Seitental Westküste dreitägig einjährig einplanen eintägig empfehlenswert gelegentlich gönnen kurz lohnen lohnend lohnenswert obligatorisch touristisch unternehmen während zweitägig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Abstecher‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei war von einem Abstecher über zehn Spiele die Rede.
Die Zeit, 16.11.2012 (online)
Für einen Abstecher nach New York sieht es schlecht aus.
Die Welt, 06.10.1999
Als es Frühjahr wurde, machte ich auf dem Weg zur Schule bisweilen einen Abstecher durch den Park.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 38
Nach diesem Abstecher in die tanzende Öffentlichkeit kehren wir zurück in die private Gesellschaft.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 341
Nach diesem Abstecher nach Königsberg blieben wir einstweilen noch geraume Zeit allein zu Hause.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 17847
Zitationshilfe
„Abstecher“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Abstecher>, abgerufen am 18.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
abstechen
abstauen
Abstaubertor
Abstauber
abstäuben
abstecken
Absteckung
abstehen
Absteher
abstehlen